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Wahl in Bayern : Im Schatten Gabriele Paulis

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Blickfang: Gabriele Pauli zieht mit ihren Auftritten Aufmerksamkeit auf sich und die Freien Wähler Bild: REUTERS

Wo Gabriele Pauli auftaucht, sind die Kameras schon da. In bayerischen Bierzelten avancierte sie in den vergangenen Wochen zum Publikumsmagnet der Freien Wähler - auch wenn sie oft mehr über ihr CSU-Trauma als über ihre neue Partei spricht.

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          Der heimliche Star bei den Freien Wählern in Bayern ist die CSU. Ein Star, den man zwar schmäht und verachtet, aber doch einer, dem man den Großteil der Aufmerksamkeit schenkt. Nicht müde werden die Freien Wähler, die Versäumnisse der CSU aufzuzählen und ihre eigene Stärke daran zu messen, was sie anders machen würden; dabei liegen sie in ihren Grundwerten recht nahe an der konservativen Wählerbasis.

          Am 28. September rechnen sie fest mit einem Einzug in den Landtag - und die Frau, deren Wahlkampf am meisten beachtet wird, ist die frühere CSU-Politikerin und Fürther Landrätin Gabriele Pauli. Ging bei ihrem Eintritt in die Wählergruppierung im Juni noch ein Aufschrei der Empörung durch die Reihen der Freien Wähler, haben sie mittlerweile das starke Medieninteresse an der rothaarigen Politikerin aus Fürth zu schätzen gelernt.

          Die Aufmerksamkeit ist ihr sicher

          Wo Gabriele Pauli auftaucht, sind die Kameras schon da. In bayerischen Bierzelten avancierte Frau Pauli in den vergangenen Wochen zum Publikumsmagnet der Freien Wähler - auch wenn sie oft mehr über ihr CSU-Trauma als über ihre neue Partei spricht. Dass viele Zuhörer mehr Interesse an der Geschichte der „Königsmörderin“ haben, die Edmund Stoibers Fall beschleunigte, als an der Direktkandidatin der Freien Wähler für den Stimmkreis Nürnberg-Nord, rückt in den Hintergrund. Auch Hubert Aiwanger, der Landesvorsitzende der Freien Wähler, der sich zunächst gegen eine Kandidatur Frau Paulis ausgesprochen hatte, gesteht ihr mittlerweile eine hervorgehobene Rolle im Wahlkampf zu: „Wo sie mit ihren Auftritten Aufmerksamkeit auf die Freien Wähler zieht, soll sie das machen.“

          Und Aufmerksamkeit ist Gabriele Pauli sicher, wenn sie über ihre ehemalige Partei spricht - „einem traurigen Kapitel in der bayerischen Geschichte“. Erst die angeblichen parteiinternen Methoden, Andersdenkende wie sie zum Schweigen zu bringen, hätten sie dazu bewogen, die CSU zu verlassen - „und ich glaube, das war. . ., ich glaube, man kann es verstehen.“ Beinahe wäre ihr ein „Das war gut so“ über die Lippen gekommen. Aber ganz so sicher scheint sich Gabriele Pauli eben doch nicht zu sein. Viele Freie Wähler haben noch immer ein ungutes Gefühl mit der neuen Kandidatin - vor allem diejenigen, die gerne mehr über Inhalte reden würden, denen aber die Strahlkraft Frau Paulis fehlt.

          Profil geschärft und nah am Menschen

          Im Schatten der „Rebellin“, wie sich Gabriele Pauli selbst gerne nennt, setzt sich Aiwanger für eine Stärkung des ländlichen Raums ein und fordert mehr Freiraum für die Kommunen. Mit denen kennen sich die Freien Wähler aus. Während sie auf landespolitischer Ebene bisher kaum in Erscheinung getreten sind, stellen sie auf kommunaler Ebene viele Bürgermeister. Was im Kleinen gut funktioniert, gestaltet sich auf Landesebene schwierig; immer wieder wird den Freien Wählern vorgeworfen, sie hätten angesichts ihrer heterogenen Mitgliedschaft kein eindeutiges Programm vorzuweisen.

          „Dieser Vorwurf läuft ins Nichts“, sagt Aiwanger, „wir haben unser Profil geschärft, sind mit unseren Themen nah am Menschen.“ Seit 1998 kandidiert die Wählergruppierung für den Landtag, zur Überwindung der Fünf-Prozent-Hürde hat es bisher nicht gereicht. Diesmal soll sich das ändern, und wenn man den jüngsten Wahlprognosen Glauben schenkt, sieht es für die Freien Wähler nicht schlecht aus: Die jüngste Umfrage sah sie bei acht Prozent.

          Auf dem Boden der Tatsachen

          Ob die öffentliche Aufmerksamkeit durch Frau Pauli Einfluss auf den Erfolgstrend der Freien Wähler hat, steht dahin. Jedenfalls gibt sie sich Mühe im Wahlkampf und spricht auch über die Themen der Freien Wähler. Zuhörer findet Gabriele Pauli immer, sie weiß um ihre Ausstrahlung, lässt sich in Augsburg im schwarzen Dirndl feiern, blickt professionell in die Objektive der Fotografen. Aiwanger schleicht sich später kaum bemerkt ins Zelt. Den Auftritt seiner Vorrednerin hat er verpasst und wartet nun den Kabarettisten im Zwischenprogramm ab, bis er, der Spitzenkandidat, selbst auf die Bühne tritt.

          Ehe es soweit ist und er in breiter niederbayerischer Färbung anfängt zu sprechen, hat sich das Zelt schon merklich geleert. Aiwanger ignoriert die Menschen, die nach dem Auftritt von Frau Pauli in Scharen zum Ausgang strömen - und zählt stoisch auf, was unter der CSU-Herrschaft falsch lief. Dass die Freien Wähler keine extremen Veränderungen wollen, das hat Frau Pauli zuvor schon versichert: „Sie sind nicht da, um alles radikal umzustürzen, aber sie können dafür sorgen, dass die Politiker auf dem Boden der Tatsachen bleiben.“

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