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Ypsilanti und die Linken : Ein Wortbruch mit vielen Facetten

  • -Aktualisiert am

Sie setzte sich über alle Bedenken hinweg Bild: ddp

Andrea Ypsilanti will sich nun doch mit Linken-Stimmen wählen lassen. Sie hätte standhaft bleiben können. Doch dann würde sie vermutlich nicht Ministerpräsidentin. Wie sagte sie kürzlich im Interview? „Es geht nicht um den Machtanspruch einer Person.“ Geht es doch.

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          Also doch. Allen klingt Andrea Ypsilantis Entrüstung noch in den Ohren: „Wie oft soll ich es denn noch sagen? Es gibt keine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit den Linken.“ Tausendmal suggeriert, und nun ist es doch passiert.

          Halten wir der hessischen SPD-Chefin zugute, dass sie nicht von vornherein auf einen Wortbruch aus war – weil sie in ihren kühnsten Träumen nicht mit diesem Wahlausgang gerechnet, auf eine eigene rot-grüne Mehrheit gehofft oder auf ein Umfallen der FDP spekuliert hatte. Ganz offenbar geflunkert war es allerdings, als sie noch im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte: „Ob ich mich zur Wahl stelle, das ist in mir nicht entschieden.“ (Siehe: Andrea Ypsilanti: „Wortbruch kann viele Facetten haben“)

          In anderem Licht

          Denn schon am Donnerstag der vergangenen Woche waren SPD, Grüne und Linkspartei ein Herz und eine Seele, als es um Fragen der Sitzordnung im Landtag und um die mögliche Besetzung von Ausschüssen ging. Sage niemand, das sei bloß Organisationskram. So wild scheint es in Ypsilanti schon damals nicht mehr gegärt zu haben. Ihr Satz „Wortbruch kann viele Facetten haben“ erscheint jedenfalls in anderem Licht.

          „Wenn die Gespräche mit der Linken hoffen lassen, dass das langfristig trägt“, werde sie sich von ihnen zur Ministerpräsidentin wählen lassen, sagt Ypsilanti jetzt. Nun denn, gottbefohlen. Nur zur Erinnerung: Nicht nur am 5. April, sondern in jedem Einzelfall braucht Ypsilanti deren Stimmen. Sie ist von den Linken abhängig, und die wissen das.

          Und die FDP soll schuld sein

          Schon gibt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Janine Wissler den Ton vor: „Wir verbinden das natürlich mit Erwartungen.“ Und trotz der Wahl Ypsilantis werde die Linke Oppositionspartei bleiben: „Wir fühlen uns dieser Regierung überhaupt nicht verpflichtet.“ So kann man ein Land auch vor die Wand fahren.

          Wie erwartet, soll jetzt die FDP schuld sein. Ypsilanti hätte es allerdings wie die Liberalen halten und standhaft bleiben können. Dann würde sie vermutlich nicht Ministerpräsidentin. Wie sagte sie im Interview? „Es geht nicht um den Machtanspruch einer Person.“ Geht es doch.

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