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CSU-Generalsekretär on ice : „Eistänzer sind ein rares Gut“

In der Eissporthalle am Olympiastadion: Auf dem Eis wie in der Politik muss Markus Blume die Balance wahren. Bild: Christina Pahnke

Markus Blume versucht als CSU-Generalsekretär die Strömungen in seiner Partei zusammenzuhalten. Balance halten hat er schon als Kind gelernt – beim Eistanzen. Im Interview spricht er über sein früheres Leben auf Kufen.

          Herr Blume, Sie waren früher ein erfolgreicher Eistänzer. Würden Sie zustimmen, dass zwischen Eistanz und CSU Welten liegen?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Sie denken bei der CSU eher an Eishockey und Bodycheck?

          Ich lese nur die Zeitungen. Da hieß es diesen Sommer häufiger, die CSU komme zu breitbeinig rüber, sei zu sehr testosterongesteuert. Wären nicht gerade Sie prädestiniert, Ihrer Partei das Tänzeln, vielleicht auch das Androgyne beizubringen?

          Ich würde eher von Smartness, Leichtigkeit, womöglich Eleganz sprechen. Ohne Zweifel gehören diese Facetten zu einer modernen Volkspartei, auch zur CSU.

          Wie sind Sie zum Eistanz gekommen?

          Das hat harmlos angefangen. Mit vier, fünf Jahren bin ich zweimal die Woche zum sogenannten Gruppenlauf gegangen; später kam dann auch meine jüngere Schwester dazu. Da lief man vor allem im Kreis, lernte aber auch erste  Grundlagen: übersetzen, Drehungen, einfache Figuren.

          Sind Sie familiär vorbelastet?

          Überhaupt nicht. Es gibt nach meiner Kenntnis keine Eisläufer unter meinen Vorfahren. Aber der Verein war in Ottobrunn, ganz in der Nähe meines Münchner Elternhauses.

          Wie ging die Entwicklung weiter?

          Irgendwann sagten die Trainer: Eigentlich könntet ihr doch drei Mal die Woche kommen. Dann: Wäre gut, wenn ihr auch im Sommer trainieren würdet. Da haben wir dann Rollkunstlauf gemacht – eine der schmerzhaftesten Erfahrungen meines Lebens. Auf Beton zu springen und zu stürzen, das gibt blaue Flecke, die gehen zwei Jahre lang nicht weg.

          Alles auf Amateurbasis: Mit seiner Schwester Sandra hatte Blume Erfolge im Eistanzen.

          Wie oft haben Sie in Ihrer besten Zeit trainiert?

          Sechs Tage die Woche jeweils zwei bis drei Stunden auf dem Eis. Dazu Kraft- oder Konditionstraining, vor allem über den Sommer. Im Frühherbst fängt man dann an, neue Programme und Figuren einzuüben.

          Klingt anstrengend.

          Das Ganze war ein schleichender Prozess. Hätte man mir von Anfang an gesagt, ich würde so viel trainieren müssen, hätte ich wohl dankend abgelehnt.

          Warum haben Sie mit Ihrer Schwester getanzt?

          Da gab es kein Erweckungserlebnis. Aber verschiedene Verantwortliche im Verein haben schon relativ früh gesagt: Ein Geschwisterpaar im Eistanz hatten wir länger nicht, das wäre doch schön.

          Warum Eistanz, warum nicht Paar- oder Einzellauf?

          Paar- und Einzellauf sind eng miteinander verwandt. Bei beiden spielen Sprünge eine zentrale Rolle. Weil ich aber schon in der Jugend sehr groß geraten bin, war das mit dem Springen schwierig. Die leichteren Zweifachen, Salchow und Toeloop oder Flip, gingen, aber das war’s dann auch.

          Wer hat sich Ihre Choreographien ausgedacht?

          Musikauswahl und Choreographie waren immer ein Zusammenspiel zwischen uns und den Trainern. Für die Kostüme war unsere Mutter zuständig. Sie hat da ganz tolle Sachen genäht.

          Bei Kati Witt erinnern sich heute noch viele an ihre großartige Carmen-Kür von 1988. Was war Ihr Karriere-Highlight?

          Unsere letzte Kür, mit der wir 1994 bei der Junioren-WM in Colorado Springs waren. Wir haben einen argentinischen Tango interpretiert, das lag uns. Wenn ich heute die Musik höre, bin ich in Gedanken sofort wieder auf dem Eis.

          Andere in Ihrem Alter werden ins Fitnessstudio oder zum Fußball gegangen sein.
          Wie kam es an, wenn Sie sagten „Ich mache Eistanz“?

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