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Grüne in Baden-Württemberg : Wer viel schafft, darf auch viel feiern

Grün kommt: Wahlparty in Stuttgart Bild: dpa

In Stuttgart feiern die Grünen ihren historischen Sieg bei der Landtagswahl. Doch die Freude wird getrübt durch das schlechte Abschneiden der SPD.

          Vier Minuten. So lange hält der Applaus an, als Winfried Kretschmann am Sonntagabend um kurz vor halb sieben die Stuttgarter Staatsgalerie betritt, in der die Grünen ihre Wahlparty feiern. Fast 32 Prozent haben sie nach der ersten Hochrechnung bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg geholt, und auch wenn die nächste Berechnung sie bei einem Prozentpunkt weniger sieht, ist das ein spektakuläres Ergebnis.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          „Die Baden-Württemberger haben heute nochmals Geschichte geschrieben und die Grünen zur stärksten Kraft im Land gemacht“, ruft Kretschmann seinen jubelnden Anhängern zu. Dann bedankt er sich bei allen, die für dieses „furiose Ergebnis“ gekämpft und dafür gesorgt hätten, dass Baden-Württemberg so bleibe, wie es schon geworden sei: „schön grün imprägniert“.

          Ergebnisse

          Kretschmann musste zuvor trotz seiner Beliebtheit um seine Wiederwahl bangen. Denn vor Weihnachten lagen seine Grünen noch zwölf Prozentpunkte hinter der CDU seines Herausforderers Guido Wolf. Je näher die Wahl aber rückte, umso besser sah es aus für die Grünen – doch noch am Samstag gaben 44 Prozent der Wähler in einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen an, nach wie vor unentschieden zu sein.

          Das SPD-Ergebnis trübt die Freude

          Jetzt ist sicher: Die Grünen liegen deutlich vor der zweitplazierten CDU - eine Sensation in Baden-Württemberg, dem Stammland der Christdemokraten, die im Vergleich zur vergangenen Wahl noch einmal zwölf Prozentpunkte verloren haben. Auch wenn CDU-Landeschef Thomas Strobl von einer „Deutschland-Koalition“ unter Führung der Union träumt, wofür es nach den Prognosen rechnerisch reichen würde: Kretschmann macht auf der Bühne in der Staatsgalerie deutlich, dass dies dem Wählerwillen widersprechen würde. „Ich sehe in diesem Wählervotum den Auftrag, erneut die Landesregierung zu bilden und den Ministerpräsidenten zu stellen“, ruft er seinen Anhängern zu.

          Noch am Donnerstagabend in der Elefantenrunde im SWR war Kretschmann gesundheitlich angeschlagen gewesen, hatte gekrächzt und immer wieder schlucken müssen. Jetzt, auf der Bühne vor seinen jubelnden Anhängern, ist davon nichts mehr zu sehen oder zu hören. Fünf Jahre nach der vorangegangenen Landtagswahl und nach der Atomkatastrophe in Fukushima steht fest: Der Erfolg der Grünen in Baden-Württemberg war nicht bloß eine den Umständen geschuldete Ausnahme. Die Grünen konnten im Vergleich zu 2011 noch einmal fast sieben Prozentpunkte zulegen.

          Den Grünen-Anhängern im Saal ist klar, dass der Wahlerfolg vor allem einer Person geschuldet ist. 89 Prozent aller Wähler sagten am Sonntag laut einer Umfrage, Kretschmann sei ein guter Ministerpräsident. 99 Prozent sind es bei den Grünen-Wählern und 70 Prozent selbst noch unter AfD-Wählern. Kritik an einem den Grünen eigentlich fremden Personenkult übt auf der Wahlparty keiner. „Sicherheit, eine Konstante und eine Vision für die Zukunft“, das alles sei der Landesvater Kretschmann für die Baden-Württemberger, schwärmt eine elegant gekleidete Frau mit türkischem Migrationshintergrund. Ein 29 Jahre alter Mann sagt: „Ich dachte, die Umfragen sind viel zu gut, und wir fliegen noch auf den Hintern.“ Jetzt herrsche eine „riesen-riesengroße Freude“ über das Ergebnis. Die wird freilich getrübt durch das desaströse Abschneiden der SPD. Nicht einmal 13 Prozent bekamen die Sozialdemokraten. Schnell wird klar: Das bedeutet das Ende der grün-roten Koalition.

          Über den Erfolg der AfD zeigen sich viele schockiert. Als sich abzeichnet, dass die AfD in Baden-Württemberg sogar die SPD überholt hat, geht ein Raunen durch den Saal. Noch eine halbe Stunde vor Schließung der Wahllokale war man noch zuversichtlich, dass die AfD in Baden-Württemberg in Schach gehalten werden könne, dass es jedenfalls nur zu einem einstelligen Ergebnis reichen würde. Baden-Württemberg sei anders, hieß es, und zweistellige Ergebnisse in den Umfragen der letzten Woche müssten gar nichts heißen. „Damals bei der Volkskammerwahl, unmittelbar nach dem Fall der Mauer, hat man sich auch getäuscht“, sagt ein Grüner. „Man hat doch einfach keine Vergleichswerte.“

          Grün-Schwarz oder eine Ampelkoalition aus Grünen, SPD und FDP sind jetzt die Regierungsoptionen unter grüner Führung. Eine Ampel wäre vielen in der Staatsgalerie lieber als Grün-Schwarz – selbst wenn die meisten keine Gemeinsamkeiten mit der FDP sehen. So sagt zum Beispiel Peter Mielert, Sprecher der Grünen im Bezirksparlament von Bad Canstatt, die FDP habe keinen ökologischen Kurs und wolle hohe Feinstaubwerte mit neuen Straßen bekämpfen.

          Auf der Bühne sagt Kretschmann bloß, er hoffe, dass es doch noch für eine Weiterführung von Grün-Rot reichen werde. Ansonsten müsse man über „schwierigere Optionen“ verhandeln. Welche das sind, sagt er nicht. „Wer viel schafft, der darf auch viel feiern“, so Kretschmann zum Abschluss. „Und das wollen wir heute einfach mal machen.“

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