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AfD nach den Wahlen : Die Revolution frisst ihre Eltern

Alternatives Milieu: Die AfD-Politiker Gauland, Junge, Poggenburg, Petry und Meuthen in Berlin Bild: Matthias Lüdecke

Wie die AfD das Erbe der Achtundsechziger auslöschen will – und warum Meuthen viel ruhiger wirkt als Petry.

          Beim dritten Mal will Frauke Petry nicht mehr antworten. Einer der Journalisten der Bundespressekonferenz hat die Vorsitzende der AfD nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen ihrer Partei und dem rechtsextremen französischen Front National (FN) gefragt und zwischen ihr und der FN-Vorsitzenden Marine Le Pen. Petry weicht aus, verweist darauf, dass die AfD nationale Politik in Deutschland mache und man mit dem Front National nur reden müsse, wenn es im Europäischen Parlament um Europa gehe.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Schließlich versucht sie es mit einem kleinen Scherz, weist darauf hin, dass sie und Le Pen Frauen seien. Doch daraus will sie keine politischen Gemeinsamkeiten ableiten. Kurzum: Die Fragen gehen ihr erkennbar auf die Nerven. Das kann sie nicht verbergen.

          Als sie eben dabei ist, den Fragekomplex Front National abzuwürgen, ergreift ungefragt der Mann neben ihr das Wort. Es ist Jörg Meuthen, der zweite und gleichberechtigte Vorsitzende der AfD und Spitzenkandidat bei der baden-württembergischen Landtagswahl. Er dürfte gemerkt haben, dass Petry einer inhaltlichen Antwort ausweichen will. Also gibt er die Antwort an ihrer Stelle, weist darauf hin, dass der FN eine nationalistische Partei sei, die AfD aber nicht.

          Es ist in mehrfacher Hinsicht ein bizarres Schauspiel, das sich da am Tag nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt in Berlin bietet. Um 13 Uhr ist der große Saal der Bundespressekonferenz fast so gefüllt wie bei den gelegentlichen Besuchen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es mögen 200 Journalisten sein, die Fernsehkameras stehen in langer Reihe, die Fotografen drängeln sich.

          Klagen über „Stigmatisierung“

          Auf dem Podium sitzen neben Petry und Meuthen die Spitzenkandidaten der Wahlen in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, und Rheinland-Pfalz, Uwe Junge. Zudem findet sich noch der stellvertretende Bundesvorsitzende Alexander Gauland ein. Die AfD will in ihrer ganzen personellen Breite wahrgenommen werden von jenem Berufsstand, über den manches Parteimitglied gern kritisch spricht, selbst wenn nicht gleich das Wort von der „Lügenpresse“ fällt. Auch am Montag wird viel geklagt über die „Stigmatisierung“, die man erlebe.

          Petry bemüht sich, freundlich zu schauen, wenn sie einen Fragesteller in der Menge nicht gleich entdeckt. Doch was wohl ein Lächeln werden soll, gerät mehrfach zu einem scharfen Grinsen. Temperamentvoll wie sie ist, feuert sie ihre Stellungnahmen und Antworten mehr ab, als dass sie diese vorträgt. Oft vermengt sie mehrere Themen in hoher Geschwindigkeit miteinander. Meuthen ist das Gegenteil. Seine Gesichtszüge sind weicher als die von Petry. Wenn er sagt „Sie erleben uns alle in gelöster Stimmung“, dann nimmt man ihm das ab.

          Frauke Petry ist an der Spitze der AfD, weil sie unbedingt dorthin wollte. Nach einem harten Kampf ist es ihr im Juli vorigen Jahres gelungen, die Dominanz des damaligen AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke zu brechen. Lucke verließ geschlagen die Partei, Petry wurde zur mächtigen Frau an ihrer Spitze. Um dem Eindruck entgegen zu treten, dass damit eine Rechtsverschiebung einhergeht, wurde der gemäßigte Professor und Wirtschaftswissenschaftler Meuthen zum gleichberechtigten Vorsitzenden gewählt. Bis zum Sonntag wirkte seine Gleichberechtigung eher formal. Doch erscheint fraglich, ob das so bleibt.

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