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Hubert Aiwanger im Porträt : Von unten nach ganz oben gedacht

  • -Aktualisiert am

Von sich überzeugt, aber kein Großkotz: Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler in Bayern Bild: dpa

Er kam aus dem Nichts, traut sich alles zu und könnte nun Bayerns stellvertretender Ministerpräsident werden: Hubert Aiwanger. Wer ist der Mann an der Spitze der Freien Wähler?

          Im Leben von Hubert Aiwanger hat zunächst wenig darauf hingewiesen, dass er mal bayerischer Landesminister und stellvertretender Ministerpräsident werden könnte. Es sei denn, man sieht in der Hasenzucht, die er schon im Grundschulalter professionell aufzog, frühe Ansätze von Gestaltungswillen. Aiwanger, inzwischen 47 Jahre alt, wuchs in Niederbayern auf einem Bauernhof auf. Das würde ihn in der sehr wahrscheinlichen Koalition mit der CSU für eine Art Superlandwirtschaftsministerium qualifizieren, aber im Grunde hält Aiwanger sich zu allem imstande. Er hat ja auch ein bisschen Grund dazu. 2006 wurde er, gleichsam aus dem Nichts kommend, in einer Stichwahl zum Landesvorsitzenden gewählt, 2008 führte er die Freien Wähler erstmals in den Bayerischen Landtag, als Fleisch vom Fleisch der CSU.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Aiwanger zeichnet aus, dass er zwar sehr von sich überzeugt ist, aber kein Großkotz. Die politischen Gegner im Landtag verfolgen sein Wirken mit einer Mischung aus Nachsicht und Staunen. Aiwanger ist für seine wilden Reden bekannt, die er immer frei hält, was man auch merkt, im Guten, weil er zur großen Show in der Lage ist, aber auch im nicht ganz so Guten, weil er den Pfad der Seriosität doch gerne mal verlässt. Auf seiner Suche nach Empörendem, das er dem Verschweigen durch die Mächtigen entreißen könnte, verbreitete er zum Beispiel in der letzten Plenarsitzung Gerüchte, wonach die Staatsregierung plane, den Beamten das Weihnachtsgeld zu streichen. Im Finanzministerium wird Stein und Bein geschworen, dass da überhaupt nichts dran gewesen sei.

          Aiwanger hat die Fähigkeit, die CSU zur Weißglut zu treiben. Das tat er etwa mit seiner Kampagne gegen die Straßenausbaubeiträge, mit der er die CSU letztlich zur Abschaffung selbiger zwang. Söder und Konsorten haben den Freien Wählern regelmäßig vorgeworfen, sie hätten im Grunde kein Programm, außer: von allem mehr. Das zeige sich etwa bei der Forderung nach einer kostenfreien Kita. Daran aber wird eine Koalition nicht scheitern, denn dass es über kurz oder lang auf kostenfrei hinauslaufen wird, gilt auch in der CSU als offenes Geheimnis. Der Zweitgeborene von Aiwanger und seiner Lebensgefährtin, der Regensburger Landrätin Tanja Schweiger, könnte davon noch profitieren.

          Was die CSU als konzeptlos und unverantwortlich brandmarkt, lobt Aiwanger jedenfalls als „unideologisch“. Er kann schon ein paar Klammern nennen, die seine Partei zusammenhalten: Mittelstandspolitik, Förderung der Familie, Konzentration auf den ländlichen Raum, dezentrale Energiewende, innere Sicherheit. Aber im Kern seien die Freien Wähler eine „Vor-Ort-Partei“: „Wir denken von unten nach oben.“ Bald dürfte er selbst schon qua Amt von oben denken. Ob er sich sonst ändert? Vielleicht wird er sich bei seinen Späßen über den Ministerpräsidenten künftig etwas zurückhalten und stattdessen eher mit ihm lachen. Per du sind sie schon, und den „Schalk im Nacken“ habe auch Söder. Der sei zwar „nicht sein Traumtyp“, sagte Aiwanger im Sommer der F.A.Z., „aber ich kann mit ihm“.

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