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Kritik an Gemeinschaftsschulen : Lehrer wie Dompteure im Zirkus 

Gymnasiallehrer werden fachfremd eingesetzt

Die Gymnasiallehrer haben darüber hinaus geringe Chancen, je wieder vor einer Gymnasialklasse zu stehen, es sei denn, ihr Versetzungsantrag wird positiv beschieden. Einige von ihnen haben eine Erklärung unterschrieben, in der es heißt, „dass mit der Annahme der Stelle eine Mindestverweildauer von fünf Jahren an dieser Schule verbunden ist, wir von einem dauerhaften Einsatz an der neuen Schulart Gemeinschaftsschule ausgehen und ein Wechsel an ein Gymnasium später nur noch auf dem Wege der Versetzung möglich ist“.

Das Kultusministerium bekräftigt, dass dies bei allen Schularten und bei allen Einstellungsverfahren praktiziert werde, und verweist auf das Bedürfnis nach Unterrichts- und Personalkontinuität. Zudem sei davon auszugehen, dass sich die Bewerber für eine Gemeinschaftsschule bewusst für diese Schulart entscheiden. Nach Ablauf der Mindestverweildauer könnten die Lehrkräfte einen Versetzungsantrag stellen, hierfür brauchten sie „die Freigabe der abgebenden Schulart, wie an beruflichen Schulen auch“, so heißt es in der Stellungnahme aus Stuttgart.

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Eine andere Gymnasiallehrerin an einer Gemeinschaftsschule berichtet, an ihrer Schule sei fachfremder Unterricht „eine Selbstverständlichkeit“. Das werde immer damit begründet, „dass Grund- und Hauptschullehrer ja schon immer fachfremd unterrichtet haben“. Das Kultusministerium verweist darauf, dass die Schulleitungen von fachfremdem Unterricht nur dann Gebrauch machten, wenn sie keine entsprechenden Fachlehrer hätten. Die Schulleiter stellten aber sicher, dass der fachfremd eingesetzte Lehrer „den Unterricht fachlich qualitätsvoll umsetzen kann“, was durch kollegialen Austausch in der Fachschaft gesichert werde. Auch an Realschulen werde fachfremder Unterricht erteilt, so das Ministerium.

Niveauunterschiede treten offen zutage

Besonders häufig vom fachfremden Unterricht betroffen ist die zweite Fremdsprache Französisch, die wie im Gymnasium von der sechsten Klasse an unterrichtet werden soll und als Wahlpflichtfach erteilt wird (an der Rheinschiene gibt es auch Englisch als zweite Fremdsprache). Schließlich sollen die Schüler ja die formalen Voraussetzungen erfüllen, um nach der zehnten Klasse in die gymnasiale Oberstufe eines allgemeinbildenden Gymnasiums zu wechseln. Lehrer berichten jedoch, dass eine Französischklasse nicht zustande kam oder nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurde, weil die Schüler in der fünften Klasse noch Schwierigkeiten beim flüssigen Lesen im Deutschen hatten und mit ihrer ersten Fremdsprache Englisch überfordert waren. Gemeinschaftsschüler hätten die Möglichkeit, Französisch am Ende des ersten oder zweiten Schulhalbjahres der sechsten Klasse abzuwählen und sich zu Beginn der Klassenstufe 7 für ein anderes Wahlpflichtfach zu entscheiden, etwa „Technik und Mensch und Umwelt“, ergänzt das Kultusministerium.

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