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Wahl in Baden-Württemberg : Wer hat Angst vor Özdemir?

Kretschmann, Ministerpräsident, und Özdemir, Parteivorsitzender der Grünen, beim Parteitag. Bild: dpa

Mit der Angst vor einem türkischstämmigen Ministerpräsidenten will die Junge Union in Baden-Württemberg die Stammklientel mobilisieren und die Wiederwahl von Kretschmann verhindern. Das könnte nach hinten losgehen. Ein Kommentar.

          Fürchten sich die enttäuschten CDU-Wähler in Baden-Württemberg vor einem schwäbelnden Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln? Die vermutete Angst muss so groß sein, dachten sich offenbar Wahlkampf-Cleverles bei der Jungen Union, dass es sich lohnt, mit einer auf Ressentiments setzenden Kampagne konservative Wähler davon abzuhalten, Grün zu wählen. Bloß kein Kreuz für den bisherigen Landesvater. Denn, so die Junge Union: „Kretschmann wählen, bedeutet Özdemir zu bekommen“. Dass der auf den grünen Chef-Realo Cem Özdemir gemünzte Wahlkampfspruch der JU nach hinten losgehen könnte, zeigt jedoch ein Blick zurück.

          Im Januar 2008 signalisierten Umfragen der hessischen CDU und ihrem Ministerpräsidenten Roland Koch kurz vor der Landtagswahl einen drohenden Machtwechsel zu Rot-Grün. Zur Mobilisierung müder CDU-Stammwähler ließen sich Kochs Wahlkampfstrategen ein inzwischen legendäres Wahlkampfplakat einfallen. Es stellte die bis dahin stets ignorierten griechischen und jemenitischen Nachnamen der Spitzenkandidaten von SPD und Grünen in den Vordergrund: „Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen.“ Das Wahlkampfmanöver verfing jedoch nicht. Kochs CDU verlor fast 13 Prozent und ihre schwarz-gelbe Regierungsmehrheit im Landtag. Nur dank des Unvermögens der links stehenden SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti und der taktischen Raffinesse Kochs im Jahr der „hessischen Verhältnisse“ erlebte die CDU in Hessen ein Comeback.

          Kochs Nachfolger Volker Bouffier erwies sich taktisch und strategisch als noch raffinierter. Der einstige Vorzeige-Konservative der Hessen-CDU holte den wegen der Wahlplakate über Jahre empörten Grünen-Vorsitzenden Tarek Al-Wazir nach einer fast verlorenen Landtagswahl in die erste schwarz-grüne Koalition in einem Flächenland. Der einst von der CDU als Volksfront-Politiker mit einem arabischen Namen geschmähte Grüne ist nun seit drei Jahren Bouffiers Stellvertreter und Wirtschaftsminister. 

          Ob Bouffiers Parteifreund Guido Wolf mit derselben strategischen Raffinesse gesegnet ist, darf bezweifelt werden. Auch Wolfs Vorgänger Stefan Mappus scheiterte im Endspurt vor fünf Jahren mit einer ähnlichen „Anti-Kretschmann“-Strategie. Der damalige Ministerpräsident warnte CDU-Anhänger vor einer Wahl des beliebten Grünen Kretschmann mit einem Hinweis auf Özdemir, der im Hintergrund auf das Amt des Ministerpräsidenten lauere. Das Ergebnis der Warnung vor dem „Türken“ ist bekannt.

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