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AfD bei Wahl in Berlin : Erfolgreich mit Widersprüchen

  • -Aktualisiert am

AfD-Spitzenkandidat Pazderski spricht nach der Wahl in Berlin von großen Zielen. Bild: Daniel Pilar

Tabubrüche braucht die AfD keine, um erfolgreich zu sein. Nach dem Erfolg in Berlin spricht sie von großen Zielen - und hat dabei die Bundestagswahl im Blick.

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          Lange stand Georg Pazderski am Rand. Vor zwei Wochen, als die AfD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an der CDU vorbeizog und der dortige Spitzenkandidat belobigt wurde, saß Pazderski an der Seite und grinste nur. Der Spitzenkandidat der Berliner AfD wusste, dass sein Moment noch kommen würde. Am Sonntag, Punkt 18 Uhr, ist es soweit. Die erste Hochrechnung sieht die AfD bei 11,5 Prozent. Am Jubel, der ein paar Sekunden zu spät einsetzt, merkt man, dass sich die Anhänger mehr erhofft hatten. Egal, routiniert reißt Pazderski die Arme nach oben. Er bahnt sich den Weg auf die kleine Bühne, auf der ein Rednerpult steht, eingehüllt in eine Berlin-Fahne. Die AfD tritt in der Hauptstadt fast schon staatstragend auf.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Als Kulisse hat sich die Partei den Ratskeller im Charlottenburger Rathaus ausgesucht, ein monumentales Gebäude aus Stein mit Turm, das mittelalterlichen Rathäusern nachempfunden ist. Am Wahltag wird es zur Festung. Rund ein Dutzend Polizeiwagen umstehen das Haus, vor der Absperrung sammeln sich gut 30 Demonstranten. Sie halten ein Transparent hoch mit der Aufschrift „Stoppt die Berliner AfD“. Auf der Bühne im Ratskeller spricht Pazderski: „Das Wahlergebnis ist einmalig für Berlin.“ Und: „Das ist Teil eines viel größeren Ziels.“ Der Spitzenkandidat meint die Bundestagswahl im nächsten Jahr. Von Anfang an hatte die AfD die Losung ausgegeben: Wenn wir es in Berlin schaffen, dann schaffen wir es überall.

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          Berlin ist ein schwieriges Pflaster für die Alternative für Deutschland – würde man meinen. In Kreuzberg tummeln sich die urbanen Hipster, im Westen der Stadt leben die traditionellen CDU-Wähler und im Osten sammelt die Linkspartei viele Protestwähler ein. Pazderski passte da zu Anfang nirgends sonderlich gut hinein. Er ist erst vor fünf Jahren zugezogen und fremdelte mit der Stadt. Inzwischen wirkt er bei den meisten Themen gut vorbereitet. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer war 41 Jahre Offizier bei der Bundeswehr, arbeitete in ganz Deutschland, Brüssel und Florida. Darauf ist er stolz. In Interviews spricht der 64 Jahre alte Pazderski viel von „Menschenführung“. Seinen Landesverband, aber vielleicht auch ganz Berlin, würde er gerne mit militärischer Strenge führen.

          Die karierten Sakkos, die er zu Beginn seiner politischen Laufbahn trug, erinnerten an den modischen Stil von Alexander Gauland, dem nationalkonservativen AfD-Chef im benachbarten Brandenburg, und ließen vermuten, dass Pazderski Gauland auch inhaltlich recht nah steht – was auch so ist, in Berlin aber nicht allzu gut ankommen würde. Deswegen tauschte er die karierten Jacken bald gegen gutsitzende dunkle Anzüge. Mit der Änderung der Mode ging eine Änderung im Ton einher. Schon im Wahlkampf war Pazderski immer und überall um Mäßigung bemüht. Bei der Bundeswehr lernt man Selbstbeherrschung. Pazderskis Ko-Vorsitzende, die EU-Abgeordnete Beatrix von Storch, war auch deswegen fast nie im Wahlkampf zu sehen. Von Storch hatte einst über den Einsatz vom Schusswaffen an der deutschen Grenze in Zeiten der Flüchtlingskrise räsoniert – Schießbefehl im Berliner Wahlkampf, das passt nicht.

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