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Rechtspopulisten in Mannheim : Wie die AfD eine SPD-Hochburg eroberte

2500 Arbeitsplätze gefährdet

In jüngster Zeit gab es schlechte Nachrichten aus der Industriestadt: General Electrics hat Alstom übernommen und will ein Werk in Mannheim schließen. Etwa 1000 Arbeitsplätze werden verloren gehen. Auch Bombardier streicht Stellen, ebenso der Möbelanbieter XXXL. Insgesamt sind wohl rund 2500 Arbeitsplätze betroffen.

Der SPD-Kandidat Fulst-Blei hat in Schönau umsonst mit seinen Erfolgen geworben.

Haben die Menschen in der Schönau und in Mannheim Nord Abstiegsängste? Wenn, dann wären die kaum begründet. Die Arbeitslosigkeit liegt in Mannheim zwar zwei Prozent über dem baden-württembergischen Durchschnitt, ist mit sechs Prozent im Februar 2016 aber auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren.

Und in die Schönau wurden in den vergangenen Jahren Millionen gesteckt, erzählt Andrea Safferling beim Rundgang durch ihr Viertel. Die Sozialbauten sind frisch saniert, der Marktplatz ist etwas trist, aber sauber und neu betoniert.

Flüchtlingsthematik wahlentscheidend

Wer hier lebt, dem geht es nicht so gut wie den Menschen in den grün-bürgerlichen Universitätsstädten Heidelberg, Konstanz oder Tübingen – oder wie denen im wohlhabenderen Mannheimer Süden, wo ein Grüner das Direktmandat holte. Aber es geht ihm auch wahrlich nicht schlecht.

Das legt eine andere Vermutung nahe: Für 69 Prozent der AfD-Wähler in Baden-Württemberg waren laut ersten Analysen „die Flüchtlinge“ wahlentscheidend. Und in Mannheim waren zeitweise bis zu 12.000 Flüchtlinge untergebracht. Die Stadt hat riesige leerstehende Kasernen und wurde so zum Erstaufnahmeort für ganz Baden-Württemberg, nahm deutlich mehr Flüchtlinge auf als die Landeshauptstadt Stuttgart.

Auch in Mannheim gab es wie in so vielen Städten Gerüchte über Asylbewerber. Eine Lidl-Filiale soll an einem Samstag geschlossen haben, weil sie von Asylbewerbern überrannt wurde; tatsächlich war dieser Samstag ein Feiertag, der 3. Oktober. Rewe soll aus Rücksichtnahme Weihnachtswichtel statt Weihnachtsmänner verkauft haben; tatsächlich hat der Supermarkt seit Jahren beide Sorten im Sortiment.

Das Wahlergebnis war überraschend

Auch die Vergewaltigung eines Mädchens durch einen Syrer in der Mannheimer Innenstadt erwies sich als frei erfunden. Doch wie es so oft ist, erfuhren das nur wenige von denen, die zuvor das Gerücht verbreitet hatten.

Andrea Safferling sagt, sie habe den Unmut zwar gespürt, die Gerüchte gehört. Das Wahlergebnis habe sie trotzdem überrascht. Denn im Gegensatz zur SPD sei die AfD im Mannheimer Norden nicht verwurzelt. „Keiner kennt den“, sagt sie über den AfD-Kandidaten Rüdiger Klos.

Auch ihr Kollege Fulst-Blei sagt: Bei seinen 1000 Hausbesuchen und den vielen Runden im Wahlbezirk habe er Herrn Klos nie getroffen. In der „Rhein-Neckar-Zeitung“ wird der AfD-Kandidat jedoch mit den Worten zitiert, er sei „unermüdlich von Tür zu Tür gelaufen“; Claus Nielsen vom AfD-Kreisverband Mannheim bestätigt das. Rüdiger Klos selbst ist nicht zu erreichen.

AfD auch in gutbürgerlichen Vierteln erfolgreich

Der Oberbürgermeister von Mannheim, Peter Kurz (SPD), glaubt zwar auch, dass die Flüchtlingsthematik wahlentscheidend war. Aber ziemlich unabhängig von der Lage in Mannheim. Mit der auf vier große Standorte konzentrierten Erstunterbringung gebe es einerseits wenige Mannheimer, die in ihrem Alltag Flüchtlinge erlebten.

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