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Bayerisch liberal : Der Sieger aus „Martinszeil“

  • -Aktualisiert am

Martin Zeil: Künftiger Koalitionspartner? Bild: AFP

Für Martin Zeil, den bayerischen FDP-Spitzenkandidaten und Bundestagsabgeordneten, ist ein doppelter Traum in Erfüllung gegangen:die FDP nach 14 Jahren wieder in den Landtag zu bringen und bereitzustehen, falls die CSU einen Koalitionspartner brauchen würde.

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          Ein Bundestagsabgeordneter erhält im Monat 7339 Euro Diäten, ein bayerischer Landtagsabgeordneter 6416 Euro. Doch nicht nur wegen dieses Unterschieds erscheint gewöhnlichen Volksvertretern ein Platz im Berliner Reichstagsgebäude als wesentlich attraktiver als im Münchner Maximilianeum. Der stolze Träger eines Bundestagsmandats gibt dem Landtagsmandat nur dann den Vorzug, wenn dieses durch ein Regierungsamt aufgewertet wird - oder werden soll.

          Nicht nur Edmund Stoiber und Günther Beckstein haben sich 2005 für das zweitrangige Mandat entschieden, sondern auch die einstige Bundestagsvizepräsidentin Renate Schmidt: Sie strebte 1994 und 1998 als Spitzenkandidatin der bayerischen SPD nach dem Amt des Ministerpräsidenten. Ähnlich ambitioniert, wenn auch um eine Nummer bescheidener, war das Ziel von Martin Zeil, der als Abgeordneter der FDP dem Bundestag angehört. Der Generalsekretär des bayerischen Landesverbandes erhielt statt der Landesvorsitzenden Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl.

          Sorgfältig geplantes Vorgehen

          Dieser Schachzug wurde sorgfältig geplant, um einen doppelten Traum zu erfüllen: die FDP nach 14 Jahren wieder in den Landtag zu bringen und bereitzustehen, falls die CSU koalitionsbedürftig sein würde. Die Planer überlegten sich, dass in Bayern als FDP-Wähler über die recht geringe Stammwählerschaft hinaus ausschließlich potentielle CSU-Wähler in Frage kommen; wer etwas linker oder auf Protest gestimmt ist, würde sein Kreuzchen bei SPD, Grünen, vielleicht sogar bei den Freien Wählern machen.

          Um frühere CSU-Anhänger aber brauchte sich Frau Leutheusser-Schnarrenberger gar nicht zu bemühen; sie wäre von den Propagandisten der Staatspartei mit Leichtigkeit in die Nähe der einstigen Großen Dame der FDP, Frau Hamm-Brücher, geschoben und nach dem Muster des CSU-Übervaters Strauß verspottet worden. Auch ist das liberale Bürgerrechtsprogramm nicht nach dem Geschmack der Bayern, für sie müssen die Liberalitas und innere Sicherheit siamesische Zwillinge sein.

          Auf Erfolg programmiert

          Da kam der Rechtsanwalt und Bankjustitiar Zeil gerade recht, um den Schwerpunkt auf die Wirtschaftskompetenz der Partei zu legen. Mit dem virtuellen Dorf „Martinszeil“, dessen Kirchturmspitze sogar mit einem Kreuz versehen ist, und leutseligen Argumenten nahm er den Kampf um die Lufthoheit über ausgewählten Stammtischen auf, den seine personell und rhetorisch schwache Parteibasis mit Plakatekleben und Marktständen allein nicht hätte führen können.

          Der 1956 geborene Vater von drei Kindern ist nicht nur ein erfahrener Kommunalpolitiker, sondern als einstiger Mitbegründer der Jungen Liberalen auch mit dem FDP-Vorsitzenden Westerwelle verbunden. Seine angenehme Stimme, sein zwischen Münchner Frauenkirche und Bankenkarree geschliffener Habitus, seine für FDP-Kreise unübliche Angabe seiner Konfession - evangelisch - prädestinierte Martin Zeil nicht nur für einen erfolgreichen Wahlkampf, sondern auch zur Wahrnehmung jeder Möglichkeit, die sich seiner Partei nach dem Wahltag bieten würde.

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