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Wahl in Baden-Württemberg : Er sollte ein schwarzer Kretschmann sein

Guido Wolf will Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden. Bild: Wolfgang Eilmes

Guido Wolf könnte die CDU in Baden-Württemberg in die Niederlage führen. Und daran ist nicht nur die Flüchtlingskrise schuld. Was macht der Mann falsch?

          Wer das Drama der CDU im Südwesten und das ihres Spitzenkandidaten Guido Wolf verstehen will, muss sich an eine Sitzung der CDU-Landtagsfraktion am 12. Oktober 2011 erinnern. Einige Abgeordnete schauten gelangweilt auf Emil Wachters Bodensee-Triptychon, das an der Stirnseite des Sitzungssaals hängt, als ihnen der damalige Fraktionsvorsitzende Peter Hauk ein überraschendes Angebot machte: Er schlug vor, den bis dato völlig unbekannten Abgeordneten und Tuttlinger Landrat Guido Wolf zum neuen Landtagspräsidenten zu machen. Der Vorgänger war wegen des ENBW-Deals zurückgetreten, die Partei ächzte unter den Folgen des Mappus-Regimes und unter Personalauszehrung.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Nach der Wahlniederlage 2011 waren der CDU nur drei Ämter geblieben: Fraktionsvorsitz, Landesvorsitz und, weil die Union die stärkste Fraktion war, das Vorschlagsrecht für den Landtagspräsidenten. Normalerweise werden immer solche Politiker Landtagspräsidenten, die ihr politisches Leben im Wesentlichen schon hinter sich haben. Im Fall Guido Wolfs war das anders: Er gehörte noch nicht einmal zu denen, die man als Nachwuchskräfte vorzeigte. Der 12. Oktober 2011 war also ein schicksalhafter Tag, der Beginn einer untypischen Karriere zum Spitzenkandidaten für eine äußerst ungewöhnliche Wahl.

          Mit dem großen Sieg ist nicht zu rechnen

          Die findet in zwei Wochen statt, in Baden-Württemberg wird der Landtag gewählt, und wenn die CDU Pech hat, könnte der 54 Jahre alte Wolf die Partei in eine Niederlage führen, die noch dramatischer wäre als die von 2011. Und damals hatte man immerhin die Regierung an Grüne und SPD verloren. Die missliche Lage hat nicht allein mit dem Spitzenkandidaten zu tun, sondern auch mit einer Konstellation, die für die verwöhnte frühere Staatspartei absolut neu ist: Die Flüchtlingskrise spaltet die CDU. Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann beherrscht die asymmetrische Mobilisierung meisterhaft. Die Kanzlerin hat an Überzeugungskraft verloren. Es gibt ein schwarz-grünes Wählermilieu, für das Wolf und Kretschmann, eben beide, wählbar sind. Hinzu kommen grundsätzliche Schwierigkeiten der CDU. Die Umstellung von der Regierungsrolle auf die Rolle der Opposition ist für die Partei etwa so schwer wie der Wechsel in der Automobilindustrie vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb. Die Mischung aus Angriff in bürgerlicher Tonlage und Präsentation von Konzepten ist der ehemaligen Regierungspartei wesensfremd.

          Mit einem großartigen Sieg der CDU ist wohl nicht mehr zu rechnen, dafür müsste sie von etwa 31 Prozent auf 38 oder 39 Prozent aufholen. Was Wolf vielleicht noch verhindern kann, ist, dass die Grünen stärker werden als die CDU. Das gelingt nur, wenn die Merkel-Wähler nicht weiter zu Kretschmann und die Kritiker der Kanzlerin nicht weiter zu FDP und AfD abwandern. Jedenfalls hat die CDU, zumal im Südwesten, früher etwas anderes unter einem Sieg verstanden. Schon 35 Prozent wären jetzt ein Riesenerfolg.

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