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Landtagswahl in Bayern : Seehofers 100-Prozent-Partei

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Wer wissen will, was in Bayern alles besser geworden ist, seit Seehofer regiert, muss nicht das CSU-Wahlprogramm studieren - ein Blick in die SPD-Papiere reicht. Die Sozialdemokraten haben unter ihrem Logo getreulich aufgeschrieben, dass 2006, in der grauen Vor-Seehofer-Zeit, für die Förderung der Breitbandversorgung im ländlichen Raum kein Euro im Landeshaushalt gestanden habe - aber im Doppelhaushalt 2013/2014 seien es schon 250 Millionen Euro.

Auch die Freien Wähler können sich nicht beschweren. Kaum hatte ihr Vorsitzender Hubert Aiwanger in Sachen Donauausbau gefordert, „dass sich der Herr Ministerpräsident endlich selbst ein Bild von der Situation vor Ort macht“, schiffte sich der Herr Ministerpräsident schon auf einem Donaudampfer ein. Der Slogan der Freien Wähler - „Politik mit gesundem Menschenverstand“ - ist Seehofer aus dem Herzen gesprochen. Als er 2008 nach dem Verlust der Mehrheit der CSU aus Berlin nach München gerufen wurde, ließ er wissen: „Ich höre auch aus der Bevölkerung, es sei gar nicht schlecht, wenn wir jetzt da und dort was ändern müssen.“

Aiwanger bewies damals seherische Qualitäten, als er sagte: „Herr Ministerpräsident, ich gehe sogar so weit, zu sagen: Bevor Sie gezwungen sind, den Canossa-Gang Ihrer Vorgänger zu machen, weil Sie in den eigenen Reihen nicht mehr genügend Unterstützung bekommen, kommen Sie vorher zu uns.“

Die FDP, der gegenwärtige Koalitionspartner in München und Berlin - bei der CSU je nach Umfrageergebnissen mal mehr, mal weniger beliebt - gibt sich ganz brav. Sie hat als Fleißarbeit für den Wahlkampf eine siebzig Seiten umfassende Broschüre erstellt, in der dokumentiert ist, welche durch und durch liberale Politik Seehofer in den vergangenen Jahren betrieben hat. 62500 neue Krippenplätze, Kooperationen von Mittel- und Realschulen, der „Bayerntrojaner“ im Gelöscht-Verzeichnis der Sicherheitsbehörden - Seehofer ist der Ministerpräsident, der liberale Träume wahr werden lässt.

Seehofer entgeht niemand

Wie sollte da die Frage, ob die CSU nach dem 15. September alleine regieren oder doch wieder eine Hilfstruppe brauchen wird - die Seehofer-FDP oder die Seehofer-Freien-Wähler oder gar die Seehofer-SPD oder die Seehofer-Grünen - die Bayern erregen? Sie sind an eine All-Parteien-Regierung gewöhnt. Seehofer müsste sich Chancen ausrechnen können, am 15. September nahe an die hundert Prozent zu kommen.

Die Oppositionsparteien und die FDP sträuben sich zwar noch gegen ihre Adoption, auch wenn sie mit ihren Aufzählungen, was die CSU alles von ihnen kopiert habe, selbst an den Adoptionspapieren gearbeitet haben. Die SPD stellt ihre Forderung nach einer Gemeinschaftsschule als große Differenz heraus - sie kann sich allerdings keine großen Hoffnung machen, dass Seehofer nicht bald entdecken wird, schon immer die Schule für alle gewolltzu haben.

Die Grünen wollen „Bayern gentechnikfrei“ machen - Seehofer hat bereits 2010 alles dazu gesagt: „In Bayern, wie gesagt, bin ich gegen Gentechnik. In Brandenburg aber, wo es Bürgerinitiativen für diese Technologie gibt, muss man die Frage anders beantworten.“ Und die FDP hält tapfer das Schild „Freigabe des Ladenschlusses“ hoch: Seehofer wird kaum zulassen, dass sie ein Fall für den politischen Orthopäden wird. Seehofer entgeht niemand - die Opposition nicht, die FDP nicht und die CSU schon gar nicht.

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