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Wahl in Bayern : Die große Schaase

  • -Aktualisiert am

Bild: Thilo Rothacker

Am nächsten Sonntag wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Wir wissen schon die Antwort auf die politischste aller Fragen - wer was wird. Und wenn es doch nicht so kommt, gilt die bayerische Grundmaxime: Ja mei!

           

          Horst Seehofer wird bis zu seinem Eintritt ins Kloster Plankstetten im Jahre 2016 bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender bleiben. Die Benediktinerabtei in der Oberpfalz kennt er schon von früheren Besinnungstagen. Es muss noch geklärt werden, ob seine Modelleisenbahn in eine Mönchszelle passt - und zu dem Bußgelübde, das Seehofer ablegen will. Mit der Apostolischen Pönitentiarie im Vatikan wird schon verhandelt, ob Seehofer auf einen päpstlichen Sonderablass für die verbalen Watschen hoffen kann, die er an christsoziale Mitstreiter so freigebig austeilte - Schmutzeleien, Glühwürmchen, Oberbedenkenminister.

          Bis zum Rückzug ins Kloster wird Seehofer die Einführung einer Wiesnmaut für Ausländer durchgesetzt haben. Wer einmal auf dem Oktoberfest mit einem Riesendurst in einem Stau vor dem Armbrustschützenzelt festgesteckt ist, weil halb Italien an den Biertischen sitzt, wird nicht lange nach der europarechtlichen Vereinbarkeit fragen. Bayern werden die Wiesnvignette zusammen mit dem Kirchensteuerbescheid erhalten; die CSU sei schon immer für eine erweiterte Spiritualität gestanden. Wer auf die Vignette verzichtet, wird Anspruch auf eine staatliche Wiesnprämie in Höhe von 150 Euro haben. Nicht jeder wolle sein Bier in Zwangskollektiven, sprich in Wiesnzelten, genießen; das Recht auf den häuslichen Rausch müsse gewahrt bleiben.

          Ein weiterer Schwerpunkt in Seehofers zweiter Amtszeit wird ein „Hunderttausend-Frösche-Programm“ sein. Erwin Huber, Seehofers Vorgänger im Parteivorsitz, prägte bei der Verwaltungsreform die wunderschöne Sentenz, wer einen Teich trockenlegen wolle, dürfe die Frösche nicht fragen; selbige waren daraufhin beleidigt und entzogen der CSU 2008 die Mehrheit. Seehofer wird als Wiedergutmachung im Münchner Hofgarten, dem Sitz der Staatskanzlei, hunderttausend Frösche heimisch werden lassen; die CSU stehe für ein konsequentes Regieren im Einklang mit dem Mehrheitsquaken.

          Christian Ude wird einen Ruf auf einen Lehrstuhl für Alltagszoologie an der Freien Universität Mykonos annehmen, für die noch Sponsoren gesucht werden. Bei dem legendären Ferkelhalten auf dem Bauernhof von Hubert Aiwanger, dem Volkstribun im Freie-Wähler-Format, hatte Ude bekanntlich eine plötzliche Erleuchtung: Jungschweine seien „a bisserl struppiger“ als seine Schwabinger Katze. Manche wollten diese Bemerkung metaphorisch verstanden wissen - weil Aiwanger sich vor der Wahl nicht auf eine Koalition mit der SPD und den Grünen festlegte. Es war für Ude jedenfalls ein erster Schritt ins richtige Leben, raus aus Schwabing.

          Leicht war das nicht für ihn. Jedes bayerische Schulkind weiß jetzt, was droht, wenn Ober- und Unterfranken nicht auseinandergehalten werden - Ude musste schon kurz nach seiner Einschulung als SPD-Spitzenkandidat um seine Versetzung bangen. Auch sein verzweifelter Einwand, wo er herkomme, sei oben oben und unten unten, half ihm nicht. Wo immer er im Wahlkampf war, musste er sich Fragen gefallen lassen, ob er denn wisse, wo er gerade sei. Die Topographie von Mykonos - Ude ist dort Ehrenbürger - ist gegen Bayerns Vielfalt von berückender Einfachheit.

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