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Wahlforscher zu Landtagswahlen : „Die AfD könnte deutlich besser abschneiden als erwartet“

Wie viel Wähler machen am Sonntag in den Wahlkabinen tatsächlich ihr Kreuz bei der AfD von Frauke Petry? Bild: AP

Wahlforscher Thorsten Faas hält es für möglich, dass die AfD vor den Landtagswahlen trotz großer Zuwächse in den Umfragen immer noch unterschätzt wird. Im FAZ.NET-Gespräch erklärt er, welche Bedeutung taktische Wähler haben – und warum Prognosen so schwierig sind.

          Herr Faas, ständig kommen neue Umfragen zu den Landtagswahlen. Wächst damit auch ihre Bedeutung für den Wahlkampf in den Ländern?

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Es gibt mit Blick auf Umfragen einen deutlichen Unterschied zwischen den Parteien, den Medien und den Bürgerinnen und Bürgern als Empfängern. Festhalten kann man: Die Berichterstattung über Umfragen hat deutlich zugenommen. Damit geht auch einher, dass die Bürger mehr über Umfragen erfahren, was aber – über die reine Wahrnehmung hinaus – nicht zwangsläufig bedeutet, dass diese deshalb auch mehr Einfluss auf die Bürger haben. Parteien beobachten sehr genau, wie die aktuellen Stände sind und nehmen das in ihre Überlegungen für die Strategie auf. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Twitter-Äußerung von Julia Klöckner: Wer die AfD wähle, stärke damit das linke Lager. Offenbar geht Klöckner davon aus, dass viele der AfD-Wähler früher für die CDU gestimmt haben – eine Information, die typischerweise aus Umfragen stammt.

          Welchen Stellenwert haben Umfragen also für den Wähler?

          „Den Wähler“ gibt es an der Stelle sicher nicht. Aber natürlich gibt es Gruppen von Wählern, die gerne eine bestimmte Person an der Spitze der Regierung sehen würden oder sich eine bestimmte Koalition wünschen. Sie werden sich im Lichte der Umfragen überlegen, wie sie ihre Umfrage dann optimal einsetzen. Ein Beispiel: Der FDP haben 2013 sicherlich die Umfragen kurz vor der Wahl geschadet, die sie bis zum Ende über der Fünf-Prozent-Hürde gesehen haben. Das war ein Signal an die Anhänger der schwarz-gelben Regierung, dass keine Leihstimmen nötig sind.

          Wie groß ist der Anteil taktischer Wähler?

          Das lässt sich nur schwer quantifizieren. Wenn man Zahlen aus Bundestagswahlkämpfen dazu heranzieht, kann man von rund zehn Prozent Wählern ausgehen, die ihre Entscheidung am Wahltag treffen. Es gibt gleichzeitig aber eine Bewegung in die Gegenrichtung: Die Zahl der Briefwähler hat in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg deutlich zugenommen – es wird also keineswegs alles kurzfristiger.

          Wieso schneidet die AfD bei manchen Instituten eigentlich so gut ab?

          Dass es bestimmte Hauseffekte gibt, also manche Parteien bei manchen Instituten immer besser oder schlechter abschneiden als bei anderen, ist bekannt und nichts Neues. Ich kann aber nicht wirklich erkennen, dass die AfD bei einem Institut in dramatischer Weise von den anderen abweicht. Das wäre auch für die Institute nicht gut – hier sorgt ja auch der Markt und Wettbewerb zwischen den Instituten für Kontrolle.

          Was sind das für „Hauseffekte“?

          Es gibt vorliegende Analysen, die zeigen, dass etwa die SPD bei Forsa immer etwas schlechter abschneidet als bei anderen, die CDU bei anderen etwas besser. Aktuell wird auch diskutiert, ob die AfD bei INSA besser abschneidet, aber da fehlen uns letztlich belastbare Analysen. Warum das so ist, ist nicht leicht zu sagen, weil letztlich nicht transparent ist, wie die Prognosen und Projektionen der Institute im Detail zustande kommen. Das sind „Betriebsgeheimnisse“.

          Wie sehr profitiert die AfD von ihren eigenen Erfolgsmeldungen?

          Es gibt einen doppelten Effekt: Zunächst einmal signalisieren Werte über 5 Prozent, die Partei wird tatsächlich in die Parlamente einziehen. Es droht also für Sympathisanten keine verschenkte Stimme. Darüber hinaus sind die teils zweistelligen Werte ein Signal, dass ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft diese Partei aktuell für wählbar hält. Diese „kultivierende“ Funktion sollte man nicht unterschätzen.

          Was Demoskopen erheben und was sie als Umfrage veröffentlichen, unterscheidet sich. Dazwischen liegt eine Gewichtung der Ergebnisse, die auf zurückliegenden Wahlen beruht. Wie stark wirkt sich aus, dass es bei der AfD noch wenig Erfahrungen gibt?

          Das ist für die Institute in der Tat ein Problem, denn Erfahrungswerte spielen sicherlich eine große Rolle. Die AfD ist eine neue Partei, die sich noch dazu in der jüngeren Vergangenheit neu ausgerichtet hat. Es gibt noch vergleichsweise wenig Kenntnisse über die Wählerwanderungen. Das Ergebnis der AfD lässt sich in der Folge weniger gut bestimmen.

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