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Schlappe für die CSU : „Ein Generationenwerk ist zerstört worden“

Horst Seehofer am Wahlabend in München Bild: EPA

Für die einen schrumpft die CSU auf Normalmaß, für die anderen ist die Schlappe der Christsozialen schlichtweg eine „Katastrophe“. Der großen Koalition in Berlin und Bundeskanzlerin Merkel dürften unangenehme Wochen bevorstehen.

          Als Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Abend nach der ersten Prognose vor die Kameras tritt, spricht er von „Demut“ nach dem schlechten Ergebnis seiner Partei, aber auch von einem klaren Wählerauftrag zur Bildung einer bürgerlichen Koalition. Relativ schnell schaltet er vom Wundenlecken aufs Pläneschmieden um, was bleibt ihm anders übrig? Man kann aber auch schlicht von einer „Katastrophe“ sprechen und von einem „Elend für die CSU“, wie es zeitgleich Söders Parteifreund Peter Ramsauer tut, der frühere Bundesminister und Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Er legt noch eine Schippe drauf: „Ein Generationenwerk ist zerstört worden“, sagt er im Gespräch mit FAZ.NET. Die Analyse nach einer einfachen Landtagswahl klingt anders, diese Wahl haut selbst die erfahrensten Köpfe der bayerischen Staatspartei a.D. vom Sockel. 

          Ein Generationenwerk, das sofort Namen wie Franz-Josef Strauß, Theo Waigel oder Edmund Stoiber assoziiert. Tatsächlich ist die historischen Schlappe eine Zäsur in der Erfolgsgeschichte der Partei, die über Jahrzehnte mit absoluten Mehrheiten regiert hat. Seit 1962 konnte sie stets alleine regieren, mit Ausnahme der Jahre von 2008 bis 2013, als sie die FDP mit ins Boot holen musste. Auch damals brach eine große Krise in der CSU aus. Doch Horst Seehofer konnte den Burgfrieden wieder herstellen und 2013 die absolute Mehrheit zurückholen.

          Was ist nun passiert – und was ist anders als 2008? Haben es Söder und sein Parteichef Horst Seehofer dieses Mal im Alleingang verbockt? Oder gibt es andere Gründe? Immerhin hat sich Seehofer am Abend im ZDF für eine Diskussion über „personelle Konsequenzen“ offen gezeigt. Der ehemalige CSU-Chef Erwin Huber legte ihm sogar indirekt den Abtritt nahe: Er selbst habe nach der Landtagswahl 2008 die Verantwortung übernommen und sei zurückgetreten. „Und das hat zum Erfolg geführt.“

          Misstrauen gegen 'die da oben'

          Ganz so einfach ist es nicht, meinen mehrere Politiker aus dem Unionslager, andere Gründe werden angeführt: „Die Volksparteien sind seit ungefähr 20 Jahren im Niedergang“, sagt etwa Ramsauer. „Die Entwicklung hat vor Bayern nicht Halt gemacht.“ Dazu sei die große Koalition im Bund abgestraft worden. Auch der ehemalige Erste Hamburger Bürgermeister, Ole von Beust, CDU, meint, das „schlechte Ergebnis ist der Preis der großen Koalition“. Es gebe „großes Misstrauen gegen 'die da oben'“ in der Bevölkerung. Philipp Amthor, einer der jüngsten Abgeordneten der CDU-/CSU-Fraktion im Bundestag, sagt: „Es gab offenbar Schwierigkeiten, bei den Wählern durchzudringen. An der guten Sacharbeit in Bayern kann es jedenfalls nicht gelegen haben.“

          Die CSU, Opfer ihres eigenen Erfolges? Vieles spricht für diese These: Bayern steht, was die wirtschaftlichen Eckdaten und die geringe Arbeitslosigkeit angeht, auf der Spitzenposition im innerdeutschen Vergleich. Es ist größter Nettozahler im Länderfinanzausgleich, obwohl es lange Zeit als Agrarstaat am Tropf zum Beispiel von industriell geprägten Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen hing. Das Verhältnis hat sich heute umgedreht. Dadurch zieht Bayern ein junges, gut ausgebildetes Publikum an, eher urban geprägt, weniger im traditionellen und kirchlichen Milieu verhaftet. Der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte gegenüber der F.A.Z. kürzlich von den „Neubayern“ gesprochen, die „keine natürliche Bindung zum Land, zur CSU“ haben. Laut Statistischem Bundesamt sind in den vergangenen zehn Jahren rund 1,1 Millionen Deutsche nach Bayern gezogen.

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