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Krise in Hessen : Echte und gefühlte Siege

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Möglichkeit 3: Wird Ypsilanti zurücktreten? Bild: AP

Politik kann ja so kurzlebig sein. Wie wird es also mit der SPD und in Wiesbaden weitergehen? Nur zehn von zig Möglichkeiten, selbst die absurdeste darunter ist nicht ganz auszuschließen.

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          Politik kann ja so kurzlebig sein. Wie wird es also mit der SPD und in Wiesbaden weitergehen? Nur zehn von zig Möglichkeiten, selbst die absurdeste darunter ist nicht ganz auszuschließen.

          1. Rot-Grün-Rot die Zweite.

          Gestern erwogen einzelne SPD-Parlamentarier allen Ernstes, man könne über ein solches Projekt noch einmal nachdenken, wenn die Dissidentin Dagmar Metzger erst einmal dazu gebracht worden sei, ihr Mandat niederzulegen. Sollte es so weit kommen, wird es vermutlich eine Probeabstimmung in der SPD-Fraktion geben, bevor sich Andrea Ypsilanti im Parlament zur Wahl stellt - vielleicht aber auch nicht, wer will das bei dieser SPD schon sagen?

          Möglichkeit 6: Metzger könnte aus der SPD ausgeschlossen werden

          2. Andrea Ypsilanti wird Ministerpräsidentin.

          Theoretisch noch immer denkbar. Sie könnte im zweiten Anlauf eine rot-grüne Minderheitsregierung, geduldet von der „Linkspartei“, zustande bringen. Eher vorstellbar jedenfalls als Ypsilanti als Chefin einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen. FDP-Chef Hahn ist nämlich fest entschlossen, sein vor der Wahl gegebenes Versprechen zu halten: Kein Bündnis mit der Ypsilanti-SPD.

          3. Andrea Ypsilanti tritt zurück.

          Nicht zu erwarten. Die SPD-Chefin ist gedemütigt und als politstrategische Dilettantin bloßgestellt worden, aber sie ist zäh. Zudem hat die Fünfzigjährige außergewöhnlichen Machtwillen bewiesen. Einen natürlichen Kandidaten für ihre Nachfolge gibt es nicht. Ihr Stellvertreter als Partei- und Fraktionsvorsitzender, Jürgen Walter, hat in den vergangenen Wochen in der SPD nur wenige neue Freunde gewonnen und ein paar alte verloren.

          4. Andrea Ypsilanti wird gestürzt.

          Denkbar, insbesondere, nachdem ihr der Parteirat gestern ostentativ den Rücken gestärkt und sie mit langem Beifall begrüßt hat; selbst Dagmar Metzger applaudierte der SPD-Chefin.

          5. Jürgen Walter stellt sich vor, neben oder hinter Dagmar Metzger.

          Extrem unwahrscheinlich. Er hätte dazu mehrfach Gelegenheit gehabt, ließ Metzger aber allein im Regen stehen.

          6. Parteiausschluss Metzgers.

          Wenig wahrscheinlich. Auch wenn das einige Sozialdemokraten, beispielsweise der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, gestern forderten, wird es soweit wohl nicht kommen. „Darüber haben wir nicht diskutiert, und das werden wir auch nicht tun“, stellte Andrea Ypsilanti klar.

          7. Metzger gibt ihr Mandat zurück.

          Gestern lautete die Antwort der resoluten Darmstädterin auf diese Frage kurz und bündig „Nein!“ Später sprach sie davon, sich bis Dienstag entscheiden zu wollen. Der Druck auf sie wird enorm sein. Es steht zu befürchten, dass sie ihr Versprechen durchzuhalten, nicht erfüllen kann.

          8. Jürgen Walter wird Vize-Regierungschef einer großen Koalition.

          Kaum zu glauben. Er hat zwar keine Gelegenheit ausgelassen, gegen Rot-Grün-Rot zu sticheln, sich aber - anders als Metzger - nie richtig aus den Büschen getraut. Und Heckenschützen kommen auch in der SPD nicht besonders gut an.

          9. Volker Bouffier wird Ministerpräsident einer Jamaika-Koalition.

          Kommt Zeit, kommt Rat. Frühestens im Herbst zu erreichen. Denn die Protagonisten benötigen die Zeit, um in sich zu gehen und das noch Undenkbare als eine Chance zu erkennen. Klar ist: „Jamaika“ mit Roland Koch als Ministerpräsident wird es keinesfalls geben, denn diesen Brocken werden die Grünen niemals schlucken. Der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Bouffier hingegen hat in seiner Heimatstadt Gießen so ein Bündnis auf den Weg gebracht.

          10. Petra Roth wird Ministerpräsidentin an der Spitze eines Jamaika-Bündnisses.

          Schier unmöglich. Niemand in der CDU-Landtagsfraktion zieht eine solche Variante mit der Frankfurter Oberbürgermeisterin ernsthaft in Erwägung.

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