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Kommunalwahl in Bayern : Pep Seehofer verfehlt das Triple

  • -Aktualisiert am

Sieger sehen anders aus: Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer analysiert die Ergebnisse der CSU-Kandidaten bei den Kommunalwahlen in Bayern Bild: dpa

Bei den bayerischen Kommunalwahlen hat die CSU einen Dämpfer erhalten. Ihr Vorsitzender Seehofer sieht dafür freilich andere in der Verantwortung.

          In Bayern bleibt nach der Verurteilung von Uli Hoeneß der Fußball das Maß aller Dinge auch in der Politik. Am Montag war nach den Kommunalwahlen die Rede davon, dass der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer das Triple verfehlt habe. Die Erfolgsserie seiner Partei, die bei der Landtagswahl begonnen habe und bei der Bundestagswahl fortgesetzt worden sei, sei am Sonntag jäh abgebrochen. Seehofer werde als Unvollendeter in die Geschichte der CSU eingehen, selbst wenn er noch den Kunstgriff anwende, die Europawahl zum Triple-Test zu erklären. Seehofer ließ am Montag schon einmal wissen, bei Kommunalwahlen seien „eindeutig die Kommunalpolitik und die Kandidaten vor Ort maßgeblich“. Wer wollte, konnte daraus lesen, dass einer, der sich in der Champions League zu Hause fühlt, für die Regionalliga überqualifiziert ist.

          Für einen Rückzug ins eigene Spielfeld war es am Montag zwar früh; das bayerische Wahlrecht, das zulässt, dass ein Wähler sich für Bewerber aus verschiedenen Parteien entscheidet, erfordert Ausdauer bei der Auszählung der Stimmzettel. Und erst in 14 Tagen, wenn die Stichwahlen abgeschlossen sein werden, wird sich sagen lassen, wie viele Oberbürgermeister und Landräte die CSU in den nächsten sechs Jahren stellen wird. Doch absehen ließ sich am Montag schon, dass Seehofer manchen Pokal, den er zum Greifen nahe sah, voraussichtlich weiter in fremden Vitrinen betrachten muss. In besonderer Weise gilt das für das Amt des Oberbürgermeisters in der Landeshauptstadt, das in Bayern der politischen Champions League zugeschrieben wird, gleich nach dem Amt des Ministerpräsidenten.

          Ein nicht ungeschickter Spielzug

          Im Wahlkampf hatte Trainer Pep Seehofer sich nur schwer bezähmen können, in der Coachingzone zu bleiben. Er schwärmte von einer „historischen Chance“, die sich dem CSU-Bewerber Josef Schmid stelle. Damit war vornehm umschrieben, was die SPD als Foulspiel empfand; die CSU hatte verhindert, dass die Altersgrenze im Kommunalrecht so geändert wurde, dass der langjährige SPD-Oberbürgermeister Christian Ude nochmals antreten konnte. Schmid schlug sich am Sonntag mit 36,6 Prozent der Stimmen beachtlich. Es wäre allerdings ein Wunder – nicht von Bern, sondern von München –, wenn Schmid bei der Stichwahl in zwei Wochen den SPD-Bewerber Dieter Reiter hinter sich ließe, der im ersten Durchgang 40,5 Prozent erreichte: Schmid benötigte dazu in größerer Zahl Stimmen aus der grünen Wählerschaft.

          Selbst wenn die Grünen-Kandidatin Sabine Nallinger, die 14,7 Prozent der Stimmen erreichte, jetzt offenbaren sollte, dass Schmid in einem schwarz-grünen Trikot eine passable Figur abgeben könnte – am Montag zögerte sie noch –, dürften die Doppelpässe zwischen ihrer Partei und der CSU überschaubar sein. Schon im Wahlkampf spukten schwarz-grüne Phantasien nur in den Köpfen der CSU herum, die endlich einen Treffer im roten Rathaustor landen wollte. Zumindest einen Lattenschuss scheint der CSU gelungen zu sein; die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat ist ins Wanken geraten. Allerdings ist die Münchner SPD auf dem politischen Transfermarkt erfahren und in früheren Zeiten schon einmal mit Splitterparteien ein Bündnis eingegangen. Der CSU-Kandidat könnte am Schluss nach Ecken und Strafstößen führen, aber das entscheidende Tor nicht erzielen.

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