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Satiriker Bruno Jonas : „Ich bin ein Querulant“

Die F.A.Z. spricht mit dem bayerischen Kabarettist unter anderem über Bayern sowie den bevorstehenden Landtagswahlen. Bild: Jana Mai

Der bayerische Kabarettist Bruno Jonas spricht im Interview über Seehofer und Söder, Hetze und Haltung, CSU und AfD und den Hang der Bayern zum großen Drama.

          Herr Jonas, wie lautet Ihr Fazit zu 100 Jahren Freistaat Bayern?
          Ich habe das Gefühl, dass der Freistaat nicht nur 100 Jahre existiert, sondern 1000. Das ganze Gebilde wirkt sehr gut verankert, gefestigt, geschlossen, wie ein mächtiger Vierkanthof, der aus meiner Sicht die Grundhaltung des bayerischen Lebens zum Ausdruck bringt: d’Sach z’ammhalten.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          D’Sach z’ammhalten erinnert an eine Festung. Warum konnte Bayern trotzdem für so viele Zugereiste zur Heimat werden?
          Bayern ist erst durch Zugereiste entstanden, durch Kelten, Böhmen, Slawen und zurückgebliebene Römer. Das waren die ersten Bayern! Dadurch ist das „Mia san mia“ gewachsen: das Bewusstsein, dass alle Zuagroaste sind. Die Zuagroasten haben sich zu Vollbayern entwickelt.

          Edmund Stoiber hat in dieser Zeitung die Theorie vertreten, dass die neu Zugereisten ein Problem für die CSU seien, weil sie die Loyalität zur Partei nicht mit der Muttermilch aufgesogen hätten. Ist da was dran?
          Das kann schon sein, dass er da recht hat. Immer mehr Neubayern bestellen lieber einen grünen Smoothie. Und die Enttäuschten und Unzufriedenen ordern einen deutschen Korn. Ganz out ist die rote Brause!

          Als „Laientheologe“ bezeichnet sich der ehemalige Oberministrant, wenn er sich zu der Kreuz-Debatte äußert.

          Der Sozialist Kurt Eisner hat den Freistaat gegründet. Gibt es noch Spuren von Sozialismus und Revolution in Bayern?
          Nicht viel mehr als eine schöne Geschichte von Oskar Maria Graf. In der beschreibt er, wie einst im Münchner Schwabinger Bräu die Unabhängigen Sozialdemokraten und die anderen Sozialdemokraten zusammengesessen sind, draußen liefen die Freikorps rum, eine brenzlige Situation. Die Frage im Wirtshaus war: Mach ma a Revolution oder mach ma koane? Irgendwann soll einer auf die Bühne gegangen sein und gesagt haben: Dann mach ma hoid a Revolution, damit a Rua is. Aus der Ruhe heraus die Unruhe zur Ruhe bringen – auch das ist etwas typisch Bayerisches.

          Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist der Meinung, dass auch das Kreuz zu Bayern gehört. Wie fanden Sie seinen entsprechenden Erlass?
          Ungeschickt. Ich hätte ihm als Politikberater gesagt: Pass auf, Markus, wir setzen uns jetzt mal mit dem Kardinal Marx zusammen und mit dem Heiligen Bedford-Strohm, und die Charlotte Knobloch nehmen wir auch noch dazu. Dann führen wir eine schöne Debatte über die christlich-jüdische Prägung Bayerns, entscheiden uns dann gemeinsam für eine Aktion und lassen schöne Fotos davon machen.

          Aber Söder hat einen Alleingang gewagt.
          Eigentlich sehr bayerisch, dieses Vorgehen. Aufstehen und auftrumpfen! Er ist ohne Absprache vorgestürmt und hat gesagt: So, jetzt häng’ ich mal ein Kreuz auf.

          Hat er in der Sache Recht?
          Ich habe in der Schule gelernt: Karl Martell wehrte 732 in der Schlacht bei Tours und Poitiers die Araber ab. Wenn das stimmt, dann ist Europa zumindest nicht primär arabisch geprägt.

          Kardinal Marx hat Söder vorgeworfen, er spalte mit seinem Erlass die Gesellschaft.
          Als Laientheologe und ehemaliger Oberministrant muss ich sagen: Das ist, mit Verlaub, Unsinn. Jesus ist für die ganze Menschheit am Kreuz gestorben. Für alle! Das Kreuz kann daher gar kein Symbol der Spaltung sein. Ich verstehe aber natürlich schon, dass die katholische Kirche die Kompetenz fürs Kreuz ganz alleine für sich haben will. Der steckt der Investiturstreit ja immer noch in den Knochen. Aber natürlich hat das Kreuz nicht nur eine religiöse, sondern auch eine kulturelle Komponente, da brauchen wir uns doch gar nichts vormachen. Das Kreuz dient in vielfacher Hinsicht als Symbol für alles Mögliche. Es ist ja sogar auf dem Schweizer Messer drauf.

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