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Klaus Wowereit : Der Seriensieger

  • -Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Der charmante Mann von 57 Jahren, der auch mit Grauschopf noch jugendlich wirkt, ist ein beinharter Machtmensch. Nun hat er die Wahl zwischen Grünen und der CDU.

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          Als sich vor zehn Jahren die SPD ausgerechnet in der ehemaligen Frontstadt Berlin daran machte, mit der PDS eine Koalition einzugehen, wiesen Sozialdemokraten immer wieder darauf hin, nur in dieser Konstellation sei die Sozialdemokratische Partei Deutschlands „die große Kraft in der Mitte“. Das Kalkül ist aufgegangen: Nach zehn Jahren Rot-Rot ging der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mit seiner SPD derartig selbstbewusst in den Wahlkampf, dass er allen schon lange vor der Bekanntgabe des Ergebnisses wie der Sieger vorkam.

          Seine Partei war sich ihrer Sache so sicher nicht, sie ließ sich den Berliner Wahlkampf stattliche 1,7 Millionen Euro kosten, das ist mit Abstand mehr, als Grüne (1,1 Millionen) und CDU (eine Million) ausgeben konnten. Die Kampagne war ganz auf den Spitzenkandidaten ausgerichtet und kargte mit Inhalten und Versprechen. Die vor fünf Jahren gegebenen Versprechen habe man gehalten, sagte Wowereit. Er warnte davor, von der Politik zu viel zu erwarten: Keine Partei könne zusagen, dass die Berliner Mieten in den kommenden Jahren nicht steigen würden.

          „Wowereit ausstopfen, Künast frisieren, Knut wiederbeleben!“, forderte die Satirepartei „Die Partei“ auf Plakaten. Man versteht, warum sie beim „Regiermeister“ auf Knut, den heißgeliebten und frühverstorbenen Eisbären, verfallen ist. Wowereit verteilte „Wowi-Bären“, ja, er schenkte sie in der letzten Sitzung des Senats sogar seinen Senatoren, und das könnte als bedenkliches Symptom dafür ausgelegt werden, dass sich hier jemand anschickt, sein flauschiges Image zur zweiten Natur machen zu wollen. Wer ihn kennt, weiß, dass der charmante Mann von 57 Jahren, der auch mit Grauschopf noch jugendlich wirkt, ein beinharter Machtmensch ist. Wowereit ist in Berlin geboren, er hat hier Rechtswissenschaften studiert. Er steht seit dem ersten Staatsexamen 1979 im Staatsdienst, davon war er elf Jahre lang als Volksbildungsstadtrat in Berlin-Tempelhof. Sozialdemokrat ist er seit 1972. 1995 wurde er ins Abgeordnetenhaus gewählt, vier Jahre später war er Fraktionsvorsitzender.

          Schon vor dem Wahltag hat er durchgesetzt, dass die Grünen eine Machtoption weniger besitzen, als sie zu Beginn des Wahlkampfs annahmen, so dass die SPD voraussichtlich freie Wahl zwischen CDU und Grünen - und eventuell sogar auch wieder der Linkspartei - haben wird. Die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast sah sich gezwungen, zehn Tage vor dem Wahltermin zu versichern, keinesfalls mit der CDU gemeinsam die Regierung anzustreben.

          Damit war Wowereit am Ziel, und die SPD ist abermals „die große Kraft in der Mitte“. Streckenweise hatte Wowereit die Stadt Berlin so betont lustlos regiert, dass damit auch seine Ambitionen auf höhere Ämter in der Bundespolitik erledigt schienen. Nun hat SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles ihn wieder ins Gespräch gebracht: Wenn er abermals gewählt werde, könne er Kanzlerkandidat sein. Wowereit wehrte ab: So leicht werde man ihn nicht los.

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