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Trump und die Waldbrände : „Es wird kühler werden, Sie werden sehen“

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Glaubt nicht an die Erderwärmung: Präsident Donald Trump am Montag in Sacramento/Kalifornien Bild: AFP

Bei seinem Besuch in Kalifornien streitet Donald Trump einen Zusammenhang der verheerenden Waldbrände mit dem Klimawandel ab. Den Demokraten um Joe Biden gibt das die Chance, sich im Wahlkampf mit dem Thema zu profilieren.

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          Eine „gehässige Frage“ sei das, sagte Donald Trump am Montag in Sacramento, als er gefragt wurde, warum es fast drei Wochen gedauert habe, bis er nach Kalifornien gereist sei. Der Präsident hatte sich erst am Freitag bei Twitter zu den katastrophalen Bränden an der Westküste geäußert. In einem Dutzend Bundesstaaten zerstörten die Flammen mittlerweile Millionen Hektar Wald, mindestens 35 Menschen starben. Seit Tagen sorgen Bilder vom roten Himmel im Katastrophengebiet auf der ganzen Welt für Entsetzen. Nun rechtfertigte Trump sein langes Schweigen damit, dass er zumindest den Notstand für die Gebiete erklärt habe, um Mittel freigeben zu können.

          Bei Trumps Reise nach Kalifornien geht es nicht zuletzt auch um den Wahlkampf. Die Demokraten betonten zwar immer wieder das Gegenteil, doch bislang war der Klimawandel kein großes Thema der Kampagne – auch wenn Trumps Herausforderer Joe Biden ankündigte, mit einem Infrastrukturprogramm in den Klimaschutz zu investieren und Trumps Rückzug aus dem Pariser Abkommen zu stoppen. Die Coronavirus-Pandemie, die Diskussionen um Rassismus und um die persönliche Eignung der Kandidaten standen deutlich im Vordergrund. Zudem kann Biden mit seiner Klimaschutz-Agenda viele Menschen in der Partei nicht mobilisieren, weil er nicht hinter dem „Green New Deal“-Investitionsprogramm der Parteilinken steht.

          „Bitte respektieren Sie den Meinungsunterschied“

          Durch die Wucht der Zerstörungen im Westen ist das Thema nun aber im Mittelpunkt des Wahlkampfes angekommen. Zwar gibt es an der Westküste nicht viele republikanische Stimmen zu gewinnen. Für den Präsidenten kam es am Montag aber dennoch darauf an, die Reaktionen auf die katastrophale Situation nicht allein dem politischen Gegner zu überlassen. Den Republikanern, unter deren Anhängern sich viele Leugner der Erderwärmung finden, muss es um andere Erklärungsversuche als den wissenschaftlich belegten Zusammenhang mit dem Klimawandel gehen.

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          Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Gouverneur Gavin Newsom gab sich Trump zunächst respektvoll. Für die Menschen in Kalifornien gebe es keinen Zweifel, dass der Klimawandel die immer heißeren Temperaturen und die Feuer verursacht habe, sagte Newsom. „Bitte respektieren Sie den Meinungsunterschied, der hier in Bezug auf das fundamentale Problem des Klimawandels herrscht“, bat er Trump. Indem er diese Formulierung wählte, bot er dem Präsidenten keine Angriffsfläche, so dass Trump nur antwortete: „Absolut.“ Bei seiner Ankunft in Sacramento hatte der Präsident auf die Frage, ob der Klimawandel auch aus seiner Sicht ein großes Problem in Kalifornien sei, geantwortet, das müsse man den Gouverneur fragen – er wolle Newsom „nicht auf die Füße treten“.

          Im Gespräch mit kalifornischen Regierungsvertretern war Trump dann weniger zurückhaltend. Wade Crowfoot, Chef des Amtes für Bodenschätze und natürliche Ressourcen, beschrieb dem Präsidenten die Situation im Bundesstaat. Die Temperaturen hätten in diesem Sommer alle Rekorde gebrochen; die Sommer würden in Zukunft noch wärmer werden, ebenso auch die Winter. Es sei wichtig zu verstehen, dass der Klimawandel für die Brände verantwortlich sei, sagte der Behördenleiter – nicht nur, wie Trump mehrfach behauptet hatte, das Forstmanagement in den betroffenen Gebieten.

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