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Volksparteien : Wozu noch CDU?

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Loyalität gegenüber der Union, die starken Belastungen standhalten könnte, gibt es nur noch in den von Milieuforschern so bezeichneten „traditionsverwurzelten Lebenswelten“. Nur hier erreicht die CDU weiterhin Zustimmungsraten von mindestens 50, teilweise mehr als 60 Prozent. Allerdings ist die Furcht vor Veränderungen und Wandel nirgends so massiv wie in diesen Stammquartieren der Union, gleichviel ob es sich um Veränderungen auf dem Gebiet der Technik, der Politik oder der Wirtschaft handelt.

Ältere halten der Union die Treue

Sicherheit in den eigenen vier Wänden und staatlicher Schutz vor Altersarmut - das sind die mentalen Fundamente dieser treuesten der treuen Unionswähler. Die meisten von ihnen sind älter als 60 Jahre, darunter etliche alleinstehende Frauen und Witwen. Gerade diese ältere Klientel hatte nie eine Passion für schneidige Ermahnungen zur Eigenverantwortung bei Gesundheit und Rente. Radikale Deregulierer und forsche Wettbewerbsapostel findet man hier nicht. Statt dessen ist man für einen fürsorgenden, sich kümmernden Staat.

Dennoch wählten sie auch im Jahr 2005 trotz aller lärmenden Reformpostulate ihre traditionelle Partei, die Christlich-Demokratische Union. Ebendas war über viele Jahrzehnte das Erfolgselixier der CDU: eine geschmeidige Elastizität, aber immer abhängig von den festen Wurzeln, die sie in den katholischen und konservativen Lebenswelten besaß. Die Loyalität der Traditionskompanien flankierte und sicherte damit den politischen Spielraum der christlich-demokratischen Führungsmannschaften. Die Autorität der Kirchen war die Quelle für diese Loyalität. Der gemeinsame Glaube wiederum verband verschiedene soziale Schichten und Generationen und trug damit maßgeblich zu der gesellschaftlichen Integration bei, von der die Union als Volkspartei nur zehrte - die sie aber, wie seit Jahren gut zu erkennen ist, nicht selbst bewirkte und als mittlerweile säkularisierte liberale Zweckgemeinschaft erst recht nicht zu bewirken vermag.

Mehr noch: Der neuliberale Einstellungswechsel in der CDU und dem gewerblichen Bürgertum brachte die altkonservativen Fundamente schon in den letzten Jahren der Ära Kohl ins Wanken.

Die CDU wird zwar immer noch häufig als konservative Partei bezeichnet. Dabei sind sich die Christdemokraten selbst gar nicht sicher, ob sie wirklich noch konservativ sind, ja es sein wollen. Vor allem können sie weder sich selbst noch anderen plausibel erklären, was denn eigentlich im Jahr 2008 Schlüsselvorstellungen und Leitideen des Konservatismus sind.

Lesen Sie hier weiter: Parteienforscher Franz Walter: Wozu noch CDU? Teil 2

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