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Bayernwahl : Scheitert die CSU an ihrem Erfolg?

Schrumpfende CSU: Wer ist verantwortlich für den Abschwung der CSU – Ministerpräsident Söder oder der wirtschaftliche Erfolg? Bild: dpa

Bayern ist ein attraktives Wirtschaftsland, dass viele Gutausgebildete anzieht. Können die Christsozialen den Spagat zwischen Laptop und Lederhose schaffen – oder müssen sie sich neu erfinden?

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          Als sich Edmund Stoiber mit dem Hit „We are the Champions“ von seinen Anhängern feiern ließ, sprach er von einem „epochalen und sensationellen“ Wahlsieg. Kein Wunder, hatte er doch 2003 als Spitzenkandidat für die bayerische Landtagswahl 60,7 Prozent eingefahren und damit sogar den großen Franz Josef Strauß übertroffen. „Immer ganz oben an die Spitze“, sagte er damals. Da gehöre Bayern hin. Und freilich auch die CSU. Mittlerweile steht die Partei in einer Umfrage von Infratest dimap nur noch bei etwa 33 Prozent. Einen Grund dafür nannte Edmund Stoiber, heute Ehrenvorsitzender, jüngst in einem Interview mit dieser Zeitung. Die CSU, sagte er, leide unter anderem an ihrem eigenen Erfolg. Viele Zugezogene hätten keine natürliche Bindung zur Partei. Damit meinte er jene, die aus anderen Teilen Deutschlands nach Bayern gezogen sind und in ihrer Heimat zuvor zwangsläufig andere Parteien gewählt haben. Eine Ausrede für schlechte Politik?

          Eine Auswertung dieser Zeitung aus Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik weist darauf hin, dass Edmund Stoiber einen wunden Punkt trifft. Seit 2004, also dem Jahr nach dem großen Erfolg Stoibers, sind mehr als 1,6 Millionen Bürger aus den anderen Bundesländern nach Bayern gezogen. Im gleichen Zeitraum sind auch mehr als 1,4 Millionen Menschen, darunter also viele potentielle CSU-Wähler, aus Bayern in andere Bundesländer weggezogen. Zum Vergleich: Fast 9,5 Millionen Bayern sind am 14. Oktober wahlberechtigt. Zwar geht aus den Zahlen nicht hervor, welche Nationalität die Zugezogenen haben oder wie alt sie sind. Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass viele Wahlberechtigte nicht in Bayern geboren wurden und aufgewachsen sind. Von den aktuellen Gründen für die schlechten Umfragewerte abgesehen, setzt der Partei also ein strukturelles Problem zu. Das hat Folgen.

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