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Nach der Bayern-Wahl : Weiß-blauer Kaffeesatz

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„Nur mit uns“? Diesen FDP-Slogan hat die Bayern-Wahl widerlegt Bild: dpa

In Berlin wird das Ergebnis der Landtagswahl als Signal für die Bundestagswahl gedeutet. Für die FDP könnte das Fiasko in Bayern, so eine der Theorien, im Bund sogar von Nutzen sein.

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          Groß ist die Freude im Konrad-Adenauer-Haus. Oben in der CDU-Zentrale, wo Generalsekretär Hermann Gröhe und einige andere Führungsmitglieder nachmittags zusammen sitzen, können endlich wieder Prognosen bei Landtagswahlen gefeiert werden – und seien es bloß die der Schwesterpartei. Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier feiert mit – ihm steht am kommenden Sonntag eine eigene Landtagswahl bevor. Die treuen CDU-Jugendlichen sind begeistert. Auf 49 Prozent steigt auf den Fernsehapparaten der Balken der Prognose.

          Erstmals seit Jahren kann die Union eine Landesregierung behaupten, ohne auf die SPD angewiesen zu sein. Hamburg hat die CDU verloren. Schlimmer noch: Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und zuletzt Niedersachsen. Doch an diesem Sonntag der Bayern-Wahl ist alles anders. Helle Freude macht sich breit – und das eine Woche vor der Bundestagswahl. Gröhe sagt: „Heute ist ein guter Tag für Bayern und die Unions-Familie.“ Er könne ein Ergebnis kommentieren, wie es Angela Merkel am liebsten habe: Politisch gehe nichts gegen die Unions-Parteien. „Es gibt keine Chance für Rot-Grün in diesem Land.“

          Im Konrad-Adenauer-Haus: Die CDU-Jugendlichen sind begeistert - und nicht nur die

          Merkel, die Kandidatin, und Seehofer, der Sieger des Abends, wissen: Sie brauchen einander. Und so erträgt es die Bundeskanzlerin, dass Seehofer im Wahlkampf die Sache mit der Pkw-Maut nochmals aufgebracht hat. Merkel ist dagegen. Sie hat es auch gesagt. Doch wenn sie in diesen Tagen des doppelten Wahlkampfes in Bayern auftritt, umschifft sie das Thema. Sie belässt es bei einem verdeckten Hinweis, bekannt sei ja, dass der „Horst“ und sie nicht auf allen Gebieten der Politik übereinstimmten. Lösungen würden schon gefunden. Die Stimmen für die CSU braucht sie am kommenden Sonntag für ihre Kanzlerschaft. Also ruft sie, jede Stimme für die CSU sei eine Stimme für sie. Sogar die Bayern-Hymne singt sie mit.

          Strahlend bringt Michael Grosse-Brömer, der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, das Wort in Umlauf, nun gebe es den „notwendigen Schwung“ für die letzten Tage des Bundestagswahlkampfes. Vorsorglich wird Seehofers Erfolg auch auf Merkels Politik zurückgeführt. Doch nicht bloß auf das CSU-Ergebnis schauen die Berliner CDU-Spitzen. Beinahe ebenso wichtig ist ihnen das Ergebnis der FDP. Ein paar Leute im Adenauer-Haus stöhnen auf – längst nicht alle aber zeigen Mitgefühl. Gleichwohl: Ein Ausscheiden aus dem Bayerischen Landtag, so lauten die Spekulationen, werde bei der Bundestagswahl eine Zweitstimmen-Kampagne unter Unions-Anhängern für die FDP befeuern. Gröhe versichert amtsgemäß: „Wir werben um beide Stimmen am kommenden Sonntag.“ Merkel freilich ist eine vorausschauende Politikerin. Schon weicht sie von der Linie ihrer Wahlkampfreden ab, über den kleineren Koalitionspartner kein Wort zu verlieren. Sie wolle die christlich-liberale Koalition fortsetzen, versichert sie auf den Marktplätzen.

          Das größtmögliche Fiasko

          Die FDP erlebt in Bayern das größtmögliche Fiasko, den Verlust der Regierungsbeteiligung sowie aller Abgeordnetensitze im Landtag. Noch vergangene Woche hat der Spitzenkandidat Martin Zeil bei einer Motivationsveranstaltung der FDP in Mainz behauptet, die Stimmung im Land sei gegen ein Ausscheiden der FDP aus der Landesregierung – die bayerischen Wähler wollten keine CSU-Alleinregierung.

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