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Im Gespräch: Winfried Kretschmann : „Wir haben Sonne im Herzen“

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„Wir haben eine klare Idee von Gesellschaft im Sinne der Nachhaltigkeit”: Winfried Kretschmann im Interview mit der F.A.S. Bild: F.A.Z.-Wolfgang Eilmes

Als erster grüner Landes-Regierungschef will Winfried Kretschmann Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig machen - aber „behutsam und mit Maß“. Eine feindliche Übernahme des Landes plant der designierte Ministerpräsident von Baden-Württemberg nicht.

          Herr Kretschmann, sind die Grünen in den Koalitionsverhandlungen schwach geworden?

          Wie kommen Sie darauf?

          Ihr Juniorpartner SPD bekommt mehr Ministerien in der künftigen Landesregierung und dazu noch alle klassischen Ressorts. Das zeugt nicht von Stärke, oder?

          Der Erfolg einer Regierungskoalition macht sich nicht an der Zahl der Ministerien fest. Er macht sich daran fest, ob die beiden fast gleich starken Partner mit dem Tableau zufrieden sind. Wir sind sehr stark bei den Infrastrukturministerien, das ist für den ökologischen Umbau der Gesellschaft entscheidend. Da ist die Veränderung am ehesten sichtbar. Jede Partei hat ein Bildungsressort, insofern sind wir zufrieden.

          Winfried Kretschmann, designierter Ministerpräsident von Baden-Württemberg, im F.A.S.-Interview

          Glauben Sie, dass Ihre Basis das gut findet?

          Der Koalitionsvertrag trägt eine durch und durch grüne Handschrift. Deshalb glaube ich, dass die Grünen sehr zufrieden sein werden. Für die SPD ist es ein schwerer Brocken, dass wir jetzt die Regierung führen und nicht sie. Darum wird der Ausdruck „Politik auf Augenhöhe“ betont.

          Das klingt beinahe mitleidig. Die Grünen sind nett zur SPD, weil die es schwer genug hat.

          Nein, das ist ein Gebot der praktischen Vernunft, weil man ja fünf Jahre erfolgreich regieren möchte in einem Land, in dem die CDU nach wie vor stärkste Partei ist. Da kann man sich kein ständiges Fingerhakeln erlauben.

          Zeigt diese Rücksichtnahme, dass die SPD der bevorzugte Partner der Grünen ist, auch über Baden-Württemberg hinaus?

          Das ist erst mal eine landespolitische Option, die sich nach 58 Jahren CDU ergeben hat. Daraus sollte man keine Schlüsse ziehen. Dass es Grün-Rot wurde, hat sich, ohne dass wir eine Koalitionsaussage gemacht hätten, aus der Dynamik des letzten halben Jahres ergeben.

          Im Bund oder in anderen Bundesländern ist Schwarz-Grün für Sie aber weiter eine Option?

          Es wäre komisch, jetzt von Schwarz-Grün zu schwadronieren. Wir müssen jetzt zeigen, dass dieses Land auch von anderen gut und sogar besser regiert werden kann. Koalitionsoptionen ergeben sich immer aus der Dynamik der Verhältnisse und daraus wie sich die Partner aufstellen. Wir sehen bei der Union eine tiefe Verunsicherung und Unklarheiten etwa in der Frage der Energiepolitik der Zukunft. Insofern liegt der Ball gar nicht bei uns.

          Sie gelten als Wertkonservativer. Der Koalitionsvertrag hat aber eine linke Prägung: Gemeinschaftsschule, Ethikunterricht, Arbeitsmarktprogramm und vieles mehr. Wo ist da die wertkonservative Note?

          Das Programm ist von dem Gedanken der Nachhaltigkeit imprägniert. Das ist der eigentlich konservative Gedanke der Grünen, nämlich die Schöpfung zu bewahren. Dass Sie aber ausgerechnet Ethik als links ansehen, erstaunt mich.

          Es gibt ja den Religionsunterricht.

          Das ist gut für die Gläubigen, aber Heidenkinder sollen ja auch nicht nur vom Hausmeister betreut werden.

          Hat Ihr Pathos der Nachhaltigkeit zu vielen Reibungen mit der SPD geführt, die ja nicht so imprägniert ist von diesem Gedanken?

          Wir hatten ja jetzt eine schöne Kontroverse über das Auto. Wo wir noch mal die Nachhaltigkeit bei der Mobilität angemahnt haben und der Koalitionspartner gesagt hat, eine Regierung in Baden-Württemberg müsse Benzin im Blut haben . . .

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