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Koalitionsroulette : Neue politische Farbenspiele

  • -Aktualisiert am

Künftig werden Regierungskoalitionen immer häufiger aus mehr als nur zwei Farben bestehen. Bild: ZB

Nach den Landtagswahlen und dem Erfolg der AfD stehen bald ganz neue Koalitionen auf dem Parlamentsparkett. Doch „Schwampel“- oder „Afrika-Koalition“ klingen nicht nach moderner Politik. Sind Sie ein besserer Namensgeber?

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          Die Ergebnisse bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz haben die politische Landschaft in Deutschland ziemlich durcheinander gewirbelt. Den ehemaligen Volksparteien  laufen die Wähler davon, die Regierungsbildungen werden künftig schwieriger. Schon jetzt zeigt sich, dass klassische Zweierbündnisse schon bald eher die Ausnahme als die Regel sein werden. Doch das Koalitionsroulette führt nicht nur zu mehr Zersplitterung innerhalb der Landesparlamente, sondern auch zu Partnerschaften, die auf Dauer eine neue Politik bedeuteten könnten -  Und die politische Farbenlehre um einige Facetten erweitern.

          Rot-Grün, Schwarz-Gelb, später die „GroKo“, das war seit den achtziger Jahren das klassische Wechselspiel zwischen den Regierungspartnern. Davor hatte die „sozial-liberalen Koalition“ von SPD und FDP mit Bundeskanzler Willy Brandt von 1969 bis 1982 regiert. „GroKos“ waren auch in der Weimarer Republik an der Tagesordnung,  auch wenn sie selten nur aus zwei Parteien bestanden. Namen hatten diese Bündnisse bis auf die „Weimarer Koalition“ - bestehend aus SPD, katholischem Zentrum und der linksliberalen Deutsche Demokratische Partei - allerdings nie. Einfallsreicher  wurden die Politiker erst in der Zeit der Bundesrepublik Deutschland.

          Etwa die „Kenia-Koalition“. Die besteht aus CDU, SPD und Grünen. Auf Landesebene gab es für das Bündnis bereits erste Überlegungen, zustande kam sie nie. Auf Kommunalebene sind sie da schon weiter. Seit 2011 regiert eine solche Parteien-Konstellation einen Bezirk in Berlin. Für Sachsen-Anhalt könnten die Pläne für „Kenia“ wieder aktuell werden. Nach der Landtagswahl braucht CDU-Ministerpräsident Rainer Haseloff ein Dreierbündnis.

          Ebenfalls ein exotischer Name, aber bereits auf Landesebene ausprobiert, ist die „Jamaika-Koalition“. Das Zusammenspiel aus Union, FPD und Grüne. Von 2009 bis 2011 wurde so das Saarland regiert. Das Bündnis scheiterte und ist seitdem auch nicht mehr auf Landes- oder Bundesebene im Gespräch. Ob es am Namen lag? Die Koalition wird nämlich auch „Schwampel“ – schwarze Ampel genannt.  Das wirkt reichlich einfallslos und abgeguckt, dann lieber das Original.

          Denn die „Ampel-Koalitionen“ aus SPD, Liberalen und den Grünen gab es bereits in den neunziger Jahren in Brandenburg und in Bremen, etablieren konnten sie sich nicht. Das konnten auch die vielen Synonyme nicht ändern: Die Ampel ist auch bekannt als „Afrika-“ und „Senegal-Koalition“. Ob Malu Dreyer das in Rheinland-Pfalz nun zu ändern vermag?

          Generell scheinen Länderbezeichnungen populär, wenn es um die Bündnisse in der Politik geht. Deshalb darf natürlich auch die „Deutschland-Koalition“ nicht fehlen: Schwarz, Rot, Gold, oder besser Gelb könnte es – wenn auch unwahrscheinlich – in Baden-Württemberg zu sehen geben.

          Wahrscheinlicher aber ist dort ein Bündnis zwischen Grünen und der CDU. Die „Kiwi-Koalition“ – viel Grün, wenig schwarz - bringt damit auch mal etwas Schmackhaftes in die Farbenlehren mit ein.   

          Viele Namen, doch sie bilden noch lange nicht alle Möglichkeiten der Parteienzusammenarbeit ab. Durch die Erfolge von der AfD, sowie das gute Abschneiden der Linkspartei müssen vielleicht schon bald neue Koalitionsbeschreibungen gefunden werden. So hat der ehemaligen Linksfraktionschef Gregor Gysi für Sachsen-Anhalt eine Koalition von Linkspartei und CDU ins Spiel gebracht. Vor Jahren noch unvorstellbar, hätte dieses politische Bündnis bislang vielleicht nur in konservativen Kreisen bereits einen Namen: Aber über „Harakiri-Koalition“ werden sich weder Union noch Linkspartei freuen.

          Daher: Haben Sie einen besseren Vorschlag für das Gedankenspiel von Gregor Gysi? Oder gar bereits eine Namens-Idee für eine Regierungsbeteiligung der AfD? Babyblau-Schwarz? Da ließe sich bestimmt eine passendere Bezeichnung finden. Kommentieren Sie einfach unter diesem Artikel.

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