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Ude, Facebook und die Flut : Trockenfüßler wie Stoiber

  • -Aktualisiert am

Christian Ude: Wirklich noch alles drin nach der Flut? Bild: dpa

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der Spitzenkandidat der SPD für die bayerische Landtagswahl, ist im Freistaat mit einem fatalen Facebook-Eintrag der Verlierer des Flutwahlkampfs.

          2 Min.

          In Bayern ist Christian Ude, der Münchner Oberbürgermeister und Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl, auf dem besten Weg, einen Mythos fortzuschreiben. In den Köpfen des Landes hat sich festgesetzt, dass Edmund Stoibers Chance, als erste Bayer ins Kanzleramt einzuziehen, 2002 in den Fluten der Elbe untergegangen sei.

          Wie immer gibt es mehrere Lesarten: Zu anständig sei Stoiber gewesen, weil er nicht suggeriert habe, er könne mit magischen Kräften den Lauf des Wassers aufhalten. Zu provinziell, weil der Eindruck entstanden sei, er habe im Geographiebuch nachgeschlagen und festgestellt, dass die Elbe nicht durch Bayern fließe. Zu verkopft, weil er noch das Für und Wider einer Visite im Katastrophengebiet abgewogen habe, als Schröder die Gummistiefeln schon wieder abgestreift habe.

          Auch im Falle Udes gibt es keine letztgültige Interpretation - sein Scheiten steht aber in den Augen einiger Beobachter schon fest: Er sei, politisch gesehen, der „klare Verlierer“ der Flut. Ude droht ein Medium zum Verhängnis werden, dessen Verführungskraft zu übereilten Kommentaren bereits andere Politiker erlegen sind.

          Fataler Facebook-Eintrag

          Auf Facebook fragte er an dem Tag, an dem Angela Merkel und Horst Seehofer nach Passau kamen: „Vielleicht wundert Ihr Euch: Warum keine Fotos von mir in Gummistiefeln? Ich mache keinen Wahlkampf mit dem Leid bedrückter Menschen und keinen störenden Hochwassertourismus.“

          Ude muss selbst rasch bemerkt haben, wie sein Facebook-Zynismus das Vorurteil schürte, Hochwasser nehme er erst wahr, wenn es in den Münchner Ratskeller ströme. Noch am gleichen Tag schob er auf Facebook nach, er habe dem Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper Fachleute und technisches Gerät aus München angeboten. Ganz konnte er ein Nachtreten aber nicht lassen: „Das hilft mehr als ein Hubschrauberflug!“

          Nah an der Flut: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in Metten bei Deggendorf
          Nah an der Flut: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in Metten bei Deggendorf : Bild: dpa

          Binnen Stunden wurde es um Ude einsam. Hubert Aiwanger, der Vorsitzende der Freien Wähler, mit dem Ude eine Koalition eingehen will, ließ verbreiten, er, Aiwanger, habe sich „noch vor Ministerpräsident Seehofer und Bundeskanzlerin Merkel“ einen Eindruck in Passau verschafft.

          Als Beleg versandte Aiwanger eine Kaskade von Fotos: Aiwanger am Feuerwehrauto, Aiwanger mit Bundeswehrsoldaten, Aiwanger mit der Bergwacht - selbstverständlich in Gummistiefeln. Nicht viel besser erging es Ude bei seinem zweiten Wunschpartner, den Grünen.

          Aus dem Munde von Margarete Bause, der Vorsitzenden der Grünen-Fraktion im Landtag, durfte er vernehmen, dass es Aufgabe der Exekutive sei, in Katastrophengebieten präsent zu sein: „Wenn sie’s nicht täten, müsste man ihnen Feuer unter den Gummistiefeln machen.“

          Bild: Greser&Lenz

          Spätestens nach diesen Worten dürfte Ude eine gehörige Hitze verspürt haben unter seinen Haferlschuhen, die er gerne beim Anstich des ersten Fasses auf dem Oktoberfest trägt. Am Donnerstag griff er zum Feuerlöscher und ließ wissen, er habe lediglich „für mich“ gesprochen. Er wäre doch, wenn er nach Passau gefahren wäre, „nur als Oppositionsrepräsentant, als Spitzenkandidat im Hochwassergebiet herumgestanden.“ Die Aversion gegen das Herumstehen ist ein fester Topos in Udes politischem Dasein. 2002, als Schröder auf dem Münchner Marienplatz um seine Wiederwahl warb - ohne Gummistiefel -, blieb Ude auf seiner griechischen Ferieninsel.

          Dem Kanzler stünden viele SPD-Kämpen zur Seite: „Da braucht’s nicht einen mehr, der rumsteht.“ Damals wurde in der bayerischen SPD, die mit Schröder haderte, das „Ohne mich“ eher beifällig registriert. Jetzt könnte es sein, dass sie angesichts Seehofers geschmeidigem Wechsel zwischen Gummistiefeln und Halbschuhen, zwischen Krisenorten und Kabinettssaal heilfroh über einen Spitzenkandidaten wäre, der herumsteht.

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