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Jasper von Altenbockum (kum.)

Nach der Bayernwahl : Kehrt die CDU auch vor der eigenen Haustür?

Richtet die Aufmerksamkeit auf Hessen: Annegret Kramp-Karrenbauer mit Volker Bouffier Bild: AFP

Vor der Hessenwahl macht die CDU die CSU zum Sündenbock. Aber wenn die CDU der Empfehlung ihrer Generalsekretärin folgt und vor ihrer eigenen Haustür kehrt, steht dort nicht Horst Seehofer im Weg.

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          Ist die Union noch eine Union? Die Frage ist in den vergangenen Monaten vor allem der CSU gestellt worden. Die bayerische Partei zerrte so sehr an dem Faden, der sie mit der CDU noch verband, dass er zu reißen drohte. Aber was ist mit der CDU? Zog sie am anderen Ende nicht mindestens genauso fest? Noch am Wahlsonntag fiel Volker Bouffier der CSU in den Rücken und schob ihr die ganze Verantwortung für die sich abzeichnende Niederlage in Bayern zu – und stillschweigend für die (erwartete) eigene in Hessen. Auch am Tag nach der Wahl pfeifen CDU-Politiker auf genau die Geschlossenheit, die sie gleichzeitig als unbedingte Voraussetzung für Wahlerfolge empfehlen. Daniel Günther setzt die CSU-Schelte fort, Armin Laschet geißelt das „Gerede vom Rechtsruck“ und erklärt die Grünen zum wichtigsten Wettbewerber der Union. Da sei die Frage erlaubt: Gingen der CSU in Bayern nicht weit mehr Stimmen an AfD und Freie Wähler verloren als an die Grünen? Ist es wirklich nur Gerede, wenn nicht einmal mehr dreißig Prozent Stimmenanteile in Bayern noch auf das linke Lager fielen?

          Der Grund für die pausenlose Belastungsprobe der Union ist nicht nur Horst Seehofer. Es ist der Streit darüber, wie es die CDU-Landesverbände und die CSU verhindern können, dass ihnen die Wähler in zwei Richtungen davonlaufen. Distanzieren sie sich von Angela Merkel und der großen Koalition, ist der Weg zu den Grünen und zur AfD offenbar gleich weit und gleich attraktiv. Für den hessischen Landesverband, der es ganz anders macht, also fest an der Seite Merkels steht, sieht es aber nicht anders aus. Geht die Wahl für Bouffier so aus, wie die Umfragen andeuten, kann die CDU nicht auf Horst Seehofer und die CSU zeigen, um einen Sündenbock zu haben. Sie tut es trotzdem auf verzweifelte Art – und macht sich damit etwas vor.

          Darauf zielt die Bemerkung von Annegret Kramp-Karrenbauer, die Union könne jetzt nicht so tun, als sei die CSU an allem schuld. Jeder kehre vor seiner eigenen Haustür, empfahl die CDU-Generalsekretärin der eigenen Partei. Das war nur eine Abwandlung des Eingeständnisses, auch die CDU habe in der Vergangenheit gravierende Fehler gemacht. Wenn davon die Rede ist, meint es das Jahr 2015 und die nachfolgenden Zerreißproben in CDU und CSU. Dahinter steckt die Tragik Angela Merkels: Wenn die CDU vor der eigenen Tür kehrt, steht dort nicht Horst Seehofer im Weg.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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