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Baden-Württemberg : Triumph für Grüne, Schock für SPD

Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist der eindeutige Wahlsieger in Baden-Württemberg. Bild: AP

In Baden-Württemberg sind die Grünen die neue Volkspartei – und die stärkste Kraft im neuen Landtag. Sie leiden aber unter einer schwachen SPD. In der CDU brechen die ersten Gräben auf.

          6 Min.

          Dreieinhalb Minuten Applaus kostet Kretschmann auf der Bühne am Wahlabend aus, dann kommt, bedacht und langsam, der Satz, den er sich angesichts der Umfragewerte schon lang zurechtgelegt haben konnte: „Ihr habt zu Recht geklatscht. Baden-Württemberg hat noch einmal Geschichte geschrieben.“ Die Grünen als stärkste Kraft in Baden-Württemberg hätten den Auftrag, abermals die Landesregierung zu bilden und den Ministerpräsidenten zu stellen. Mit Leidenschaft und Beharrlichkeit werde man daran arbeiten, dass Baden-Württemberg stark und lebenswert bleibe, „ein Land, in dem es sich zu leben lohnt“. Ein paar Sätze später wird Kretschmann persönlich in seiner Ansprache an die Wahlhelfer: „Wer viel schafft, darf auch mal feiern. Heute, morgen auch noch ein bisschen. Und dann geht’s wieder an die Arbeit, damit Baden-Württemberg das bleibt, was es geworden ist: schön grün imprägniert.“ Rhythmischer Beifall.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Uneingeschränkt fröhlich ist Kretschmann gleichwohl nicht, als er sich in der Staatsgalerie von den grünen Parteifreunden feiern lässt – denn für eine Fortsetzung von Grün-Rot wird es kaum reichen. 30 Prozent erhalten die Grünen dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge. Erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland. Ein historisches Ergebnis. Doch die SPD hat nicht das nötige Gewicht. Grün-Rot ist Geschichte. Die AfD erreicht 15,1 Prozent.

          „Keine Angst vor der Macht“ heißt ein Buch über die Geschichte der Grünen in Baden-Württemberg, das vor ein paar Monaten erschienen ist. Diese Angst haben die Grünen in der Tat verloren. Viel haben Kretschmanns Leute getan, um in den vergangenen Wochen nicht arrogant zu wirken und die forsche Siegeszuversicht zu dämpfen, unendliche Telefonschaltkonferenzen gab es, um – wie es einer aus dem Umfeld Kretschmanns formuliert – „alles überall abzudichten“.

          Doch hatten sie bis zum Schluss mit einem knappen Ergebnis gerechnet. Am liebsten wäre den Grünen natürlich die Fortsetzung der derzeitigen Koalition gewesen, man hätte nur über wenige Details reden müssen: Brauchen die Grünen als 30-Prozent-Partei nicht ein Querschnittsressort? Was wird aus dem bislang SPD-geführten Integrationsministerium? Ansprüche auf das Wirtschaftsministerium meldete Kretschmann schon im Wahlkampf an. In der gesamten Legislaturperiode gab es eine Verschiebung im linksliberalen Lager zugunsten der Grünen, das grün-rote Lager oszillierte zwischen 42 und 44 Prozent, wurde aber nicht wesentlich größer. Bei dieser Größenordnung bleibt es am Wahlabend. Für Grün-Rot reicht es nicht. Für diesen Fall war mit Nils Schmid, dem SPD-Landesvorsitzenden sowie Finanz- und Wirtschaftsminister, vereinbart, mit der FDP die Möglichkeiten einer Ampelkoalition zu sondieren. Diese wäre die zweitbequemste aller Möglichkeiten für die Grünen. Sie soll möglichst parallel zu einer grün-schwarzen Koalition sondiert werden.

          Ergebnisse

          19.18 Uhr im Marmorsaal des Neuen Schlosses. Alle fünf Spitzenkandidaten treten noch einmal gemeinsam vor die Presse. Eigentlich wird der Raum für Neujahrsempfänge genutzt oder für repräsentative Veranstaltungen, auf denen es gute Nachrichten zu verkünden gibt. „Wir haben nur die Hälfte der Wahlziele erreicht“, sagt ein Grüner Fraktionsmitarbeiter bitter. Vor fünf Jahren musste Kretschmann nach 28 Jahren Opposition schnell lernen, was es heißt, Ministerpräsident zu sein. Das größte Ziel des heute 67 Jahre alten Politikers war es ursprünglich einmal, Finanzminister in einer schwarz-grünen Koalition zu werden. Jetzt muss er eine Regierung aus schwierigen Mehrheitsverhältnissen bilden. Die Wähler haben die politische Landschaft umgepflügt. In Pforzheim und Mannheim schaffen es Kandidaten der AfD Direktmandate zu erlangen. Die SPD verliert ihren letzten direkt gewählten Abgeordneten, Mannheim hat für die SPD eine hohe symbolische Bedeutung. In Heilbronn, der Heimatstadt des CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl, gewinnt eine grüne Kandidatin.

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