https://www.faz.net/-gpf-a3dut

Trump und die Waldbrände : „Es wird kühler werden, Sie werden sehen“

  • -Aktualisiert am

Man müsse der Wissenschaft folgen, so Crowfoot: „Die Wissenschaft wird hier der Schlüssel sein, denn wenn wir diese wissenschaftlichen Erkenntnisse ignorieren und quasi unseren Kopf in den Sand stecken und denken, es gehe alles um Forstmanagement, dann wird es uns nicht gelingen, die Menschen in Kalifornien zu schützen.“ Der Regierungsvertreter brachte seine Argumente höflich vor, die Kritik an Trump war aber deutlich. Der reagierte mit einem spöttischen Lächeln, als er sagte: „Es wird kühler werden, Sie werden schon sehen.“ Crowfoot entgegnete: „Ich wünschte, die Wissenschaft würde Ihnen Recht geben.“ Trump gab zurück: „Tatsächlich glaube ich nicht, dass die Wissenschaft das weiß.

Ähnlich wie der Präsident in den ersten Monaten der Coronavirus-Pandemie behauptet hatte, das Virus werde schon bald einfach verschwinden, spielte er so die Rolle der Erderwärmung für die Brände in Kalifornien herunter. Statt den Klimawandel machte Trump in den vergangenen Tagen mangelhaftes Forstmanagement für die Brände verantwortlich. Wie so oft mischte er dabei Fakten und falsche Behauptungen – wenn umgefallene Bäume zu lange nicht weg geräumt würden, werde der Untergrund trocken wie Zunder, beschrieb er etwa und deutete an, dass die Bundesstaaten an der Westküste das Unheil selbst über sich gebracht hätten. Doch allein in Kalifornien gehören 57 Prozent der Waldflächen dem Bund – und dennoch gibt der Bundesstaat mehr Geld für das regionale Forstmanagement aus als die Zentralregierung.

Die Erderwärmung, eine Erfindung der Chinesen

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es zwar Probleme mit der Pflege der Wälder gibt, dass die ausgetrockneten Böden aber noch stärker mit dem Klimawandel zusammenhängen. Trump hatte sich in der Vergangenheit schon öfter als Leugner des Klimawandels betätigt. So behauptete er 2012, die Erderwärmung sei eine Erfindung der Chinesen, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. In den vergangenen Jahren wählte er weniger drastische Formulierungen, machte aber keine Klimaschutzpolitik. So kündigte er den Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem Abkommen von Paris an. Und mit der Rücknahme von mehr als 150 Umwelt- und Klimaschutzbestimmungen versprach Trump den Energiekonzernen ein Zeitalter amerikanischer „Energiedominanz“.

Zur Abwechslung mal kein Souvenir aus einer amerikanischen Botschaft für Donald Trump: Ein Mitarbeiter des Präsidenten bringt ein Foto der Waldbrände in die Air Force One, das in Sacramento gezeigt wurde.
Zur Abwechslung mal kein Souvenir aus einer amerikanischen Botschaft für Donald Trump: Ein Mitarbeiter des Präsidenten bringt ein Foto der Waldbrände in die Air Force One, das in Sacramento gezeigt wurde. : Bild: Reuters

Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden kritisierte den Präsidenten anlässlich dessen Reise nach Kalifornien. Biden sagte, dass der Klimawandel und seine Rolle für die Katastrophe an der Westküste unleugbare Realitäten seien. Wenn Trump weitere vier Jahre regiere, dann würden viele Menschen bald direkt unter den Folgen des Klimawandels leiden. Die Bewohner jener Vorstädte, die Trump gern vor vermeintlich zunehmender Kriminalität warnt, würden dann andere Sorgen haben. „Wenn wir vier weitere Jahre lang Trumps Klimawandel-Leugnen haben, wie viele Vororte werden dann durch Brände zerstört werden? Wie viele Nachbarschaften in den Vorstädten werden überflutet werden? Wie viele Vororte werden von Wirbelstürmen weggefegt werden?“ fragte Biden. Wenn man dem „Klima-Brandstifter“ Trump vier weitere Jahre im Weißen Haus gebe, könne niemand überrascht sein, wenn Amerika brenne.

Weitere Themen

Scholz und Altmaier zu neuen Corona-Hilfen Video-Seite öffnen

Livestream : Scholz und Altmaier zu neuen Corona-Hilfen

Nach Verkündung der aktuellen Maßnahmen in der Pandemie wollen Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier auch über neue Corona-Hilfen für die Wirtschaft informieren. Verfolgen Sie die Pressekonferenz im Livestream.

Der Kampf um die Vorstädte

Wahlkampf in Amerika : Der Kampf um die Vorstädte

Die alten Hochburgen der Republikaner sind bedroht. Grund dafür sind demografische Veränderungen. Jetzt muss Trump um einst sichere Stimmen kämpfen.

Topmeldungen

Corona-Debatte im Bundestag : Merkel und der Preis des Menschenlebens

Von Merkel über Lindner bis zur AfD zog sich eine Frage durch die Debatte im Bundestag: Was gilt ein Menschenleben? Die überzeugendste Antwort gab Ralph Brinkhaus: Wir sind keine Diktatur.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.