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Wahl-Analyse : Eine Million Stimmen mehr

Die CSU konnte 320.000 Stimmen aus der Gruppe der Nichtwähler hinzugewinnen und 120.000 vom bisherigen Koalitionspartner FDP Bild: F.A.Z.

Im Vergleich mit der Wahl 2008 stieg die Beteiligung in Bayern um sechs Punkte auf fast 64 Prozent. Davon profitierte vor allem die CSU - sie bekam mehr Stimmen früherer Nichtwähler als alle anderen Parteien zusammen.

          Horst Seehofer hat recht: Seit dem 15. September 2013, 18.00 Uhr, ist das Jahr 2008 wirklich Geschichte. Nicht nur die Schmach der CSU ist getilgt, nach 46 Jahren unangefochtener Alleinherrschaft nur mit Hilfe eines Koalitionspartners weiter regieren zu können. Mochte es zuletzt im Fall Mollath um das Versagen der bayerischen Justiz gehen oder in der Verwandtenaffäre um die Selbstherrlichkeit einer von der Macht verwöhnten Partei – am Ende verfing nicht einmal der von der FDP als SOS abgesetzte Hinweis auf das politische Risiko, die CSU abermals mit einer absoluten Mehrheit auszustatten.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Als die CSU im Jahr 2003 die Zweidrittelmehrheit gewann, entfesselte Ministerpräsident Edmund Stoiber einen Modernisierungsfuror, der sich als Bumerang erweisen sollte: Bei einer ähnlich niedrigen Wahlbeteiligung wie 2003 von nunmehr 58 Prozent reichte es im Jahr 2008 für die CSU anstatt für 60 nur noch für gut 43 Prozent der Stimmen. In dieser Situation wurde Horst Seehofer zum personifizierten Rettungsanker einer Partei, deren Kompass für die Stimmung in der Bevölkerung nicht mehr ausschlagen wollte. Wurde die CSU im Jahr 2003 noch deswegen gewählt, weil die Bürger die wirtschaftliche Lage des Landes als vergleichsweise schlecht empfanden, wurde die CSU diesmal gewählt, weil es Bayern so gut ging wie noch nie.

          Eine Million Stimmen mehr

          Nicht, dass Dankbarkeit je ein Grund gewesen wäre, dass einer Partei zuhauf Stimmen zugeflogen wären. Aber die Kombination aus einem Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden, dessen Gespür für die Veränderung politischer Stimmungen jenseits der bayerischen Grenzen mit Schmutzeleien wie „Drehhofer“ oder „Crazy Horst“ bedacht wurde, und einer CSU, die diszipliniert wie selten das Bild eines Bayern als der Pforte des Paradieses malte, verfehlte ihre Wirkung nicht. Mit 47,7 Prozent oder rund einer Million Gesamtstimmen mehr als zuletzt ist die CSU in den kommenden fünf Jahren auf keine andere Partei angewiesen – und das bei einer deutlich höheren Wahlbeteiligung: Am Sonntag strömten so viele Bayern in die Wahllokale wie zuletzt in den neunziger Jahren.

          Von dem Anstieg der Wahlbeteiligung um sechs Punkte auf fast 64 Prozent profitierte vor allem die CSU: Nach der Analyse der Wählerwanderung, die infratest-dimap auf der Basis der Wahltagsbefragung ermittelt, erhielt Seehofers Partei aus der Gruppe derer, die zuletzt nicht gewählt hatten, mehr Stimmen als von allen anderen Parteien zusammen – wenn auch nach Regionen deutlich verschieden. Überdurchschnittlich viele Stimmen gewann die CSU in den Wahlkreisen Oberbayern einschließlich der Stadt München (plus 4,9 Punkte) und in der Oberpfalz hinzu. In den fränkischen Wahlkreisen bewegte sich die CSU indes zumeist auf dem Niveau von 2008, in Mittelfranken schnitt sie sogar insgesamt schlechter ab als zuletzt. Sollte das ein schlechtes Omen für die Ambitionen des Franken Markus Söder auf die Seehofer-Nachfolge angesichts des überragenden Erststimmen-Ergebnisses der Oberbayerin Ilse Aigner sein?

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