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Vor der Landtagswahl : Stürzt die CSU auch wegen der Umfragen?

Schlechte Umfragewerte: Die CSU Bild: dpa

Es sieht schlecht aus für Markus Söder. Die CSU steht in den Umfragen so schlecht da wie noch nie. Das kann einen Einfluss auf das Wahlverhalten haben.

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          Meinungsumfragen sollen zeigen, wie die Stimmung im Land ist. In Bayern könnte man gerade meinen, die Stimmung sei entschieden gegen die bislang allein regierende CSU: Mit den 33 Prozent, die die Partei in einer Umfrage von Infratest Dimap vom Donnerstag erreicht, schneidet sie so schlecht ab wie noch nie. Wäre schon an diesem Sonntag Landtagswahl, würde ein Drittel der Wahlberechtigten für die Partei stimmen - das sind 14,7 Prozent weniger als noch 2013. Das hieße für Ministerpräsident Markus Söder nicht nur, die absolute Mehrheit zu verlieren, es wäre ein solcher Schock, dass es auch zu Rücktritten kommen müsste. 

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          In den Umfragen bewegt sich die CSU seit Monaten stetig nach unten. Bislang hat keine der Erhebungen den Anspruch gehabt, eine Prognose zu sein, das Ergebnis der Landtagswahl vorauszusagen, sondern sie sind Momentaufnahmen mit Toleranzbereich. Markus Söder bekräftigt - seit die Umfragen gegen ihn arbeiten - gerne, dass er wenig auf Umfragen gibt. Die Stimmung auf der Straße, auf den Marktplätzen und in den Bierzelten sei eine andere als bei Infratest, Forschungsgruppe, Insa und Co. Nur, wie stark kann der drohende Machtverlust, können die Umfragen das Ergebnis der Wahl am 14. Oktober beeinflussen? 

          Wichtiger als die Frage, wer für die CSU stimmt, ist, ob es wirklich Wechselstimmung in Bayern gibt. Wer sich ein Bayern ohne Markus Söder an der Spitze vorstellt, muss zumindest eine Ahnung davon haben, wer stattdessen regiert. Im Zweier-Vergleich zu Söder sind 24 Prozent für die SPD-Spitzenkandidatin Natscha Kohnen und 19 Prozent für Ludwig Hartmann, einer der Spitzenkandidaten der Grünen. Auch die Ergebnisse der Parteien sind weit von der CSU entfernt: die Sozialdemokraten liegen bei 11 Prozent, bei den Grünen wecken die 19 Prozent Träume einer neuen Volkspartei, Parallelen zu Baden-Württemberg – trotzdem ist, je nach Umfrage, eine Koalition ohne CSU unrealistisch (nötig wäre ein Viererbündnis) oder gar nicht möglich.

          Und es gibt, wie die Infratest-Zahlen zeigen, eine hohe Zustimmung zur Arbeit der bayerischen Regierung. 47 Prozent der in Bayern lebenden Menschen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit der Staatsregierung in München, trotzdem wünschen sich nur 23 Prozent der Bürger eine Fortführung der Alleinregierung der CSU, 70 Prozent sind für eine Koalition. Die Zweifel an der eigenen absoluten Mehrheit ragen tief in das CSU-Milieu hinein. Man ist zwar ganz zufrieden, würde sich aber noch so vielen Jahren mal was anderes wünschen. 

          Wie viel sich jedoch noch verändern kann bis nächste Woche Sonntag, zeigt eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF, die am Freitag veröffentlicht wurde. Die CSU schnitt hier mit 35 Prozent etwas besser ab, vor allem lieferten die Demoskopen eine entscheidende Zahl mit: Rund die Hälfte der Befragten gab an, noch nicht festgelegt zu sein. Diese Unentschlossenen sind, wie viele Wahlen in der Vergangenheit gezeigt haben, eine schwer zu fassende Gruppe. Denn sie umfassen in aller Regel auch den Teil, der nicht zur Wahl geht. Ausgehend von der Bundestagswahl im vergangenen Jahr, als die Wahlbeteiligung in Bayern auf 78,1 Prozent stieg, bleibt wohl auch diesmal rund ein Fünftel zuhause. Bleiben 30 Prozent, die sich in der Woche Wahl noch entscheiden. Die Unentschlossenen sind in allen Bevölkerungs- und Bildungsschichten zu finden, tendenziell weniger unter Älteren, da unter ihnen die Parteienbindung etwas stärker ist. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Partei allein profitiert. 

          Umfrage zur Landtagswahl in Bayern

          , Umfrage von:
          Quelle: wahlrecht.de Alle Ergebnisse aus Bund und Ländern

          Zwei Gruppen finden sich besonders unter den Unentschlossenen. Es sind die strategischen Wähler, die ihre Stimme nicht allein wegen Wahlprogrammen oder Parteibindung vergeben, sondern weil sie besonders viel ausrichten wollen. Zum Beispiel: Die entscheidenden Prozente an die FDP, damit es für eine Koalition mit der CSU reicht? Bei dieser überschaubaren Wählergruppe könnten besonders schlechte Zahlen der Christsozialen dazu führen, dass sie gerade für die Partei von Markus Söder stimmen - um eine schlimme Niederlage zu verhindern. Wahlforscher sprechen vom Underdog-Effekt. Man geht davon aus, dass etwa zehn Prozent der Wähler solche Erwägungen durchgehen.

          Die zweite Gruppe der Unentschlossenen weiß lange nicht, wofür sie stimmen soll, weil sie sich ansonsten wenig mit dem politischen Geschehen auseinandersetzt. Im Fall der Bundestagswahl wurde sie auf etwa 20 Prozent geschätzt. Forscher gehen davon aus, dass sie sich für eine Partei entscheiden so wie viele Menschen einen Staubsauger im Internet kaufen: Welches Gerät hat die meisten Sterne, die höchste Zufriedenheit bei den Kunden? Das heißt, sie stimmen für den potentiellen Gewinner der Wahl - in aller Regel aber nicht, um auf der Seite der Gewinner zu stehen, wie es beim Bandwagon-Effekt oft heißt, sondern um den Entscheidungsprozess abzukürzen. Je nachdem, welcher Eindruck sich in dieser Gruppe durchsetzt, kann das den entscheidenden Swing auf die Wahl haben. Besonders in der CSU dürfte es große Hoffnungen geben, auf den letzten Metern die nötigen vier bis fünf Prozent hinzuzugewinnen. Die absolute Mehrheit ist abgeschrieben, aber es sollte, so ist aus der Partei zu vernehmen, schon Richtung 40 Prozent gehen. 

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