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Landtagswahl in Baden-Württemberg : Mappus stürzt - Mehrheit für Grün-Rot

  • Aktualisiert am

Freude bei einer SPD-Wahlparty in Stuttgart Bild: dpa

In Baden-Württemberg zeichnet sich ein Machtwechsel ab: Die CDU von Ministerpräsident Mappus kommt laut vorläufigem Endergebnis auf 39 Prozent der Stimmen und verliert damit die Mehrheit. Die Grünen erzielen 24,2 Prozent, die SPD 23,1 Prozent. Die FDP liegt bei 5,3 Prozent, die Linkspartei verfehlt den Einzug in den Landtag.

          In Baden-Württemberg zeichnet sich nach der Landtagswahl ein Machtwechsel ab. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis vom Sonntagabend kommen Grüne und SPD zusammen auf 71 Sitze im Stuttgarter Landtag. CDU und FDP erreichen dagegen nur 67 Mandate.

          Die CDU erhielt 39 Prozent der Stimmen - deutlich weniger als bei der vorangegangenen Landtagswahl im Jahr 2006, als die Union unter Ministerpräsident Oettinger noch auf 44,2 Prozent der Stimmen gekommen war. Die Grünen konnten mit ihrem Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann ihr Wahlergebnis mehr als verdoppeln: Nach 11,7 Prozent vor fünf Jahren erhielten sie nun 24,2 Prozent. Kretschmann sprach von einem „historischen Wahlsieg.“ Es wehe „ein bisschen der Atem der Geschichte.“ Kretschmann kündigte einen neuen Regierungsstil an. Das übergreifende Thema werde eine „Politik des Gehörtwerdens“ sein.

          Die CDU stellt im Südwesten seit 58 Jahren den Regierungschef. Der CDU-Vorsitzende, Ministerpräsident Mappus, kündigte an, in die Opposition zu gehen. Er will sich am Montag zu seiner politischen Zukunft äußern. Mappus sagte, der Wahltag sei ein „bitterer Tag für die Demokratie, ein bitterer Tag auch für mich, nach meiner Meinung und der meiner politischen Freunde auch ein bitterer Tag für Baden-Württemberg.“ Es gelte nun, sich als Opposition an die Arbeit zu machen.

          Mappus im Regen von Pforzheim

          Die FDP, die in Baden-Württemberg stets im Landtag vertreten war, erhielt 5,3 Prozent der Stimmen. Bei der vorangegangenen Landtagswahl hatte sie 10,7 Prozent erhalten.

          Die SPD unter Spitzenkandidat Schmid erreichte 23,1 Prozent. Dies ist das schlechteste Landtagswahlergebnis des Landesverbands. 2006 hatten die Sozialdemokraten mit 25,2 Prozent bereits ihr zweitschlechtestes Wahlergebnis erzielt. Die Linkspartei, die 2006 noch unter dem Parteinamen WASG 3,1 Prozent erhalten hatte, verfehlte abermals mit 2,8 Prozent den Einzug in den Landtag. Die CDU erhält im neuen Landtag 60 Sitze (bisher 69). Die Grünen stellen 36 Abgeordnete (bisher 17), die SPD 35 (bisher 38). Die FDP kommt auf 7 Mandate (bisher 15). Es waren etwa 7,8 Millionen Bürger zur Wahl aufgerufen. Die Wahlbeteiligung fiel mit 66,2 Prozent deutlich höher aus als vor fünf Jahren, als sie bei 53,4 Prozent lag

          Mappus: Viele Rückschläge im Wahlkampf

          Mappus wünschte den Wahlsiegern „aus Liebe zu Baden-Württemberg für den Regierungsauftrag alles Gute“. Der Wahlkampf sei schwierig gewesen, „mit immer neuen Rückschlägen“, als Beispiele nannte er den Streit über „Stuttgart 21“, die Affäre um Guttenbergs gefälschte Doktorarbeit und die Atomkatastrophe in Japan. Insbesondere die Ereignisse in Japan hätten der CDU geschadet. Er habe schon mit der Bundeskanzlerin gesprochen. Er stehe weiterhin hinter ihrem Kurs in der Atompolitik, der „alternativlos“ sei. Die Verantwortung für das Wahlergebnis trage er selbst, nicht die Parteispitze in Berlin.

          Winfried Kretschmann wurde in Stuttgart von den Grünen-Anhängern mit lang anhaltendem Applaus gefeiert. Er sagte, den Grünen sei ein „historischer Wahlsieg“ gelungen. Er bedankte sich besonders bei denen, „die uns zum ersten Mal gewählt haben“. „Wir haben die historische Wende in diesem Land erreicht“. „Wir werden in diesem Land einen Politikwechsel einleiten, wir werden den versprochenen Weg in die Bürgergesellschaft gehen und wir werden diesen Wechsel zusammen mit der Bevölkerung Baden-Württembergs einleiten.“ Nach den „Polarisierungen“ wollten die Grünen „die Menschen zusammenführen und das Land gemeinsam umgestalten in eine grüne Richtung.“

          Nils Schmid sprach von einem „klaren Regierungsauftrag“ für SPD und Grüne, den man gemeinsam annehmen werde. Nach 57 Jahren sei ein „historischer Wechsel“ geschafft worden. SPD und Grüne werden gemeinsam Regierungsauftrag annehmen. Man wolle „mit den Grünen auf Augenhöhe regieren.“ Schmid kündigte an: „Ich werde dieses Land mit Pragmatismus regieren“; sein Wunsch sei es, „Ministerpräsident“ zu werden.

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