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Satiriker Bruno Jonas : „Ich bin ein Querulant“

„Kabarett ist, wenn man trotzdem denkt“: Bruno Jonas zeigt gerne Haltung – lässt sie sich aber sehr ungern vorschreiben.

So wie Seehofer nach seinem missglückten Scherz von den 69 Abgeschobenen zu seinem 69. Geburtstag?
Darüber macht man keinen Gag. Im persönlichen Gespräch hätte man gesagt: Ach komm, Horst, red doch kein’ Schmarrn – dann wäre es gut gewesen. In der Öffentlichkeit ist es natürlich etwas anderes. Ich glaube trotzdem nicht, dass Seehofer ein Zyniker ist. Ich glaube, dass er ein Horst ist, der manchmal den Vollhorst nicht kontrollieren kann.

Finden Sie Seehofer lustig?
Wenn Sie das im Sinne von Realsatire meinen, muss ich es verneinen. Entweder etwas ist Satire, dann ist es Kunst. Oder es ist Politik. Man sollte die Sphären nicht vermischen. Ich sehe Seehofer eher als einen Bruder Leichtfuß, der sich oft ein Bein stellt, was ihn aber auch irgendwie sympathisch macht. Er neigt zum Entertainer. Meine Frau zum Beispiel mag ihn. Er hat auch etwas Lausbübisches. Seehofer ist der, der sich unten im Hof bei den Radln rumtreibt und etwas im Schilde führt. Er betrachtet die Radln, und auf einmal kommt ihm eine Idee, und er sagt sich: Jetzt lass i mal die Luft aussa. Und dann steht er an der Ecke und freut sich, wenn der Besitzer des Radls merkt, dass der Reifen platt ist.

Wie finden Sie Söders Humor?
Ich habe ihn mal im Fernsehen bei einer Starkbierveranstaltung beobachten können. Er machte ein paar witzige Bemerkungen darüber, wie lange Seehofer wohl noch im Amt bleibe. Das war komisch. In einem Interview äußerte ich den Verdacht, dass ihm diese Gags einer seiner Redenschreiber aufgeschrieben hat. Daraufhin erhielt ich von ihm einen Brief, in dem er mich bat, zur Kenntnis zu nehmen, dass er alle Gags selber erfunden habe. Ich dachte: Da schau her, der Söder hat Humor! Den er nach der Wahl sicher gut brauchen kann.

Sie haben gesagt, Kunst und Politik müsse man trennen. Aber ist nicht gerade das bayerische Welttheater der Beweis, dass sich beides gar nicht trennen lässt?
Die Bayern haben mit Sicherheit einen Hang zum Dramatischen, zur Darstellung. Die trumpfen gern auf. Das merkt man schon an den Trachten, wenn das Charivari mit den Hauern der Wildsau an der Lederhose hängt. Oder denken Sie an die Schützenkönige mit ihren schweren Ketten. Der Bayer lässt sich gerne anschauen. Lass di oschaun, obst wos gleich schaugst, das ist im Bayerischen eine feste Redewendung. Inhalt ohne Optik gibt es in Bayern nicht. Seehofer wie Söder bedienen das natürlich, anders als zum Beispiel Günther Beckstein. Der wirkte, zumindest als Ministerpräsident, immer wie der oberste Sachgebietsleiter von Bayern.

Sie waren am Nockherberg drei Jahre der Bruder Barnabas. Bedauern Sie bei der Stofffülle, die von der bayerischen Politik im vergangenen Jahr geliefert wurde, dass Sie aufgehört haben?
Nein. Dreimal hab’ ich die bayerische Politikerelite vor mir gehabt. Das war schön, aber dann hat es mir gereicht. Die mediale Begleitung dieser Veranstaltung hat für mich überhandgenommen. Du bist mit der Rede fertig, dann rennen die Kamerateams auf die Politiker zu und fragen, wie Sie es gefunden haben, sind Sie vielleicht zu schlecht weggekommen, warum hat man Sie nicht erwähnt und so weiter. Dann wird geheuchelt, was das Zeug hält. Das ist nur noch eine Show, die nach festen medialen Regeln durchgezogen wird. Mit der Tradition des Derbleckens hat das nur noch wenig zu tun. Man sollte das ganze Spektakel wieder ein bisschen niedriger hängen. Das ist doch vor allem ein Spiel. Aber heute wird alles so wahnsinnig ernst genommen.

Bruno Jonas

Von Bruno Jonas ist gerade das Buch „Gebrauchsanweisung für das Jenseits“ bei Piper erschienen. Mit seinem Programm „Nur mal angenommen“ gastiert er unter anderem am 7. November in der Alten Oper in Frankfurt und am 8. November im Parktheater in Bensheim.

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