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Social Media-Kampagne : Wie sich die Junge Union an Kretschmann abarbeitet

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Winfried Kretschmann hat hohe Zustimmungswerte im Ländle. Er unterstützt ausdrücklich den Kurs der Kanzlerin. JU-Vorsitzende Löbel glaubt ihm nicht. Bild: www.facebook.com/jungeunion.bw

Die Junge Union greift kurz vor der Landtagswahl Ministerpräsident Kretschmann an: Wer ihn wähle, bekomme Özdemir. Kretschmann antwortet.

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          Wenige Tage vor der Landtagswahl wird der Ton zwischen den Grünen und der Union rauer: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kritisierte die Plakataktion der Jungen Union (JU), die sich gegen seine Person richtet.

          Die Jugendorganisation der CDU will Kretschmann im Landtagswahlkampf direkt angreifen – zum Beispiel mit Sprüchen wie „Kretschmann wählen bedeutet Özdemir bekommen“. Kretschmann sagte dazu am Dienstag: „Ich muss mich über die Kampagne der Jungen Union doch schon sehr wundern.“ Die JU handele offensichtlich nach der Maxime, dass im Wahlkampf alles erlaubt sei. Das finde er aber nicht.

          Die Junge Union wolle sich Ressentiments zunutze machen, meinte Kretschmann – nämlich, dass er selber es nicht mehr lange als Ministerpräsident machen werde und dann „der Türke“ Özdemir nachfolge. „Das ist das, was da geschürt werden soll.“ Damit sei aber eine Grenze klar überschritten. „Bei der Stimmung, die im Land teilweise herrscht, finde ich das ziemlich unverantwortlich.“

          Es gebe keine Pläne, wonach Grünen-Bundeschef Cem Özdemir ihn als Regierungschef ablösen solle, beteuerte Kretschmann. Solche Behauptungen seien „aus der Luft gegriffen“. Die Frage, ob er im Falle einer Wiederwahl volle fünf Jahre regieren wolle, beantwortete Kretschmann mit einem klaren „Ja“.

          Die „Verzweiflungstat“ der JU sei „erbarmungswürdig“

          JU-Landeschef Nikolas Löbel wies den Vorwurf zurück, mit der Kampagne Ressentiments zu schüren. „Der Name Özdemir gehört heute zu Deutschland wie Müller, Maier, Schulze, und das ist auch gut so“, sagte er. „Aber wenn Herr Kretschmann sagt, dass nicht Cem Özdemir seine Nachfolge antreten solle, dann bleibt die Frage offen: Wer denn dann?“ Die Grünen blendeten mit der auf Kretschmann als Person zugeschnittenen Kampagne zur Landtagswahl die inhaltlichen Differenzen zwischen Kretschmann und den Grünen völlig aus.

          Die Junge Union Baden-Württemberg wirbt mit grünen Plakaten um schwarze Stimmen.

          Die Jugendorganisation der SPD sprang Kretschmann bei. Juso-Landeschef Leon Hahn sagte: „Auch wir Jusos kennen das Gefühl schlechter Umfragewerte.“ Die Jusos versuchten aber, mit Inhalten dagegenzuhalten statt auf das Schlechtmachen des politischen Gegners zu setzen. Die „Verzweiflungstat“ der JU sei „erbarmungswürdig“.

          Die Debatte weckt Erinnerungen an den Landtagswahlkampf 2011. Der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) warnte vor fünf Jahren von einem grünen Regierungschef Özdemir. Nicht Grünen-Spitzenkandidat Kretschmann, sondern Özdemir habe in jüngster Zeit den Kurs der Landespartei bestimmt. Özdemir warf Mappus daraufhin vor, mit „ausländerfeindlichen Ressentiments“ zu arbeiten.

          Die CDU steht in jüngsten Umfragen bei etwa 30 Prozent. Sie liegt damit etwa gleichauf mit den Grünen. Kretschmann will bei der Landtagswahl am 13. März sein Ministerpräsidentenamt verteidige – CDU-Herausforderer Guido Wolf will selber Regierungschef werden.

          Der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim hält die „Anti-Kretschmann-Strategie“ der JU für ungeeignet. Dem „Südkurier“ sagte er: „Kretschmann ist der beliebteste Politiker in Baden-Württemberg. Selbst CDU-Anhänger würden mehrheitlich Kretschmann wählen – nicht Wolf.“ In den letzten zwei Wochen einen Wahlkampf zu machen, der sich gegen den beliebtesten Politiker im Land richte, hebe ihn noch mehr hervor. „Die positiven Eigenschaften, die Wähler Kretschmann zuschreiben, werden dadurch noch einmal in das Bewusstsein gerückt.“

          Zudem seien Angriffe auf den politischen Kontrahenten in Deutschland bei den Wählern nicht beliebt. „Dieser Schuss kann also für die JU leicht nach hinten losgehen“, sagte der Experte. So eine kurzfristige Kampagne werde eher als „Ausdruck von Panik“ wahrgenommen.

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