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Pressestimmen zur Bayernwahl : „Zeitenwende in der deutschen Politik“

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Bester Laune: Die Spitzenkandidaten der Grünen am Morgen nach der Wahl in München. Bild: dpa

Sie schreiben von einer „historischen Ohrfeige“, einem „Erdbeben“ und erwarten Merkels politisches Ende: Europäische und deutsche Zeitungen kommentieren die Bayernwahl. Eine Presseschau.

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          „Berliner Morgenpost“: „Für die große Koalition, die schon schlecht gestartet ist, wird es jetzt mit einer gerupften CSU und gedemütigten Sozialdemokraten noch schwerer. Große Teile der Sozialdemokraten sind mit der Faust in der Tasche in die Regierung eingezogen. Jetzt wird die Faust wohl rausgeholt. Die SPD-Parteivorsitzende Andrea Nahles kann sich auf unruhige Wochen einstellen. Der Druck wird riesig, möglichst schnell den Ausstieg aus dem verhängnisvollen Bündnis zu suchen. Und dann ist da noch die Bundeskanzlerin, die schon wieder eine schlechte Nachricht verkraften muss. Das Beben in Bayern sendet Schockwellen in ihre Partei. Mit dem schlechten Abschneiden der Schwesterpartei ist auch das politische Ende von Angela Merkel ein Stück näher gerückt.“

          „Heilbronner Stimme“: „Die Schuldzuweisung für das Ende der CSU-Dominanz hatte schon längst vor dem Schließen der Wahllokale begonnen, was ein verheerendes Signal an die Wähler bedeutete. Natürlich war Horst Seehofer, ein Totalausfall als Innenminister und weltentrückter CSU-Chef, am Absturz maßgeblich beteiligt. Einen nicht minder großen Anteil am Niedergang trägt jedoch auch Ministerpräsident Markus Söder. Seit er vor einem halben Jahr das Amt übernommen hat, sackte seine Partei von über 40 Prozent bei den Umfragen dramatisch ab. Da halfen alle Milliardengeschenke nichts, mit denen er sich Sympathiepunkte erkaufen wollte. Hinzu kam Söders mangelndes Landesvater-Gen. Nicht nur in der CSU werden jetzt die Messer gewetzt. Sollte die CDU in zwei Wochen in Hessen ebenfalls abgestraft werden, dürfte Kanzlerin Merkel nicht mehr zu halten sein. So oder so – die Wahl in Bayern hat eine Zeitenwende in der deutschen Politik eingeläutet.“

          „Hannoversche Allgemeine Zeitung“: „Es ist ein desaströses Ergebnis für die Führung der CSU, denn selten war ein Resultat so klar auf die handelnden Personen zurückzuführen. Horst Seehofer führt die Partei - ein Politiker, der, höflich gesagt, seine beste Zeit hinter sich hat. In Bayern hat sich sein Nachfolger als Ministerpräsident, Markus Söder, zugleich nie aus dem Krawallstil seiner Zeit als Generalsekretär herausentwickelt. Er irrt als Landesvater ohne Kompass herum. Dass die beiden auch noch zerstritten sind, macht die toxische Mischung perfekt. Man kann der CSU, der Union, dem Land nur wünschen, dass aus diesem Ergebnis personelle und inhaltliche Konsequenzen folgen.“

          „Sächsische Zeitung“: „Zweifellos wird das Wahlergebnis zu Verwerfungen und Erschütterungen in Bayern und Berlin führen - wahrscheinlich aber erst in zwei Wochen nach der Hessen-Wahl. Sicher ist das aber nicht. Mitunter sucht sich die Eigendynamik unkalkulierbar rasch ein Ventil – oder es explodiert auch mal was. Seehofer, Nahles, auch Merkel könnte es erwischen. Aber die haben auch alle schon ordentlich politisches Sitzfleisch bewiesen.“

          „Mittelbayerische Zeitung“: „Bayern hat gebebt, aber alles ist noch am Platz. Es ist an der Zeit, ruhig durchzuatmen, sich zu sortieren und nach vernünftigen Koalitionen zu suchen. Mit den Grünen dürfte es schwierig werden. Angefangen bei den beiderseits heftig geführten Attacken während des Wahlkampfs über Abschiebepraxis und 10-H-Regel für Windräder bis hin zum Polizeiaufgabengesetz - in dieser Allianz müssten beide Partner unverdaulich große Kröten schlucken.“

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