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Rechtspopulisten in Mannheim : Wie die AfD eine SPD-Hochburg eroberte

Und andererseits sei die AfD nicht dort erfolgreicher, wo diese Unterkünfte liegen. Im Stadtteil Feudenheim etwa, in dem die zweitgrößte Unterkunft der Stadt liegt, erzielte die AfD mit 13 Prozent einen Wert etwas unterhalb des Landesdurchschnitts. Im benachbarten Wallstadt, einem gutbürgerlichen Viertel mit gerade einmal 1,6 Prozent Arbeitslosigkeit, hingegen 18 Prozent.

Wallstadt ist für den Oberbürgermeister wie Schönau, in das so viel investiert wurde und wo die Lokalpolitiker so präsent sind, ein frustrierendes Beispiel dafür, dass praktische Politik vor Ort kaum Einfluss auf subjektive Ängste und Vorurteile hat.

1992 brannte in Schönau ein Flüchtlingsheim

Wer sich fragt, was im Mannheimer Norden los ist, stößt allerdings auch hierauf: Die Republikaner feierten dort in den neunziger Jahren Wahlerfolge. Und im Sommer 1992 brannte in Schönau eine Flüchtlingsunterkunft – nachdem sich das Gerücht verbreitet hatte, eine Sechzehnjährige sei von einem Asylbewerber vergewaltigt worden.

Rechtsradikale Tendenzen gibt es bis heute: Vor kurzem hat jemand ein Hakenkreuz auf Safferlings Auto gesprüht. Rund um das Wahlkreisbüro der SPD in Mannheim-Schönau hängen auch viele NPD-Plakate. Doch der NPD-Kandidat schnitt im Wahlkreis Mannheim Nord schlecht ab, noch schlechter als der von Bernd Luckes neuer Partei Alfa.

Also gelangt man wieder zur Ausgangsfrage: Wieso die AfD? In den Wochen vor der Wahl wurde im ganzen Bundesland eine Gratis-Zeitung namens „Extrablatt zur Landtagswahl“ verteilt, die Stimmung gegen Flüchtlinge machte und für die AfD warb. Die Partei wollte damit nichts zu tun haben. Verantwortlich für die Publikation war allerdings ein AfD-Mitglied.

Viele Russlanddeutsche wählten AfD

Manch einer fragt hinter vorgehaltener Hand: Woher hat die AfD all das Geld? Für diese Zeitung? Für die vielen Plakate? Wer hat die Gerüchte über Asylbewerber gestreut?

Der Soziologe und Konversionsbeauftragte der Stadt Mannheim, Konrad Hummel, sagt, auch russlanddeutsche Wähler seien wichtig gewesen für den Wahlerfolg der AfD. Im Norden Mannheims lebten viele von ihnen, die zu Kohls Zeiten CDU wählten, für Merkels Flüchtlingspolitik heute aber nur blankes Unverständnis übrig hätten. Die dortigen SPD-Wähler wiederum seien Arbeiter mit Abstiegsängsten. Auch sie machten das Kreuz bei der AfD vor allem aus Protest.

Selbst die AfD hatte das nicht erwartet

Die etwas angestaubte Harmonie um das SPD-Ortsbüro in Schönau trügt, ist der Soziologe überzeugt: Die Moderne, die Dienstleistungsgesellschaft, die Zersplitterung der Parteienlandschaft und der Bedeutungsverlust der ehemaligen Volkspartei SPD ist auch im ehemals roten Mannheim angekommen.

Kombiniert mit Protestwählern, verhältnismäßig niedriger Wahlbeteiligung und Unzufriedenheit mit der Flüchtlingspolitik kann das der AfD zu spektakulären Erfolgen verhelfen.

Erwartet hat dieses Ergebnis hier dennoch niemand, selbst der AfD-Kandidat nicht: Zu der Wahlparty der AfD in Stuttgart kam er am Sonntagabend nicht. Und selbst in Mannheim ließ er seine Anhänger in einem Restaurant angeblich alleine feiern.

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