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Wahl in Bayern : Endspiel für Söder

  • -Aktualisiert am

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: Wollte er zu viel an Glaubwürdigkeit? Bild: dpa

Markus Söder reichte es im Wahlkampf nicht, als glaubwürdig wahrgenommen zu werden – er wollte ein Glaubwürdigkeitsprotz sein. Büßt der von Kontrolle Besessene dafür am Sonntag?

          10 Min.

          Am Montagabend, als Markus Söder und Horst Seehofer gemeinsam im Stadttheater Ingolstadt auftraten, sagte der bayerische Ministerpräsident, der noch vor ein paar Monaten großzügig eine Amtszeitbegrenzung auf zehn Jahre vorgeschlagen hatte, er wolle „länger“ im Amt bleiben. Länger hieß: als die bisherigen sieben Monate. Wer hätte das gedacht? Dass es mit Söder und der CSU einmal so weit kommen würde, dass sie den bloßen Verbleib in der Regierung zu sichern versuchen mit der Warnung vor dem Untergang. Völlig unrealistisch scheint auch der nicht mehr zu sein. Die CSU schwankte in den letzten Umfragen vor der Wahl zwischen 33 und 35 Prozent. Womöglich könnte auch ohne die AfD eine Mehrheit gegen die CSU gebildet werden. Regenbogen-Koalition hieße das. Söder sagte in Ingolstadt: „Sie alle wissen, wie flüchtig ein Regenbogen ist.“

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Gründe für die Lage der CSU lassen sich viele denken. Die überall schwindende Bindungskraft von Volksparteien, der Überdruss an einer Partei, die seit mehr als 60 Jahren fast ausschließlich allein regiert, der Zuzug von Leuten, die nicht schon zur Taufe einen CSU-Strampler bekommen haben. Im Großen und Ganzen galt das aber auch schon 2013. Damals holte die Partei 47,7 Prozent. Doch seither ist viel passiert. Aus der Flüchtlingskrise erwuchs der CSU eine Glaubwürdigkeitskrise. Das war fast unvermeidlich, wenn man als Partei den Anspruch hat, gleichzeitig dem ökologisch bewegten Flüchtlingshelfer wie dem nationalkonservativen Stammtischbruder eine Heimstatt zu bieten.

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