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Bundestagswahl : Von Horst Seehofers Gnaden

  • -Aktualisiert am

CSU-Jupiter Horst Seehofer „ex cathedra“ Bild: dpa

Die absolute Mehrheit im Rücken und die Bundestagswahl vor Augen ist die CSU freigebig mit guten Noten für den scheidenden Koalitionspartner. Aber Leihstimmen für die FDP, die soll es trotzdem nicht geben.

          Der Fußball liegt in Bayern bei der Welterklärung weit vorn. Auch am Tag nach der Landtagswahl eiferte die CSU ihrem großen Vorbild, dem FC Bayern, bis in die politischen Fußspitzen nach. Erst sämtliche Pokale sichern, dann feiern – diese Devise aus der vergangenen Fußballsaison wurde eins zu eins in die Politik transferiert. Jeder kleine und große Funktionär der Partei sagte brav den Dreisatz auf, erst müsse am nächsten Sonntag gepunktet werden, dann werde über die „Inhalte“ verhandelt – und erst dann könne über Personalien gesprochen werden.

          Seehofer, der CSU-Jupiter, musste nicht einmal ein Streichholz in die Nähe von Blitze schleudernden pyromanische Gerätschaften halten. Ihm erging es am Montag wie allen Siegern – auch kritische Geister, die vor der Wahl noch ob der vielen Kurskorrekturen die Stirn gerunzelt hatten, sagten nun lächelnd, der Vorsitzende habe alles, aber auch alles richtig gemacht. Und Seehofer erteilte bei so viel Einsichtsfähigkeit nach der Vorstandssitzung schon einmal die große Absolution: Niemand, der ihn in den vergangenenJahren nicht einer Meinung mit ihm gewesen sei, müsse Abbitte leisten.

          CSU sehen wir noch lange als Seehofer-Freundesclub

          Schon am Wahlabend hatte Markus Söder vorauseilend wissen lassen, Seehofers Art, Politik zu machen, habe den Erfolg gebracht. Selbst eingefleischte Seehofer-Skeptiker hatten eilends beigedreht; Thomas Goppel, der frühere Wissenschaftsminister, glänzte mit der Formulierung, Seehofers Politikstil gebühre Anerkennung, „auch wenn ich mich erst damit anfreunden müsste“. Vielleicht fasst sich Seehofer doch ein Herz und beruft Goppel in sein altes Ressort – allein um den Untergang des Konjunktivs in der Politik zu verhindern.

          Nicht nur bis zur Bundestagswahl wird die CSU ein einziger Seehofer-Freundesclub sein; die Mitgliedschaft wird noch zumindest bis zur Europawahl im nächsten Mai hoch begehrt sein. Danach wird sich in der CSU allerdings die Schlachtordnung für die Zeit nach Seehofer formieren. Das Nachdenken, wie sie beschaffen sein könnte, hatte schon am Wahlabend um 18.01 Uhr begonnen – in aller gebotenen Stille, zumindest in Hörweite des Vorsitzenden, der am Montag noch einmal wissen ließ, man gewinne nur, wenn man zusammenstehe und sich auch einmal auf die Zunge beiße, statt ins nächste Mikrofon zu sprechen.

          Viel Raum für Spekulationen

          Aber geschaut werden darf natürlich – und sei es nur, um festzustellen, wer wann wo ist. Manchen steckte am Wahlabend das Verharren Söders in Nürnberg fern vom Landtag ein Licht auf, das zu einer ganzen Scheinwerfer-Batterie wurde, als Ilse Aigner an Seehofers Seite trat und immerzu den Vorsitzenden pries. Kein Zweifel: Kenner höfischer Rituale werden in den nächsten Tagen und Monaten Hochkonjunktur in Bayern haben – jede Geste, jeden Schritt, jede Äußerung Seehofers und der Prätendenten werden ausführlich kommentiert werden.

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