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Harald Schmidt im F.A.Z.-Gespräch : „Mit Tanja tanzt man keinen Stehblues“

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Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Harald Schmidt ist in Nürtingen aufgewachsen, deshalb versteht er die Schwaben. Vor der Landtagswahl am 27. März spricht er im F.A.Z.-Interview über den Glückspilz Günther Oettinger, den Pietismus der Gudrun Ensslin - und andere große und kleine Geheimnisse Baden-Württembergs.

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          Herr Schmidt, Sie sind 2009 mit dem Preis des Waiblinger Motorsägenherstellers Stihl für Ihre Verdienste um die Region Stuttgart ausgezeichnet worden. Worin liegen diese Verdienste?

          Ich spiele in Stuttgart Theater. Außerdem bin ich in Nürtingen bei Stuttgart aufgewachsen. Vor allem aber sage ich immer und überall: Stuttgart ist toll, Stuttgart ist ein schlafender Riese, Stuttgart ist ein Rohdiamant. Wahrscheinlich war ich auch einfach der Bekannteste, der für den Preis zur Verfügung stand. Bei Preisen guckt man ja auch immer: Wer passt gerade, wer ist im Lande? Ich fand es jedenfalls naheliegend, dass ich den Preis kriege.

          Churchill hat einmal über seinen Nachfolger Attlee gesagt: ein bescheidener Mann, mit allem Grund zur Bescheidenheit. Gilt das nicht auch für Ihre Heimat?

          Ich finde nicht. Da ist schon mal das Materielle: Wohlstand. Mittlerer Neckarraum. Ich kenne das ja noch aus meiner Schulzeit, da hatten normale Arbeiter zwei Häuser, „uff Mondaasch“ verdient. Das Gehalt lief weiter, und der Vater war „uff Mondaasch“ in Brasilien oder in Russland, das wurde dann ja noch mal richtig bezahlt. Außerdem hat meistens die Oma jede Menge Grundstückle ghabt. Wenn uns da der Ruhrpottarbeiter geschildert wurde, in der Schule, im Drittweltunterricht oder so, da wusste man gar nicht, was damit gemeint ist. Denn man fuhr ja Benz, man hatte zwei Häuser, man hatte Grundstücke. Man musste auch am Wochenende 400 Kirschbäume abernten, sinnlos, aber die hatte man halt. Übrigens häufige Todesursache in der Ecke: vom Kirschbaum gfalla. Das glaubt man gar nicht, wie oft das passiert. Das ist das Materielle. Hinzu kommt: Auto erfunden, Hegel, Horkheimer, tolle Naherholungsgebiete. Also ich finde, Stuttgart hat auch weltweit gesehen eine enorme Lebensqualität. Baden-Württemberg insgesamt.

          Gibt es den Wohlstand immer noch in dem Maße?

          Relativ gesehen ja. Wenn ich mir in Stuttgart die sozialen Brennpunkte anschaue - das ist in Köln oberer Mittelstand.

          Politiker im Südwesten sagen noch lieber als anderswo: Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Stimmt das?

          Absolut. Ich bin ja auch ein Mittelständler: GmbH mit ich glaube 12 Festangestellten. Ich hatte mal 112. Zu der Zeit habe ich in Berlin zufällig Heinz Dürr getroffen, ein weiteres Aushängeschild unseres Landes: Bahn-Chef, AEG-Chef, Theaterfan, zwei Töchter: Nicole macht irgendwas mit Mode. Die andere weiß ich nicht, ich glaube die lebt in Las Vegas. Die habe ich mal beim Frühstück gesehen, im Schlossgarten-Hotel. Hat mir ihre Visitenkarte gegeben. Wenn ich mal nach Las Vegas komme: melden. Und dann sagte ihr Vater: Was, Sie hen a GmbH? Wie viel Mitarbeiter hen Sie? Ich: so hundert. Und dann sagte der mir auf den Kopf die Umsatzzahlen zu. Ich habe das mal nachgeschaut, das stimmte in etwa. Also: Natürlich ist es der Mittelstand, der das Land trägt. Weil der Mittelstand noch vor Ort rackert, ohne Wenn und Aber Steuern zahlt und in Talkshows keine unschönen Sätze sagt wie: Die Produktion folgt den Märkten.

          In Ihrem neuen Buch schreiben Sie, dass für alle, die nördlich von Frankfurt herstammen, Baden-Württemberg und Bayern dasselbe seien. Als gebürtiger Bayer müssen Sie es besser wissen. Also: Welches Bundesland liegt vorne?

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