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Freie Wähler in Bayern : „Hebammen statt Weltraum!“

  • Aktualisiert am

Bald Koalitionspartner? Markus Söder und Hubert Aiwanger Bild: dpa

Die Freien Wähler um Hubert Aiwanger gehören zu den Gewinnern des Wahlabends in Bayern. Aiwanger bietet nun sogar der CSU eine Koalition an. Wer ist der Mann, der für die Partei ein Rekordergebnis erzielte?

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          Hubert Aiwanger gehört zu den Siegern des Wahlabends in Bayern: Seine Freien Wähler erreichten mit rund 11,5 Prozent ein Rekordergebnis und sind nun die erste Wahl der CSU bei der Suche nach einem Koalitionspartner. Aiwanger machte umgehend deutlich, dass er dazu bereit ist: Er werde Ministerpräsident Markus Söder (CSU) „machbare Vorschläge auf den Tisch legen“, kündigte er an.

          In einem Tweet formulierte er kurz nach der Wahl bereits eine klare Forderung an eine neue Regierung im Freistaat. Man müsse sich wieder stärker dem Wahlvolk zuwenden – und sich um die realen Probleme der Menschen kümmern, schrieb er.

          Bisher gab es in der deutschen Politik vermutlich keinen Politiker, der so viele Ämter auf sich vereint wie Aiwanger. Er ist Stadtrat und Kreisrat sowie Kreisvorsitzender, bayerischer Landesvorsitzender, Landtagsfraktionschef – und fast schon nebenbei auch Bundesvorsitzender der Freien Wähler. Nun kann er sich nach zehn Jahren erfolgreicher Opposition auch noch auf ein Ministeramt freuen.

          Aufstieg der Freien Wähler in Bayern begann 2008

          Der am 26. Januar 1971 in Ergoldsbach in Niederbayern geborene Aiwanger ist derjenige, der als Erster die Vormachtstellung der CSU brechen konnte. Aiwanger stieg mit seiner Wählergruppierung in Bayern nämlich zur ernst zu nehmenden Kraft auf, als die CSU von 2003 bis 2008 noch mit einer heute unvorstellbaren Zweidrittelmehrheit regierte.

          Die Unzufriedenheit der Wähler nach der Reformwut von CSU-Chef und Ministerpräsident Edmund Stoiber und dem dann folgenden chaotischen Sturz Stoibers konnten Aiwanger und seine Mitstreiter nutzen und 2008 mit über zehn Prozent erstmals in den Landtag einziehen. Es handelte sich um Stimmen, die zum größten Teil von früheren CSU-Wählern kamen und die der CSU bis heute fehlen, wie sich auch am Wahlabend zeigte.

          Schon 2008 erschienen die Freien Wähler vielen bereits als der natürliche Koalitionspartner der CSU. Doch der damals neue Ministerpräsident Horst Seehofer setzte darauf, dass sich die Freien Wähler ohne Regierungsbeteiligung als Phänomen von selbst erledigen. Da hatte Seehofer den zähen Aiwanger falsch eingeschätzt: 2013 zog er mit seinen Leuten abermals in den Landtag ein, dies hat er nun eindrucksvoll wiederholt.

          In seiner Partei gebe es „die letzten vernünftigen Konservativen, nur mit uns wird es eine bürgerliche, wertkonservative Regierung geben“, sagte Aiwanger kürzlich. Der Grund für den Erfolg seiner Partei ist aus seiner Sicht vor allem ihre Bürgernähe, die auch Aiwanger verkörpert.

          Der zweifache Vater – seine Lebensgefährtin ist Freie-Wähler-Landrätin – scheint omnipräsent bei Veranstaltungen. Der studierte Agraringenieur betreibt einen kleinen Bauernhof in Rahstorf und ist Hobbyjäger. Und auch nach zehn Jahren in der Landespolitik spricht er so einen ausgeprägten niederbayerischen Dialekt, dass er manchmal Äußerungen wiederholen muss, damit sie verstanden werden.

          An sich wäre Aiwanger also jemand, der wie der Idealtypus eines CSU-Politikers klingt. Doch bei seinem späten Einstieg in die Politik, erst mit 30 Jahren, entschied sich Aiwanger bewusst für die Freien Wähler. Die CSU war ihm zu arrogant, wie er einmal sagte. Nun will er den Christsozialen helfen, an der Regierung in München zu bleiben.

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