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AfD in Baden-Württemberg : Meuthen hui, innen pfui

  • -Aktualisiert am

Will die deutsche Politik wieder auf „ein vernünftiges Fundament“ stellen: Jörg Meuthen Bild: dpa

In Baden-Württemberg will sich die AfD als gemäßigte Bürgerpartei präsentieren. Ihrem Spitzenkandidaten Jörg Meuthen gelingt das auch. Der Rest agiert vollkommen maßlos.

          Jörg Meuthen hat den Aufstieg geschafft. Auf einem Einladungsplakat der „Badischen Zeitung“ ist der Vorsitzende der AfD in der Mitte einer Bilderleiste zu sehen. Links von ihm der CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf, rechts von ihm der FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke. Meuthen wirkt so harmlos wie ein Politiker der geschmähten „Altparteien“. Das Problem ist nur, dass Meuthens Landesverband einen Wahlkampf führt, der mit der politischen Mitte wenig zu tun hat.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Björn Höcke tritt in Baden-Württemberg mehrmals auf, obgleich dem Fraktionsvorsitzenden im thüringischen Landtag von dem Politikwissenschaftler Werner Patzelt in einem Gutachten „Rassismus“ bescheinigt worden ist. Baden-württembergische AfD-Kandidaten zeigen auf Internetseiten Patronen und texten dazu: „Schießbefehl auf Flüchtlinge ... Feuer frei“. Der AfD-Kreisverband Ulm forderte gerade die Mitglieder auf, sie sollten sich den „kämpferischen Geist“ der Widerstandskämpferin Sophie Scholl, die in Ulm einen Teil ihres Lebens verbrachte, in der Diskussion über die Flüchtlingspolitik zum Vorbild nehmen. Dass Sophie Scholl gegen eine Diktatur kämpfte, die Kritiker Merkels sich aber mit einer demokratisch gewählten Kanzlerin auseinandersetzen, lässt die AfD unter den Tisch fallen.

          Wahl zwischen „Gutmenschen“ und „besorgten Bürgern“

          Vor einer knappen Woche hat sich Björn Höcke aus Thüringen auf den Weg gemacht nach Geislingen-Steige, in die Stadt, in der WMF-Arbeiter bis heute Töpfe und Bestecke schmieden. Auftritt im Kappelmühlsaal, einem kommunalen Veranstaltungszentrum. Der Oberbürgermeister war mit einem Hausverbot gescheitert. Draußen demonstrieren zwanzig Jugendliche von der Antifa. Heinrich Fiechtner, der AfD-Kreisvorsitzende, lädt den Wortführer der Demonstranten ein, er solle doch nachher in den Saal zur Diskussion kommen.

          Dann geht der Onkologe mit Fliege in den Kappelmühlsaal. 120 Bürger und rund 15 Journalisten sind gekommen. Höcke steckt noch auf der Autobahn fest. Fiechtner beginnt zu reden: „Einigkeit und Recht und Freiheit, aber was ist von diesen Wörtern geblieben“, die Bürger hätten nur noch die Wahl zwischen „Gutmenschen“ und „besorgten Bürgern“. Fiechtner stellt die AfD-Anhänger als unterdrückte Minderheit dar: „Wenn wir schon jetzt Angst haben müssen, unsere Meinung zu sagen, dann ist das nicht mehr mein Land.“

          Die Zuhörer, größtenteils ältere Männer in Fleece-Pullis und mit Gesichtern, die von einem harten Arbeitsleben und vielen Kneipenbesuchen zeugen, warten auf einen Mann, der ein besseres Deutschland verspricht. Fiechtner bekommt nun mitgeteilt, dass Björn Höcke in Geislingen eingetroffen ist, er zögert nicht lange und kündigt ihn an wie einen Messias: „Hier ist die umstrittenste Person der Alternative für Deutschland, machen Sie sich ein Bild von Bjööörn... Höcke!!“

          „Unsere Gesellschaft ist sterbenskrank“

          Dessen Vortrag soll von Bildungspolitik handeln. Aber bei der AfD gehört es zu den Ritualen solcher Veranstaltungen, zunächst ein paar kritische Worte an die Vertreter des „politisch-publizistischen Kartells“ zu richten, in diesem Fall geht es um eine angeblich ganz besonders schlimme Abteilung dieses Kartells, nämlich die Zeitschrift „Spiegel“, die Höcke ein „informelles Propagandaministerium“ nennt. Die Magazinmacher hatten die AfD-Vorsitzende vor der Fassade des Reichsparteitagsgebäudes der NSDAP gezeigt.

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