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Landtagswahlkampf in Bayern : Hubers Wege führen über Tittenkofen

  • -Aktualisiert am

Auf seiner Wahlkampftour wirft sich Erwin Huber mächtig ins Zeug - auch in der Provinz Bild: picture-alliance/ dpa

Zieht ein Erwin Huber in den Wahlkampf, ist sein Schlachtfeld ganz Bayern. Keine drei Wochen mehr bis zur Landtagswahl, und der CSU-Vorsitzende reist von Dorf zu Dorf. Und wirkt bisweilen wie ein Sozialdemokrat im Undercover-Einsatz.

          Es ist ein regnerischer Morgen in Tittenkofen, einem kleinen Dorf nicht weit vom Münchner Flughafen entfernt - und noch stehen Erwin Huber und Günther Beckstein einmütig unter einem Dach. Beide selbstverständlich überlebensgroß - und beide selbstverständlich trotz der frühen Stunde mit pflichtgemäß optimistischem Blick. Dann erwacht Huber zum Leben und verlässt unter vernehmlichem Tuten im Rückwärtsgang die Garage.

          Genau genommen ist es der Wahlkampfbus des CSU-Vorsitzenden, der sich so deutlich bemerkbar macht, mit großformatigen Konterfeis Hubers und dicken Lettern auf der Karosserie. Doch wo Huber draufsteht, ist meist auch Huber drin. Unermüdlich fährt er durch Bayern, als würden am 28. September nicht Wählerstimmen, sondern die zurückgelegten Wahlkampfkilometer entscheiden. Huber ist der fliegende Holländer der CSU, auch wenn ihm nicht die Weltmeere, sondern Bayern zum Schicksal bestimmt ist.

          „Hier ist Huber“

          Es wird ein typischer Tag im gegenwärtigen Leben des Erwin Huber werden: Er beschränkt sich im Wahlkampf nicht auf Großkundgebungen, sondern nimmt unzählige kleine Veranstaltungen wahr, als gelte es, jedem bayerischen Wähler persönlich zu begegnen und ihn von der CSU zu überzeugen. Denn das ist die größte Sorge der CSU knapp drei Wochen vor der Wahl: dass es ihr nicht gelingen könnte, ihre Anhänger in ausreichender Zahl zu mobilisieren - anders als ihre Konkurrenten im bürgerlichen Spektrum, die FDP und die Freien Wähler.

          CSU-Vorsitzender Huber und Ministerpräsident Beckstein auf Wahlkampftour in Bayern

          Und so ackert Huber wie ein Bewerber der Jungen Union, der zum ersten Mal in einem Stimmkreis antritt - mit dem Unterschied, dass Hubers Stimmkreis ganz Bayern ist. Und für ihn gibt es nicht einmal während der Fahrzeiten von einem Veranstaltungsort zum nächsten Erholungspausen. Jede Minute wird genutzt, um „O-Töne“ und „Statements“, das Kerosin der Mediengesellschaft, zu produzieren. Hubers mobile Wahlkampfmaschinerie arbeitet im Bus immerzu auf Hochtouren; Mitarbeiter legen letzte Hand an Vorbereitungsmappen, werten Agenturmeldungen aus, verabreden Interviews - auf dass ihr Chef sich alsbald an seinem Mobiltelefon mit der schönen Formulierung „Hier ist Huber“ bei einem Sender oder einer Redaktion melden kann. Klar, es gibt nur einen Huber in Bayern, zumindest bis zum 28. September.

          Der Huber-Winkel beschert ihm eine vorzügliche B-Note

          An diesem Tag heißt Hubers erstes Ziel Moosburg an der Isar. Im Zehentstadel steht ein Frühschoppen mit Mittelständlern auf dem Programm; es ist ein Publikum mit dunkel gewandeten Herren und Damen im Festtagsdirndl, die nicht den Eindruck erwecken, für die CSU missioniert werden zu müssen. Doch Huber absolviert seinen Auftritt mit einer Energie und Konzentration, als gehe es darum, einer Eskimoversammlung in Grönland zu erläutern, was sich eigentlich hinter dem Kürzel CSU verbirgt.

          Es ist viel über Hubers Worte gelächelt worden, dass der Wahlkampf ein politischer Feldzug sein müsse. Zumindest er selbst aber nimmt sie bitterernst, auch im Freundesland. Schon seine Körpersprache lässt keinen Zweifel, dass hier mit größtem Einsatz gekämpft wird: Er nimmt, als er das Wort ergreift, sofort den legendären Huber-Winkel ein - beide Arme zum Rednerpult ausgestreckt, exakt neunzig Grad, dazu die Beine gestreckt, auf Zehenspitzen stehend. Zumindest Hubers B-Note ist in diesem Wahlkampf bestens.

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