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SPD im Wahlkampf : Keine langen Messer für Niemand

  • -Aktualisiert am

Sigmar Gabriel im Wahlkampf Bild: dpa

Die Sozialdemokraten verkneifen sich hämische Bemerkungen über die Grünen - und bereiten sich auf eine große Koalition vor. Abgeblasen wären damit auch in der SPD herumgeisternde Putschpläne.

          Andrea Nahles ist nicht dafür bekannt, dass ihr rhetorisches Talent sie zu selbstverliebten Formulierungen verleitet, welche sie später bereuen könnte. Am Montagmorgen wurde die SPD-Generalsekretärin zu früher Stunde im Deutschlandfunk nach dem bescheidenen Abschneiden des grünen Wunschpartners in Bayern befragt. Vielleicht müssten sich die Grünen „noch ein Stück weit“ anstrengen, sagte Nahles vorsichtig. Das wolle sie ihnen auch wünschen. „Sie waren geduldig mit der SPD, wir haben auch geschwächelt über viele Monate, was die Umfragen angeht. Jetzt drücke ich denen die Daumen, dass das klappt.“

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Das war haarscharf an der Wahrheit vorbei: Die Grünen waren in der jüngeren Vergangenheit alles andere als geduldig mit der SPD und ihrem Problem-Peer. Cem Özdemir forderte die Genossen öffentlich auf, endlich aus den Puschen zu kommen, Renate Künast konnte ihr Augenrollen nur schwer verbergen – die Reihe ließe sich fortsetzen. Hätte Peer Steinbrück und nicht Nahles dieses Morgeninterview gegeben, hätte die Antwort in dialektischer Ironie womöglich geheißen: Ich verspüre eine Genugtuung, die man mir hoffentlich nicht allzu sehr anhört.

          Leichter Aufwind aus dem Süden

          In der SPD-Führung ist man dank der leichten Zugewinne im Freistaat nach der Landtagswahl heilfroh, ausnahmsweise einmal nicht im Fokus politischer Problemanalysen zu stehen. Der leichte Aufwind aus dem Süden fügt sich in die politische Großwetterlage. Intern wird in der SPD folgende Rechnung aufgemacht: Wenn Rot-Grün am Sonntag zusammen wohl nicht über 37 Prozent hinauskommt, dann ist es den Genossen natürlich lieber, sie erhielten davon 28 und nicht 25 Punkte. So wie zwischen Union und FDP heißt es jetzt zwischen SPD und Grünen: Jeder kämpft für sich.

          Für die Sozialdemokraten wäre ein Ergebnis mit Blickkontakt zur 30-Prozent-Marke ein Wahlerfolg – gemessen daran, wo die Partei zwischenzeitlich in den Umfragen stand. Dann dürfte erst einmal ein gemeinsamer Gegner ausgemacht werden, schon um die Reihen zu schließen: Wie 2005 müssen dafür dann die Medien und die demoskopischen Institute herhalten, welche die SPD heruntergeschrieben und -gerechnet hätten.

          Offiziell heißt es allenthalben, man kämpfe weiter für Rot-Grün. Sigmar Gabriel, der Parteivorsitzende, sagte am Montag gar, „alles andere seien alberne Spekulationen“. Albern? Die SPD hat sich in eine Lage gebracht, in der sie nun im Zieleinlauf für einen Teilerfolg kämpft, die Verhinderung von Schwarz-Gelb, der sie in ein Bündnis führt, welches die SPD-Basis vor eine Zerreißprobe stellt. Mitglieder der SPD-Führung verweisen hinter vorgehaltener Hand auf die Umfragesituation und deuten an, nicht wirklichkeitsfremd zu sein. Steinbrück selbst lässt sich gar für Koalitionsverhandlungen eine Rolle im „Fahrersitz“ zuschreiben. Er werde nicht um 18.30 Uhr die Segel streichen. Dieser Anspruch macht freilich klar, dass auch er sich längst auf Koalitionsverhandlungen mit Angela Merkel vorbereitet – denn für rot-grüne Verhandlungen müsste Steinbrück nicht eigens herausstreichen, welche Funktion ihm zukäme.

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