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Satiriker Bruno Jonas : „Ich bin ein Querulant“

Selbst die bayerische FDP kämpfte gegen den Kreuz-Erlass und rief: Aufklärung!
Da freu’ ich mich aber, dass sich die FDP auf dieses große Erbe beruft. Ich bin absolut dabei, wenn es um die Trennung von Kirche und Staat geht. Die haben wir aber nicht. Oder warum wird die Kirchensteuer vom Staat erhoben? Falls die FDP demnächst in Bayern mitregieren darf, wird sie also für die strikte Trennung von Kirche und Staat kämpfen.

Bruno Jonas ist Kabarettist und Autor. Seine wirkungsvollen Auftritte prägten unter anderem die Sendung „Scheibenwischer“.


Die FDP brachte auch die liberalitas bavariae in Erinnerung. Wie würden Sie die beschreiben?
Bei der muss man ein bisschen genauer hinschauen. Das ist die Freiheit, die dem Andersdenkenden zwar die Chance lässt, dass auch er sich mal äußert – aber es sollte möglichst keine Wirkung haben. Leben und leben lassen – im Ideal gedacht ist das sehr schön. Aber es kann auch bedeuten: Lass ma mei Rua. Oder: Mir lassen die anderen schon leben, aber sie miassens scho selba hibringa. Von der Toleranz zur Indifferenz ist es beim Bayern nicht weit. Auch dafür gibt es einen Satz: Gar ned erst ignorieren.

Der wurde zitiert, als sich die CSU im Sommer gegen eine Demonstration unter dem Titel „#ausgehetzt“ mit eigenen Plakaten zur Wehr setzte. In besseren Zeiten, hieß es, hätte die CSU solche Proteste nicht mal ignoriert.
Das wäre diesmal auch besser gewesen. So hat die CSU gezeigt, dass sie getroffen ist, dünnhäutig. Das steht ihr nicht.

Viele Vertreter Ihrer Zunft, wenn ich Sie da eingemeinden darf …
… nein! Ich bin ein Querulant!

… haben mitdemonstriert, sich öffentlich gegen die CSU und deren Sprache gestellt. Warum Sie nicht?
Wenn man als Kabarettist auf einer Demonstration auftritt, kann man den Leuten nur nach dem Mund reden. Man wird gebucht als Empörungsdienstleister. Unter Satire verstehe ich etwas anderes. Nämlich: Querdenken nicht nur zu den Herrschenden, sondern zum herrschenden Denken. Im Übrigen: Wenn da auf der Demonstration mit Blick auf die CSU gerufen wird „Faschistenpack“, wenn der Friedrich Ani, ein Schriftsteller, der berufsmäßig mit Worten umgeht, in einem Zeitungsbeitrag schreibt, Seehofer stehe dem Gedanken der Nächstenliebe so fern wie Beate Zschäpe, dann ist das für mein Empfinden auch unter Hetze einzuordnen. Die Verrohung der Sprache gibt es auf beiden Seiten.

Es heißt, angesichts der AfD sei es nun Zeit, Haltung zu zeigen.
Ich zeige Haltung. Ich möchte sie nur nicht vorgeschrieben bekommen. Kabarett ist, wenn man trotzdem denkt.

In Ihrem Buch „Totalschaden“ haben Sie 2016 geschrieben: „Diese AfD nervt! Aber nicht nur. Sie amüsiert mich auch. Ich bin dankbar dafür, dass es sie gibt, weil sie die Altparteien aufscheucht, die vor lauter Angst um Wählerstimmen wie die Hühner durcheinanderlaufen, wenn der Fuchs in den Stall einbricht.“ Sehen Sie das immer noch so?
Ja.

Was sollten die anderen Parteien tun?
Es reicht nicht, die AfD zu beschimpfen oder über sie zu sagen, dass sie die Schande Deutschlands sei, um damit unausgesprochen klarzustellen, man selbst gehöre zur Zierde des Landes. Man hört ja immer, man müsse die AfD „stellen“. Ich bitte darum. Aber dann mit Argumenten und nicht mit Debattenverweigerung, so wie Söder und andere im Wahlkampf das getan haben. Ich stelle in dem Buch übrigens die berechtigte Frage: Wird das Richtige falsch, wenn es der Falsche sagt, oder gibt es ein richtiges politisches Handeln über alle partei-ideologischen Schranken hinweg?

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