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Pressestimmen zur Wahl : Wie das Ausland über den Erfolg der Rechtspopulisten berichtet

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Die liberale „Neue Zürcher Zeitung“ sieht den Aufstieg der AfD als Warnsignal nach Berlin. Peter Rásonyi schreibt, es sei jetzt die Zeit für die Parteien, umzudenken. Doch es deute wenig darauf hin, dass sie es tun. Jetzt deute alles darauf hin, dass die AfD auf Kosten aller Parteien der Einzug in den Bundestag gelingen werde – auf Kosten aller großen Parteien. AfD-Wähler seien eben nicht nur ein Haufen trüber Rassisten, Extremisten und Dummköpfe, sondern auch bürgerliche und ehrenhafte Wähler, welche die Politk der Regierungskoalition nach dem Motto von Kanzlerin Merkel nicht mehr alternativlos betrachten.

„Die Wähler bestrafen Merkels Koalition“

Der „Tages Anzeiger“ schreibt am Montagmorgen: „Börse legt trotz Merkel-Schlappe zu.“ Der Konkurrent zur Neuen Zürcher Zeitung hat wie viele Deutsche Medien für die Landtagswahlen einen eigenen Live-Blog erstellt. Korrespondent Dominique Eigenmann schreibt in seinem Kommentar: „Deutschland muss diesen Bürgern antworten.“ Eigenmann schreibt, die Wahlergebnisse seien ein dramatischer Rechtsrutsch, der aber nicht neu sei in Deutschland. Schon lange vor dem Aufstieg der AfD habe es ein nationalistisches, elitenskeptisches und fremdenfeindliches Lager von rund einem Fünftel der Bevölkerung gegeben.

Die linksliberale spanische Zeitung „El País“: „Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde von den Wählern abgestraft. Der Vormarsch der ausländerfeindlichen und euroskeptischen AfD bedeutet ein politisches Erdbeben, das durch die Flüchtlingskrise ausgelöst wurde. Für Deutschland und das übrige Europa sind die Wahlergebnisse eine sehr schlechte Nachricht.“ Deutschland sei die Lokomotive der europäischen Wirtschaft und in der EU ein unersetzbarer Stützpfeiler. Wenn sich in der öffentlichen Meinung dieses Landes die Ansicht ausbreite, dass Europa ein Hindernis für den Wohlstand der Deutschen sei und die Ausländer die Schuld an den Schwierigkeiten hätten, müsse dies alle Demokraten auf dem Kontinent beunruhigen.

„Die Wähler bestrafen Merkels Koalition und beflügeln den Populismus der Rechten" - so beschreibt die Tageszeitung „La Vanguardia“ den Wahlsonntag in Deutschland. Die deutsche Regierung zahle nun die Rechnung für ihre Flüchtlingspolitik. Dazu ist ein Foto mit jubelnden AfD-Anhängern in Sachsen-Anhalt zu sehen.

Die österreichische Presse spricht von deutlichen Verlusten aller regierenden Parteien in den Ländern – und blickt kritisch auf die Koalitionsbildungen. In keiner der drei Landeshauptstädte kann die bisherige Regierungskoalition unverändert fortgeführt werden. Denn: "Die AfD krempelt die deutsche Parteilandschaft um." („Die Presse“)

Für den Wahlerfolg der rechtspopulistischen Partei findet auch „Der Standard“ drastische Worte, spricht von einem „Debakel" der CDU in Baden-Württemberg und Angela Merkels Flüchtlingspolitik. „Die Partei, die im Wahlkampf mit heftiger Kritik an der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für sich geworben hatte, wurde damit aus dem Stand zweitstärkste Kraft in dem ostdeutschen Bundesland", heißt es in der „Wiener Zeitung". Der „Rechtsruck" in Sachsen-Anhalt sei „massiv“.

Hingegen sagt  „Die Presse", „einen eindeutigen Schluss, ob Merkel nun profitiert oder nicht, lässt das Ergebnis insgesamt aber eher nicht zu“. Die Flüchtlingssituation machte wohl nur einen kleineren Teil der Wahlentscheidung aus.

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