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Hans-Peter Friedrich : „Wir werden die meisten AfD-Wähler nicht zurückgewinnen, solange Merkel Kanzlerin ist“

Ja, aber man muss schon sagen: Es ist weiterhin möglich, eine Volkspartei Mitte-Links und Mitte-Rechts zu haben, wenn man klare Positionen hat und eine klare Sprache spricht. Die Volkspartei Mitte-Links wird aber mit Sicherheit nicht mehr die SPD sein, sondern die Grünen. Die Unionsparteien können wieder Volkspartei werden, wenn sie der AfD im konservativ-liberalen Lager nicht mehr so viel Platz lassen.

Wäre es dann nicht an der Zeit, mit den Grünen in Bayern eine Koalition einzugehen?

Wenn die Grünen zur Volkspartei würden – also, wenn es denn stimmt, was ich sage –, dann wäre eine Koalition aus Grünen und CDU oder CSU eine Art große Koalition. Das soll man nur in Krisen- und Notzeiten machen. Es ist deshalb konsequent, gerade keine Koalition mit ihnen einzugehen. Es gibt von mir keinerlei Sehnsucht nach weiteren großen Koalitionen, denn die tun dem Land nicht gut. Die Leute brauchen klare Alternativen.

Sie haben gesagt, dass sich die CSU in der Flüchtlingspolitik zu häufig Frau Merkel untergeordnet habe. Wird die CSU also künftig stärker auftrumpfen in Berlin?

Nein, aber man darf mit dem harschen Ton die Erfolge, die man hat, nicht kleinmachen. Denken Sie nur daran, wie Horst Seehofer die Kanzlerin bei dem denkwürdigen Parteitag behandelt hat, um sie dann ein Jahr später zur besten Kanzlerin aller Zeiten zu küren. Das ist suboptimal, wenn ich mir diese Untertreibung erlauben darf.

Halten Sie eine Revolte in der CDU gegen die Kanzlerin etwa beim Parteitag in Hamburg für möglich oder sogar wahrscheinlich?

Ich glaube, dass alles möglich ist. Aber ich möchte keine Prognose abgeben, weil ich mich mit anderen Parteien nicht so gerne beschäftige, wenn man in seiner eigenen Partei gerade ein nicht sehr gutes Ergebnis erreicht hat.

Nicht immer einer Meinung: der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Bundeskanzlerin Angela Merkel 2012 im Bundestag
Nicht immer einer Meinung: der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Bundeskanzlerin Angela Merkel 2012 im Bundestag : Bild: dpa

Die AfD ist in Bayern zweistellig, wenn auch nicht so stark wie manche befürchteten. Hat die CSU versagt, die AfD überflüssig zu machen, indem man die Wähler rechts abholt?

Ich will ganz klar sagen: Wir werden den allergrößten Teil der AfD-Wähler nicht zurückgewinnen, solange Frau Merkel Bundeskanzlerin ist.

Das heißt, Sie können strategisch nichts gegen die AfD tun und müssen warten, bis die Kanzlerin von sich aus abtritt?

Wenn Sie lange an den Infoständen stehen, dann sagen Ihnen die Leute das genau so.

Macht Ihnen eine bürgerliche Koalition mit den Freien Wählern an irgendeinem Punkt Bauchschmerzen?

Es macht nie reine Freude, wenn man Wettbewerber, die aus dem gleichen Lager stammen und aus dem gleichen Holz geschnitzt sind, anerkennen muss. Aber es wäre die schonendste Art und Weise, mit diesem Ergebnis der Landtagswahl umzugehen. Das sind keine Harakiri-Leute, mit ihnen kann man zurecht kommen.

Ist es realistisch, in Zukunft wieder von absoluten Mehrheiten zu träumen? Ihr Parteifreund Stoiber hat davon gesprochen, dass die zugezogenen „Neubayern“ eben nicht mehr automatisch CSU wählten.

Ich teile die Ansicht von Herrn Stoiber da nur bedingt. Ich habe mich nun auch viele Jahre außerhalb von Bayern aufgehalten und weiß, dass die Menschen dort nicht weniger oder mehr konservativ sind als die Bayern. Absolute Mehrheiten sind möglich, wenn es gelingt, wieder Volksparteien herzustellen. Im Falle der Union, wenn wir das liberal-konservative Lager wieder sammeln können.

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