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Frank Henkel : Der Überraschungskandidat

  • -Aktualisiert am

Eine Berliner Koalition zwischen Henkels CDU und Wowereits SPD ist kaum denkbar Bild: dpa

Frank Henkel hat die Berliner CDU als Regierungspartei wieder denkbar gemacht. Im Osten gewinnt sie mit ihm deutlich an Glaubwürdigkeit. Dafür hat er bienenfleißig gearbeitet.

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          Klaus Wowereit und Frank Henkel sollten nicht zusammen auftreten, das steht ihnen nicht. Beim "Duell" von Amtsinhaber und Herausforderer im Fernsehen guckte Wowereit immer gequält aus der Wäsche, wenn Henkel sprach, und dieser zeigte wieder das kindlich-breite Grinsen, das sein Gesicht überzieht, wenn er zu punkten meint. Dass Wowereits SPD und Henkels CDU nach dem Wahltag am 18. September in Berlin eine Koalition bilden, ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Vorfreude auf engere Zusammenarbeit scheinen beide nicht zu empfinden, und auf Wowereits Seite hat es keineswegs geholfen, dass sich Henkel gegen ihn zu behaupten wusste.

          Eine Wahl gewann Henkel dieser Tage, ohne auch nur den Mund aufzumachen: Im Haus der Industrie- und Handelskammer, wo sich alle Spitzenkandidaten - außer Wowereit, der schickte seinen Fraktions- und Parteivorsitzenden Michael Müller - Fragen stellten, gewann er 51 Prozent Zustimmung, die CDU erhielt 57 Prozent. Dass die Berliner CDU auch im wirklichen Leben in diesem Sommer auch außerhalb ihrer engsten Gefolgschaft als Regierungspartei denkbar zu werden begann, verdankt sie Frank Henkel. Er hat in den vergangenen drei Jahren bienenfleißig daran gearbeitet, Geschlossenheit und Ernsthaftigkeit in die Partei und die Fraktion zurückzubekommen. Diese waren nach dem Scheitern der zehn Jahre währenden Koalition mit der SPD im Sommer 2001 derartig zerrüttet und kopflos, dass sie lange nicht Tritt fassten. Heute wird Henkel in und außerhalb seiner Partei als mögliche Antwort auf die Krise der Berliner Union und nicht länger als Teil von ihr gesehen. Er wird leicht unter- oder überschätzt, deswegen hat es länger gedauert.

          Gewinner in grässlichen Verhältnissen

          Henkel ist der Gewinner der grässlichen Verhältnisse, in die sich die Berliner CDU nach dem Verlust der Macht hineinbegeben hatte. Eberhard Diepgen und Klaus-Rüdiger Landowsky hatten feste Mehrheiten aufgebaut, indem sie aus der CDU den Gesamtbetriebsrat der Stadt machten. Zwischen der im Westen übermächtigen CDU und der im Osten dominierenden PDS zerrieb es die SPD. Sobald aber Landowsky - einer Parteispende wegen - ihr Gelegenheit dazu bot, machte die SPD Schluss. Sie koalierte erst mit den Grünen, dann mit der PDS und wurde dabei stärker. In der CDU aber wechselten die Vorsitzenden von Partei und Fraktion in rascher Folge. Die vielen CDU-Mitglieder, die mit dem Regierungs- und Parlamentsumzug nach Berlin hier eine neue Heimat suchten, vergraulten die Einheimischen systematisch. So vermochten sie die Berliner Union nicht zu beleben und zu erneuern. 2006 setzte man auf einen Mann von außen. Doch Spitzenkandidat Friedbert Pflüger unterbot mit 21,3 Prozent der Stimmen das Ergebnis von Frank Steffel (23,8 Prozent im Jahr 2001).

          Statt Pflügers Lockerungsübungen für ein Jamaika-Bündnis in der zweiten Wahlperiode von Rot-Rot mitzumachen, verschworen sich die Herren der Berliner CDU gegen ihn, sobald er die Parteiführung beanspruchte. Sie ließen ihn als Fraktionsvorsitzenden abwählen und versagten ihm eine Kandidatur für den Bundestag. Seitdem gehört Pflüger zu den Abgeordneten, die im Abgeordnetenhaus nicht oft gesehen werden. Nicht, dass er fehlte; die anwesend sind, fielen in den vergangenen zehn Jahren auch nicht durch Fleiß und Ideenreichtum auf. Henkel wurde der Nachfolger, erst in der Fraktion, dann in der Partei. Ohne Bosheit ist er als Gewinner der Herrschaft der Kreisvorsitzenden zu bezeichnen. Denn dem Kreis der einflussreichsten Kreisvorsitzenden, die allein bestimmten, wer in der Berliner CDU was wird, gehörte er selbst an.

          Keine „West-Karte“

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