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CSU-Wahlkampf : Kurze Ruhe an der Machtkampffront

  • -Aktualisiert am

Ziemlich beste Freunde? Markus Söder, Horst Seehofer (beide CSU) am Montagabend in Ingolstadt Bild: dpa

„Lieber Markus“, „lieber Horst“: Bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt in Ingolstadt loben Markus Söder und Horst Seehofer einander über den grünen Klee. Und Söder zeigt, dass auch er den Super-Gau nicht mehr für völlig ausgeschlossen hält.

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          Nach dem Hin und Her der vergangenen Tage, wer im Fall des Falles Schuld trage an einem schlechten oder gar katastrophalen Abschneiden der CSU bei der Landtagswahl, Horst Seehofer oder Markus Söder, musste man am Montagabend fast Angst haben, als die beiden Protagonisten vor ihrem gemeinsamen Auftritt im Stadttheater Ingolstadt in einem Nebenraum verschwanden und dort, nachdem ihn sogar CSU-Generalsekretär Markus Blume, CSU-Hauptgeschäftsführer Hans Michael Strepp sowie CSU-Sprecher Jürgen Fischer verlassen hatten, offenbar für ein paar Minuten alleine waren.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Die Angst wäre unbegründet gewesen. Nicht nur betraten die beiden kurz darauf zusammen und augenscheinlich unversehrt das volle Stadttheater, vielmehr tat auch der Ministerpräsident, der vor Seehofer redete, sehr viel, damit sich der Bundesinnenminister und CSU-Vorsitzende wenigstens in seiner Heimat zuhause fühlen konnte. Söders Eingangsspaß, dass er und Seehofer durch die jüngsten Querelen nur möglichst viel Presse nach Ingolstadt lotsen wollten, versandete zwar noch, weil er wohl allzu weit hergeholt war.

          Attacken gegen die Grünen und die AfD

          Danach aber gewann Söder immer mehr Routine dabei, in – grob geschätzt – jedem fünften Satz freundlich auf Verdienste Seehofers oder irgendein Einverständnis mit ihm hinzuweisen oder ihn auch bloß persönlich anzusprechen. Beispiel: „Horst, wir waren letzten Mittwoch zusammen zur Ehrung des 30. Todestages von Franz Josef Strauß.“ Oder: „Das ist übrigens etwas, was uns sehr verbindet und was auch immer ein Leitmotiv von dir war: die Menschlichkeit.“

          Nach einer gewissen Zeit schienen sich die Zuhörer daran gewöhnt zu haben und sich nun verstärkt den noch politischeren Botschaften zuzuwenden. Wie in den vergangenen Wochen setzte Söder auf die Beschwörung der Stabilität und Einzigartigkeit Bayerns. Er attackierte vor allem die Grünen und die AfD, wobei er eine neue Formel parat hatte: „Es gibt Ideologen, es gibt Populisten – und es gibt uns.“

          Neu war auch, dass Söder durch die Bemerkung, er wolle „länger“ Ministerpräsident bleiben, zu erkennen gab, dass er auch den Super-Gau – jedenfalls aus Sicht der CSU – nicht für gänzlich ausgeschlossen hält, dass nämlich Grüne, Freie Wähler, SPD und FDP ohne Beteiligung der AfD eine sogenannte Regenbogen-Koalition gegen die CSU bilden könnten.

          „Sie alle wissen, wie flüchtig ein Regenbogen ist“, sagte Söder. Als er dann den Saal darum bat, am Sonntag keine Denkzettel zu verteilen, nicht über Koalitionen zu spekulieren, sondern einfach zu überlegen, „Was ist das Beste für Sie?“, da war der Applaus für ihn zwar nicht frenetisch, aber wohlwollend. Die meisten Leute erhoben sich von ihren Sitzen.

          Freilich hatte Seehofer noch nicht gesprochen. Doch es wurde schnell klar, dass auch er auf der Theaterbühne nicht aus der Rolle fallen würde. Der Bundesinnenminister dankte dem „sehr geehrten Ministerpräsidenten“, dem „lieben Markus“ für „diese fulminante Rede“.

          Er nahm sich seinen Nachfolger insoweit zum Vorbild, als auch er ihm immer mal wieder die Reverenz erwies: „Bayern, Markus Söder hat es gesagt, ist das Maß aller Dinge in der Sicherheit.“ „Hervorragende Zusammenarbeit, mit dir, lieber Markus, und auch mit dem bayerischen Innenminister.“ „Ich füge hinzu, was du von Joachim Gauck zitiert hast: Das Herz ist weit, die Möglichkeiten sind begrenzt.“

          Kurze Ruhe an der Machtkampffront

          Angriffsfläche bot Seehofer nur an einer Stelle, als er, um die bayerische Weltoffenheit unter Beweis zu stellen, erwähnte, die Bayern hätten sogar mal vorübergehend Griechenland regiert, und hinzu setzte, „vielleicht wäre es gut gewesen, wenn es nicht nur vorübergehend gewesen wäre“. Mal sehen, ob sich die Twitter-Gemeinde deswegen zu einem neuerlichen Empörungssturm aufrafft.

          An der CSU-Machtkampffront dürfte jedenfalls für einige Stunden, im Zweifel bis zum nächsten Interview, Ruhe sein. Seehofer versicherte, er habe nicht nur zu Kanzlerin Angela Merkel ein „gutes Verhältnis“, sondern auch zu Söder. Als dieser im Zusammenhang mit seinem Raumfahrtprogramm „Bavaria One“ sagte, er wüsste schon einige, die er gerne zum Mond schießen würde, da habe der Ministerpräsident nicht ihn gemeint, versicherte Seehofer. Außerdem gab der CSU-Vorsitzende zu erkennen, dass er schon per Briefwahl gewählt hat: tatsächlich die CSU, jedenfalls mit der Erststimme.

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