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Horst Seehofer : Eher gefürchtet als geliebt

  • -Aktualisiert am

Obenauf: Horst Seehofer Bild: dpa

Vor fünf Jahren ging Horst Seehofer als Nothelfer von Berlin nach München - mit dem Wahltag ist für ihn eine lange Bewährungszeit zu Ende gegangen. Zwar stieg die Zahl der Seehoferianer in der CSU zuletzt stündlich - aber viele überfordert er mit seinen Volten.

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          Für Horst Seehofer ist mit dem Wahltag eine lange Bewährungszeit zu Ende gegangen. Als er vor fünf Jahren als Nothelfer von Berlin nach München kam, schlug ihm in der CSU Skepsis entgegen. Er galt als Einzelgänger, der sich fernhielt von Gefolgschaften – ein Mann, der nur sich selbst vertraut und der sich nur sich selbst verpflichtet sieht. Die Zuversicht, er könne die durch den Verlust der eigenen Mehrheit traumatisierte Partei wiederaufrichten, war nicht allzu groß; doch es bot sich keine andere Führungsperson an.

          Auch die raschen Erfolge, die Seehofer als Parteivorsitzender und Ministerpräsident erzielte, änderten nichts an der Fremdheit, welche die CSU ihm gegenüber verspürte. Seehofer konnte verhindern, dass das Debakel der Landesbank dem Land finanziell die Luft abschnürte; es gelang ihm, die zusätzliche Schuldenlast, die der Steuerzahler schultern musste, weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung herauszunehmen. In den Hintergrund rückte auch, dass es CSU-Politiker gewesen waren, welche die Bank zu finanziellen Abenteuern angestachelt hatten.

          An der Distanz der CSU-Funktionäre zu Seehofer änderte sich durch diese kommunikativen Leistungen wenig. Sie wurde im Gegenteil noch größer, als Seehofer begann, alles zur Seite zu schieben, was er als Hindernis auf dem Weg zu neuer Stärke der Partei ansah: Wehrpflicht, Nutzung der Atomenergie, Donau-Ausbau, Studiengebühren. Die Angst wuchs, von der CSU bleibe nur noch eine Hülle übrig, die Seehofer mit wechselnden Inhalten fülle – darunter einem forcierten Ausbau der Ganztagesangebote für Schüler.

          Das innerparteiliche Murren verstummte

          Seehofers Prinzip der permanenten Bewegung überforderte viele in der CSU, die „Grundsatzprogramm“ allzu wörtlich nahmen. Es blieb ihnen aber nichts anderes übrig, als Ausschau zu halten, wohin der Vorsitzende gerade stürmte – und sich selbst auf den Weg zu machen, auch auf die Gefahr hin, zu einem Ziel zu streben, das Seehofer längst schon wieder aufgegeben hatte. Wer es für klüger hielt, gleich am Ausgangspunkt auszuharren, hatte es nicht besser getroffen – eine mahnende SMS des Vorsitzenden ließ meist nicht lange auf sich warten.

          Wahlsieger: Die Bewährungszeit ist beendet - erwartet Bayern nun eine Ära Seehofer?

          Das innerparteiliche Murren, die CSU sei eine Truppe geworden, bei der Zwangsrekrutierte hinter einem einsam entscheidenden Feldherren marschieren müssten, verstummte erst, als die Umfragewerte stiegen. In den vergangenen Monaten stieg die Zahl der Seehoferianer in der CSU stündlich, auch wenn es mehr eine Verstandes- als eine Herzensangelegenheit blieb. Dazu ist die Neigung Seehofers, allen, die ihm zu nahe kommen, Nackenschläge zu versetzen, nach wie vor zu groß; er wird auch in den Stunden des Erfolgs eher gefürchtet als geliebt.

          Ob die überstandene Bewährungszeit in eine Ära Seehofer übergeht, ist noch nicht ausgemacht. Die CSU hat ihre Stärke unter Franz Josef Strauß, in dessen Tradition sich Seehofer sieht, daraus bezogen, dass die nächsten Generationen auf Führungsverantwortung vorbereitet wurden. Strauß sprach von einem Wurzelgeflecht, das ihn umgebe. Bislang gehört dieser Satz nicht zu den Lieblingszitaten des 64 Jahre alten Seehofer.

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